Naturphänomen Erdbeben der Stärke 4 im Vogtland

In einigen Teilen Mitteldeutschlands waren am Sonntag gegen 6 Uhr erneut Erdstöße zu spüren. Wie das Seismologische Zentralobservatorium in Hannover mitteilte, lag das Epizentrum im Vogtland unweit von Bad Brambach. Die genaue Lage werde aber noch ermittelt. Die Stärke habe 4,0 auf der Richterskala betragen. Es sei die bisher stärkste Erschütterung gewesen. Über Schäden sei bislang nichts bekannt. Allerdings waren die Erdstöße bis zu 100 Kilometer entfernt in Chemnitz und Altenburg noch zu spüren. Wohl auch, weil es Sonntag und zu dieser Zeit noch sehr ruhig war.

In dieser Heftigkeit nicht erwartet

Seismologe Nicolai Gestermann sagte MDR INFO, seit rund zwei Wochen würden im Vogtland sogenannte Schwarmbeben registriert. Bisher habe es rund 1.000 solcher Mikrobeben gegeben. Eine solche heftige Eruption wie am Sonntag sei nicht erwartet worden. Die Stärke liege am oberen Ende der für die Region typischen Erschütterungen. Die Experten schließen weitere und noch stärkere Stöße nicht aus. Das sächsische Landesamt für Umwelt und Geologie erklärte allerdings, eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe bei der jetzt festgestellten Intensität nicht.

Schwarmbeben typisch im Vogtland

Schwarmbeben sind kleine Erdbeben in einer Tiefe von sieben bis zehn Kilometern, die in dichter zeitlicher Reihenfolge im gleichen Gebiet auftreten. Sie sind im Vogtland eine typische Erscheinung und werden schon seit dem 16. Jahrhundert registriert. Als Ursache vermuten Seismologen den Aufstieg von Gasen aus dem Erdmantel in die Erdkruste, die in der Region eine besondere Struktur aufweist. Das Vogtland gehört zusammen mit dem Oberrheingraben, der Niederrheinischen Bucht und der schwäbischen Alb zu den vier seismisch aktivsten Regionen bundesweit.

Der letzte größere Erdbebenschwarm ereignete sich nach Angaben des Landesamtes von Oktober bis Dezember 2008. Die Beben erreichten damals eine maximale Magnitude von 4,3 auf der Richter-Skala. Ein stärkeres Schwarmbeben hatte sich von August bis November 2000 im Vogtland ereignet. Damals wurden etwa 5.000 Beben gezählt, das größte erreichte eine Stärke von 3,7. Ein Schwarmbeben, das zum Jahreswechsel 1985/86 stattfand, hatte sogar zu Schäden an Gebäuden geführt, es entstanden Risse in Wänden und Mauern.

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2011, 15:25 Uhr