06.07.2020 | 16:47 Uhr Pferdebahn Döbeln weist Vorwürfe der Tierquälerei zurück

Eine Pferdestraßenbahn mit Fahrgästen fährt an einem Neubaublock vorbei
Die Pferdebahn Döbeln ist wieder in Betrieb. Bildrechte: Traditionsverein Döbelner Pferdebahn e.V./Jörg Lippert

Nach der Veröffentlichung des Artikels über den Saisonstart bei der Döbelner Pferdebahn wurden in den sozialen Netzwerken Vorwürfe der Tierquälerei gegen den für den Betrieb verantwortlichen Verein laut. Vereinschef Jörg Lippert kennt solche Vorwürfe seit 13 Jahren und reagiert gelassen.

Das hat schon begonnen, als wir das erste Mal den Wagen auf die Schiene gesetzt haben.

Jörg Lippert Vereinschef Döbelner Pferdebahn

Aber in Deutschland würde schließlich nichts ohne entsprechende Gutachten genehmigt werden, noch dazu eine exotische Pferdebahn. Und diese Gutachten habe der Verein alle eingeholt.

Strenge Zulassungsregeln

Die Pferdebahn wurde von einem europäischen Pferdeinstitut geprüft, sagt Lippert.

Dabei sind die Strecke, die Weichen, der Wagen und das Zugpferd geprüft worden. Auch das Futter und Wasser für das Pferd haben eine Rolle bei der Prüfung gespielt.

Jörg Lippert Vereinschef Döbelner Pferdebahn

Die Prüfung habe keinerlei Beanstandungen ergeben. "Wir dürfen mit 19 Erwachsenen auf dem Wagen fahren." Und natürlich habe auch der Pferdebahnwagen eine TÜV-Prüfung absolvieren müssen.

Landesgestüt Moritzburg hat beim Test von Pferd und Wagen geholfen

Wolfgang Lippert hat mit seinem Verein zusätzlich auch das Landesgestüt Moritzburg mit ins Boot geholt. "Von diesem durchaus anerkannten Gestüt haben wir uns eine sogenannte Federkraftwaage geliehen. Damit ließ sich genau feststellen, welche Kraft nötig ist, den vollbesetzten Wagen über die Gleise zu ziehen." Das Testergebnis sei eindeutig gewesen.

Das Pferd braucht zum Ziehen unseres Wagens nur 15 bis 20 Prozent seiner zur Verfügung stehenden Kraft.

Jörg Lippert Traditionsverein "Döbelner Pferdebahn e.V."

Ganz augenscheinlich führt Lippert das auch oft seinen ungläubigen Fahrgästen vor. Er lässt dann eine einzelne Person den vollbesetzten Wagen schieben, um zu zeigen, wie wenig Kraft dafür nötig ist. "Der Grund ist ganz einfach", sagt er.

Die Reibung zwischen den Stahlrädern und der Schiene ist eben minimal.

Jörg Lippert Vereinschef Döbelner Pferdebahn

Sonst könne auch kein schwerer Güterzug von einer Lokomotive gezogen werden. "Daher ist auch der Vorwurf aus der Luft gegriffen, dass man zwei Pferde vor die Bahn spannen müsste." Auch vor achtzig Jahren wäre immer nur ein Pferd auf der Strecke im Einsatz gewesen. Lippert verweist auf das Pferdebahnmuseum, das sein Verein ebenfalls in Döbeln betreibt. "Dort werden viele dieser Fragen ganz ausführlich erläutert." Wem das noch nicht reiche, der könne gern mit ihm oder den anderen Mitgliedern des Vereins persönlich Kontakt aufnehmen. "Das ist allerdings in den vergangenen Jahren noch nie passiert. Es ist immer bei den Vorwürfen über Facebook geblieben."

Pferdestraßenbahn
Bildrechte: dpa

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 04.07.2020 | 19:00 Uhr

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