Folgen der tödlichen Auseinandersetzung Innenminister Wöller: Gewalt in Chemnitz ist unerträglich

Es sollte ein fröhliches Stadtfest in Chemnitz werden. Nach einer tödlichen Messerattacke im Stadtzentrum riefen sich Stunden später rechte Hooligans zu Demos auf. Das Entsetzen darüber ist in Chemnitz groß. Die Stadt ist besorgt über die Lage und will die Vorfälle aufarbeiten.

Sachsens Innenminister Roland Wöller hat die rechte Gewalt in Chemnitz scharf verurteilt. Das Vorgehen von Gewaltbereiten und Gewalttätern sei unerträglich, sagte Wöller am Montag im ARD-Mittagsmagazin. Zudem wandte sich der Innenminister gegen Stimmungsmache im Netz. "Wir haben eine Situation, die für mich und für viele andere unerträglich ist. Wir haben Spekulationen, wir haben Mutmaßungen, wir haben Falschmeldungen und regelrechte Lügen im Netz", sagte Wöller. "Ich kann uns alle nur bitten, besonnen zu bleiben, ruhig zu bleiben und den Fall entlang der Tatsachen abzuarbeiten und dann entsprechende Konsequenzen zu ziehen."

Neben rechter Demonstration auch Gegenveranstaltung geplant

Am gestrigen Sonntag hatte es zwei Spontandemos in der Innenstadt gegeben. Auslöser war der Tod eines 35-jährigen Deutschen bei einer Messerattacke in der Nacht zu Sonntag. Unter anderem hatte eine rechte Fußballfan-Gruppierung rund 800 Teilnehmer mobilisiert. Aus Sicherheitsgründen und um Panik zu vermeiden, brachen die Veranstalter das Stadtfest vorzeitig ab. Im Laufe des Sonntagnachmittags kam es dann zu Übergriffen und Attacken auf Polizisten. Eine MDR-Reporterin berichtete auch von Rangeleien zwischen Demonstrationsteilnehmern. Die Polizei Chemnitz bearbeitet vier Anzeigen im Zusammenhang mit den Demonstrationen vom Sonntag: Zwei Anzeigen wegen Körperverletzung, eine wegen Bedrohung und eine Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Unterdessen sind für Montagabend erneut Demonstrationen angekündigt. Die rechtsgerichtete Bürgerbewegung "Pro Chemnitz" rief auf Facebook zu einer Kundgebung auf. Mehrere linke Gruppierungen aus Sachsen kündigten in den sozialen Netzwerken Gegenveranstaltungen an.

Haftbefehle beantragt

Einen Tag nach dem gewaltsamen Tod eines Mannes in Chemnitz hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen zwei Tatverdächtige wegen gemeinschaftlichen Totschlags beantragt. Wie die Behörde am Montag mitteilte, wurden am Nachmittag ein 23-jähriger Syrer und ein 22 Jahre alter Iraker dem Haftrichter vorgeführt. Sie sollen am frühen Sonntagmorgen in der Innenstadt mehrfach grundlos auf einen 35-jährige Deutschen eingestochen haben. Das Opfer starb kurz darauf im Krankenhaus. Die Ermittlungen zum Tatmotiv, zum genauen Ablauf der Tat und zur Tatwaffe dauern an, hieß es.

Oberbürgermeisterin entsetzt

"Es sollte ein friedliches Stadtfest werden. Wir hatten ja einen besonderen Anlass, den Stadtgeburtstag. Und wenn ich sehe, was sich in den Stunden am Sonntag hier entwickelt hat, dann bin ich entsetzt", sagte die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig MDR SACHSEN. Es sei schlimm, "dass es möglich ist, dass sich Leute verabreden, ansammeln und damit ein Stadtfest zum Abbruch bringen, durch die Stadt rennen und Menschen bedrohen". Weiter sagte sie im Gespräch mit MDR SACHSEN: "Denen, die sich hier angesammelt haben, bewusst auch keine Versammlung angemeldet haben, geht es darum, genau das Stadtfest zu stören, die Situation zu chaotisieren, damit die Menschen noch mehr Angst kriegen und genau das dürfen wir uns nicht gefallen lassen."

Der wahre Grund für den vorzeitigen Fest-Abbruch

Den vorzeitigen Abbruch des Stadtfestes begründeten die Organisatoren nach Absprachen mit der Polizei als sinnvoll und notwendig, um die Besucher zu schützen. "Um keine emotionale Reaktion hervorzurufen, haben wir den naheliegenden Grund gewählt, aus Pietätsgründen und aus Anteilnahme das Stadtfest abzusagen, auch wenn der eigentliche Grund für uns natürlich eine andere Sicherheitslage war. Wir wollten erreichen, dass das Festgelände in Ruhe verlassen werden kann", erklärte der Stadtfest-Veranstalter Sören Uhle von der Chemnitzer Wirtschaftsförderung.

Quelle: MDR/kk/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.08.2018 | ab 6:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 27.08.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 27. August 2018, 15:36 Uhr

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429 Kommentare

01.09.2018 13:02 mitgelaufen 429

Ich bin nicht Rechts, doch wie gehört habe das, ein Mensch erstochen wurde bin ich auch zur Demo. Auf der Demos gab Plakate darauf stand bist das Blut spritzt, es wurden Menschen gejagt, Reporter bedroht. Das hat mich sehr entsetzt und ich schäme mich dafür, dem Aufruf gefolgt zu sein nie wieder werde ich denen Vertrauen deren Antwort auf alles Hass ist.

31.08.2018 21:45 Bronko 428

@31.08.2018 08:51 Ralf112

Ich danke Ihnen, lieber Ralf, für diese allumfassende Einschätzung der Lage. Sie haben leider vergessen zu erwähnen, dass Antifaschisten und "Aktivisten" die Gudden sind und nie einen Stein gegen den Freund und Helfer benutzen.

Hamburg
Leipzig
Berlin

undundund................

[Liebe User, Gewalt wird allgemein nicht toleriert. Hierbei ist es unerheblich aus welchem Motiv heraus oder gar aus welcher politischen Strömungsrichtung. Wer Gewalt anwendet ist kein "Gudder", um es mit Ihren Worten zu sagen. Viele Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

31.08.2018 16:34 Franz Richter 427

Verantwortlich für alles. ist am Ende die menschenfeindliche Politik der CDU ln Dresden. Ohne wenn und aber.

31.08.2018 08:51 Ralf112 426

@422 Wolfgang Nawalny:: "@Janes - Wenn ich Ihre Beiträge so lese, kommt mir die Frage ob Sie Ursache und Wirkung jemals begreifen werden ..."

Das denke ich schon. Bei Ihrer Aussage bin ich mir da allerdings nicht so sicher. Das Zynische an den Ereignissen in Chemnitz ist doch die Tatsache, dass der rechte Mob, also die Hitlergrußanhänger, die das deutsche Reich gegen die Messerstecher mit Selbstjustiz verteidigen wollten, in ihrer Wut doch auch das Opfer Daniel H. verprügelt hätten. Zum einen aufgrund seiner Hautfarbe und zum anderen aufgrund seiner politischen Einstellung, da er ja laut Medienberichten eher links ausgerichtet zu sein schien. Friedlichen Demonstranten ist die Herkunft egal. Die demonstrieren gegen die Gewalttat an sich. Nazis, Hooligans und Rechtsextremisten demonstrieren eher selten, wenn es sich um ein linksorientiertes Opfer mit "Migrationshintergrund" handelt.

31.08.2018 08:18 Ralf112 425

@414 der Silvio: "Ohne Zweifel waren Nazis unter den Demonstranten"

Darin liegt mein nächstes, vielleicht mein größtes Problem. Ich bin nicht, NIEMALS, in einer Demonstration unterwegs bin, in der linke Chaoten Steine werfen oder rechte Parolen gebrüllt werden. NIEMALS!!!!!

Wer sich nicht aus einer Gruppe entfernt, die offensichtlich braunes Gedankengut zur Schau stellt, der macht sich mitschuldig, weil der braune Mob sich bestätigt fühlt, je mehr Mitläufer er hat. Ebenso wenig stehe ich NIEMALS neben einem Steine werfenden linken Mob, weil ich auch diesem NIEMALS das Gefühl gebe, ich würde ihn unterstützen oder auch im Entferntesten nur tolerieren.

30.08.2018 23:36 Ralf112 424

@418 Heidi Rudolph: "Die Gewalt von Chemnitz hat sie (die AfD) verurteilt."

Genau genommen hat Herr Frohnmeier die Menschen geradezu aufgehetzt, sich gegen die Messerstecherei auf den Straßen zur Wehr zu setzen. Gleichzeitig hat Herr Gauland das Verhalten der Menschen als völlig normal dargestellt. Also Gewalt verurteilen sieht bei mir anders aus. Dazu hat Frau Böswald (Anwältin!) in einem youtube Video mit falschen Aussagen über die Geschehnisse in Chemnitz die Berichterstattung der Presse angeprangert. Dieses Video kann ich übrigens jedem, der sich für die Wahrheit interessiert empfehlen. Die AfD nimmt es damit wohl nicht so genau.
Selbstverständlich gab es auch die drei betroffen aussehenden AfD Herren, die sich von Gewalt distanziert haben und die die Meinung ihres Parteikollegen Frohnmeier nicht so toll fanden. Also im Grunde wie immer bei der AfD, für jede Klientel etwas dabei, nicht dass eine Gruppe abspringt, weil sie sich nicht mehr vertreten fühlt...

30.08.2018 09:38 der_Silvio 423

@420 Janes; "Ja, man kann sich auch Probleme einreden, die keine sind....Dann hat man die Chance, seinen eigenen Irrtum zu erkennen..."
Das heißt, daß Linksextremismus für sie nicht gefährlich, nicht vorhanden und/oder kein Problem ist? Worin liegt dann der Unterschied zwischen linker und rechter Gewalt bzw. Straftaten?
Sind linke Gewalt- oder Straftaten besser als die der Rechten und somit nicht verfolgungswürdig?
Wenn das so wäre, dann wäre eine Diskussion sinnlos.

30.08.2018 07:39 Wolfgang Nawalny 422

@Janes - Wenn ich Ihre Beiträge so lese, kommt mir die Frage ob Sie Ursache und Wirkung jemals begreifen werden ...

29.08.2018 23:02 Ralf112 421

@414 der Silvio: "Wie viele der Demonstranten kennen sie denn, daß sie von einem 'braunen Mob' schreiben? Ich wette, keinen einzigen!"

Ich kenne doch auch keinen der linken Krawallmacher und auch keinen der mutmaßlichen Mörder persönlich. Trotzdem kann ich anhand der Videos im TV und im Internet den braunen Mob genauso gut erkennen wie den Linken. Der einzige der pauschalisiert, das sind Sie. Wer friedlich und mit Anstand demonstriert, der weiß, dass er/sie nicht zum braunen Abschaum gehört. Und wer mit "Absaufen", mit "Volksverräter", mit Hiltlergruß, mit Jagd auf Ausländer, usw. auftritt, der weiß sehr genau, dass er dazu gehört. Das ist ja schließlich auch deren Absicht!

29.08.2018 22:16 Janes 420

@der_Silvio 417: Ja, man kann sich auch Probleme einreden, die keine sind. Daher kann es nicht schaden, sich immer wieder aufs Neue zu hinterfragen und zu informieren.

Und dann kann es nicht schaden, anderen zuzuhören, die nicht mit der selben Meinung sind. Dann hat man die Chance, seinen eigenen Irrtum zu erkennen und seine Meinung zu korrigieren-was nach meiner Ansicht keine Schande ist.

Zum Glück kann man ja viele Probleme haben und alle zu seiner Zeit angehen.

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