Auf Spurensuche Was wäre Plauen ohne Erich Ohser?

von Jacqueline Hene

Wer sich Plauen auf der A72 nähert, sieht sie schon von weitem: die braunen Touri-Schilder, die auf Erich Ohser hinweisen. Der Vater mit Kugelbauch und Riesenschnauzer und sein Sohn fahren Motorrad. Die Werbung am Straßenrand geht offenbar auf. "Mit den Schildern ist das Interesse an Erich Ohser merklich angestiegen", sagt Martina Roth von der Touristinformation. 

Vater und Sohn sind unser Wahrzeichen.

Martina Roth Touristinformation Plauen

Roth steht vor einem Regal mit Beuteln, Tassen, Puzzeln und Quartett-Spielen – alles mit Vater und Sohn-Motiven bedruckt. Erich Ohser Merchandising vom Feinsten. Der Verkaufsschlager schlechthin: Vater und Sohn aus Plauener Spitze. "Der Anhänger ist die perfekte Kombination der Wahrzeichen unserer Stadt: Spitze und Erich Ohser", freut sich Roth.

Vater und Sohn allerorten

Beim Bummel durch Plauen kommt man durch eine Erich-Ohser-Straße und an eine nach ihm benannte Schule. Vater und Sohn zieren in Farbe und ganz offiziell auch Bauzäune und Trafohäuschen. Dafür arbeitet die Stadt seit Jahren mit einem Graffiti-Künstler aus Mechelgrün zusammen. 

Wenn man nach den Spuren von e.o. plauen fragt, dann ist das Erich-Ohser-Haus das pulsierende Herz.

Elke Schulze Kunsthistorikerin

Dass sich das Stadtmarketing auf Ohsers Vater-und-Sohn-Figuren konzentriert, kann Ohser-Biografin Elke Schulze nachvollziehen, gibt aber zu bedenken: "So beliebt Vater und Sohn sind, so verhängnisvoll sind sie, weil sie vergessen machen, was für ein großartiger Zeichner e.o.plauen war." Schulzes Reich und Arbeitsplatz ist das Erich Ohser Haus in der Nobelstraße. Zwei Mal pro Jahr kuratiert die Kunsthistorikerin dort eine Ausstellung. 

Erich Ohser ist viel mehr als Vater und Sohn.

Elke Schulze Kunsthistorikerin

Auf drei Etagen präsentiert ihr Haus den gesamten Ohser-Kosmos: politische Karikaturen, Buchillustrationen, Tuschezeichnungen, von Ohser selbst entworfene Möbel. Ein Raum widmet sich Ohsers widerspruchsvollem Leben im Spannungsfeld zwischen Karikaturen gegen die Nazis und Aufträgen für die Zeitschrift "Das Reich". Eine Gratwanderung, die nicht aufgehen konnte und 1944 im Selbstmord Ohsers endete.

e.o. plauen - international beliebt

Schulze führt nicht nur Besucher aus Deutschland durch ihr Haus, sondern aus der ganzen Welt, vor allem aus China. "Chinesische Kinder halten Vater und Sohn für ein chinesisches Kinderbuch", sagt sie. Erwachsene Chinesen würden die Geschichten als Erziehungsratgeber lesen und mit ihren Kindern nachspielen. Fast alle Besucher verewigen sich im Gästebuch, oft mit kleinen Zeichnungen. Und so krackelig diese manchmal wirken, "Erich Ohser hätte das gefallen", ist sich Schulze sicher.

Dieses Thema im MDR-Programm MDR AKTUELL | 15.03.2018 | 12:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2018, 09:26 Uhr

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2 Kommentare

19.03.2018 07:23 Eckart Sackmann 2

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Ohser einer der bestverdienenden Karikaturisten seiner Zeit war, der durchaus die Möglichkeit gehabt hätte, sich auf seinen Auslandsreisen (mit Familie) von den Nazis abzusetzen. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass sein Freitod nach dem Krieg quasi als Marketinghilfe genutzt wurde und dass dadurch ein Erfolg erwirtschaftet wurde, der vor 1945 weit schwächer war (relativ geringe Verkaufszahlen der Bücher). Mitleid sells.

18.03.2018 13:30 Michael Groß 1

Es sollte nicht unerwähnt bleiben dass Ohser denunziert wurde und in Haft Selbstmord beging

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