Baku
Die Delegationen des UNESCO-Welterbekomitees kommen in der Hauptstadt von Aserbaidschan. Bildrechte: dpa

05.07.2019 | 11:00 Uhr Erzgebirge hofft auf UNESCO-Welterbetitel in Baku

Die Spannung steigt im Erzgebirge, denn der Welterbe-Titel ist zum Greifen nah. Die Delegationen des UNESCO-Welterbekomitees entscheiden in der Hauptstadt von Aserbaidschan bis zum 7. Juli darüber, ob die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoři in die Welterbeliste der Vereinten Nationen aufgenommen wird.

Baku
Die Delegationen des UNESCO-Welterbekomitees kommen in der Hauptstadt von Aserbaidschan. Bildrechte: dpa

Das Erzgebirge soll als "Kulturlandschaft" in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen werden. Darüber berät an diesem Wochenende das Auswahlkomitee der UN-Kulturorganisation, das in Baku in Aserbaidschan tagt. Deutschland und Tschechien haben den Antrag gemeinsam eingereicht. Beide Länder verweisen auf die jahrhundertelange Bergbau-Tradition des Erzgebirges. In der Grenzregion wurde ab dem 15. Jahrhundert Silber abgebaut, später war es Uran. Insgesamt setzt sich die Nominierung aus 22 Bestandteilen zusammen: 17 auf deutscher und fünf auf tschechischer Seite. Die ausgewählten Denkmale sowie Natur- und Kulturlandschaften repräsentieren nach Auffassung der Bewerber in ihrer Gesamtheit die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus.

Bildergalerie Orte der Welterbe-Bewerbung der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří

Die Nominierung besteht aus 22 Bestandteilen: 17 auf deutscher und fünf auf tschechischer Seite. Jeder Bestandteil setzt sich wiederum aus verschiedenen Einzelobjekten bzw. Landschaften zusammen. Eine Auswahl:

Pferdegöpel auf dem Rudolphschacht in Lauta bei Marienberg
Der Pferdegöpel auf dem Rudolphschacht in Lauta bei Marienberg. Mit der Kraft der Pferde wurde früher Silbererz aus der Tiefe geholt. Bildrechte: Christoph Stelzner
Pferdegöpel auf dem Rudolphschacht in Lauta bei Marienberg
Der Pferdegöpel auf dem Rudolphschacht in Lauta bei Marienberg. Mit der Kraft der Pferde wurde früher Silbererz aus der Tiefe geholt. Bildrechte: Christoph Stelzner
Roter Turm des Todes
Der Rote Turm des Todes ist ein nationales Kulturdenkmal der Tschechischen Republik, das an die Zeit des massiven Uranabbaus in der Umgebung von Jáchymov erinnert. Zugleich symbolisiert der "Rote Turm des Todes" das Leiden der politischen Häftlinge, die in den 1950er Jahren in den Joachimsthaler Zwangsarbeitslagern unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert wurden. Bildrechte: J. Prudík
Die Saigerhütte
Das Saigern, ein Verfahren zur Gewinnung von Silber aus silberhaltigem Kupfererz, gab der 1537 von Bergmeister Hans Leonhardt gegründeten Hütte ihren Namen. Die Saigerhütte Grünthal war ein selbständiges Gemeinwesen mit eigener Gerichtsbarkeit. Bildrechte: Marko Borrmann
Lauenstein
Die Burg Lauenstein wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts auf einem Felsvorsprung oberhalb der Müglitz errichtet. Von 1517 bis 1821 befand sich Schloss Lauenstein im Besitz der Adelsfamilie von Bünau, die an der Entwicklung des Bergbaus im sächsischen Erzgebirge maßgeblich beteiligt war. Bildrechte: Wirtschaftsförderung Erzgebirge
Montanlandschaft Zinnwald
Der Förderturm des Arno-Lippmann-Schachts in Altenberg. Die Montanlandschaft Altenberg-Zinnwald ist das östlichste der historischen Bergreviere im sächsischen Teil des Erzgebirges. Ihre Bestandteile dokumentieren die Gewinnung, Aufbereitung und Verarbeitung großer Mengen Zinnerze über einen Zeitraum von 600 Jahren.  Bildrechte: Marko Borrmann
NUR im Zusammenhang mit Welterbe-Bewerbung  Rechte: Marko Borrmann Quelle: Wirtschaftsförderung Erzgebirge  Das Bild befindet sich in diesem Ordner T:\TeleMedien\MTA\07_Juli_2019\03.07\Orte Welterbe Erzgebirge
Erste Silbererzfunde im Jahre 1168 führten zur Gründung und rasanten Entwicklung der Stadt Freiberg. Die Bergstadt entwickelte sich aufgrund des Montanwesens zu einem bedeutenden wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Zentrum. Bildrechte: Marko Borrmann
Engländerstollen
Der Engländerstolln bei Kirchberg. Nordwestlich von Schneeberg befindet sich im Hartmannsdorfer Forst eine der ältesten und am besten erhaltenen Bergbaulandschaften des Erzgebirges - der Hohe Forst. Bereits ab 1306 begann in diesem Gebiet zunächst der Abbau von Silber-, später von Kupfererzen. Bildrechte: Wirtschaftsförderung Erzgebirge
Pochwerk Schneeberg
Vom 16. bis 19. Jahrhundert war das Schneeberger Revier weltweit größter und bedeutendster Fundort für Kobalterze. Von den zahlreichen Aufbereitungsanlagen hat sich das Siebenschlehener Pochwerk erhalten. Bildrechte: Marko Borrmann
Blaufarbenwerk
Mit dem Abbau von Kobalterzen konnte sich ein weiterer Produktionszweig des Bergbaus bilden. Die erzgebirgische Blaufarbenproduktion dominierte lange Zeit ganz Europa. Das jüngste der ehemals fünf Blaufarbenwerke befindet sich noch heute in Zschorlau, wo es 1650 von Erasmus Schindler gegründet wurde. Bildrechte: Marko Borrmann
Montanlandschaft Annaberg-Frohnau mit dem Markus-Röhling-Stolln
Montanlandschaft Annaberg-Frohnau mit dem Markus-Röhling-Stolln. Über das Mundloch des Stollns 81 erfolgt der Zugang zum Besucherbergwerk. Bildrechte: Kugler
In der letzten Phase des Bergbaus entstanden durch die Uranerzgewinnung zudem Terrakonikhalden (Spitzkegelhalden), die im Erzgebirge nur noch hier erhalten sind.
In der letzten Phase des Bergbaus entstanden durch die Uranerzgewinnung zudem Terrakonikhalden (Spitzkegelhalden), die im Erzgebirge nur noch hier erhalten sind. Bildrechte: Kugler
St Briccius Halden am Osthang des Pöhlbergs
St Briccius Halden am Osthang des Pöhlbergs. Auf der östlichen Seite des Pöhlbergs, inmitten eines bäuerlich erschlossenen Gebietes, befindet sich ein seit dem 15. Jahrhundert belegtes Bergbaugebiet. Bildrechte: Kugler
Altstadt Marienberg
Die 1521 gegründete Bergstadt Marienberg verdankt ihre Entstehung reichen Silberfunden und wurde als Stadt am Reißbrett geplant. Der quadratische Grundriss, die Regelmäßigkeit und die Verteilung der Gebäude folgen den Grundsätzen der Idealstadt der Renaissance, die hier erstmals nördlich der Alpen zur Anwendung kamen. Bildrechte: Marko Borrmann
Sauberger Richtschacht
Der Sauberger Haupt- und Richtschacht am Bergbaulehrpfad Silberstraße Ehrenfriedersdorf. Bildrechte: Kugler
Bergbaulandschaft Uranbergbau Förderturm
Der Schachtkomplex 371 bei Bad Schlema ist eine der wenigen Uranerz-Bergbauanlagen der SDAG Wismut, die in großen Teilen erhalten geblieben ist. Bildrechte: Wirtschaftsförderung Erzgebirge
Bergbaulandschaft Jachymov
Nur wenige Städte in der Welt haben so eine große Bedeutung für Entwicklung des Bergbaus und des Hüttenwesens wie Jáchymov (Joachimsthal). Die Stadt, die 1516 in einem Steilhang des Erzgebirges gegründet wurde, gehörte zu den Geburtsstätten der Wissenschaft im Bereich Bergbau, Hüttenwesen und Mineralogie, deren wesentliche Grundlagen im 16. Jahrhundert von Georgius Agricola gelegt wurden. 1716 entstand in Jáchymov die erste Bergschule der Welt. Bildrechte: Wirtschaftsförderung Erzgebirge
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Chancen stehen gut

Die Wirtschaftsförderung Erzgebirge sieht gute Chancen für den Welterbe-Titel: Geschäftsführer Matthias Lißke sagte MDR SACHSEN, die Tagung des Welterbekomitees sei zwar immer auch ein politisches Abenteuer, aber rein fachlich sei durch den Weltdenkmalrat ICOMOS die Welterbewürdigkeit empfohlen worden. Dies sei ein ganz wichtiger Baustein. 2016 wurde der erste Antrag zunächst wegen geringer Chancen auf den Titel zurückgezogen und das Projekt noch einmal überarbeitet.

Mit dem Titel verbinden sich Hoffnungen

Matthias Lißke - Wirtschaftsförderung Erzgebirge
Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge betreut die Welterbe-Bewerbung. Bildrechte: Christoph Stelzner

Durch die UNESCO selbst gibt es mit einem Welterbe-Titel keine finanziellen Zuwendungen. Jedoch hofft man im Erzgebirge vor allem auf touristische Effekte: Neue Gästegruppen, internationale Gäste und eine gesteigerte Bekanntheit des Erzgebirges im Allgemeinen. Ein japanisches Reisebüro hätte die Wirtschaftsförderung bereits mit einer Voranfrage kontaktiert. Außerdem, so Matthias Lißke sei die finanzielle Unterstützung beim Erhalt der Denkmale und Kulturlandschaften durch den Welterbetitel wesentlich einfacher und Prioritäten bei der Förderung durch Bund und Land seien zu erwarten.

Bad Muskau profitiert vom Welterbe-Titel ungemein

Bad Muskau  -  Fürst Pückler Park
Der Muskauer Park hat seit 2004 Welterbe-Status. Bildrechte: Christoph Stelzner

In Bad Muskau drückt man den Erzgebirgern fest die Daumen. Der Muskauer Park ist seit 2004 Welterbestätte und derzeit Sachsens einziges UNESCO-Welterbe. Parkdirektor Cord Panning sagte MDR SACHSEN, man habe vom Welterbe-Status auf vielfältige Weise profitiert. Schon nach überschaubarer Zeit seien die Besucherzahlen angestiegen. Mit der Verleihung des Welterbestatus wurde dem Gelände von externer Stelle ein kunsthistorischer und kultureller Wert von globaler Bedeutung attestiert. Als höchst wertvolles Kulturdenkmal internationalen Ranges werde die binationale Welterbestätte Muskauer Park / Mużakowski gleichermaßen von Bund und Land (Freistaat Sachsen) sowie der Republik Polen bis heute unterstützt. Außerdem, so Parkdirektor Panning, schütze der Welterbe-Titel vor baulichen Veränderungen, die gerade diesen Titel gefährden könnten.

UNESCO-Welterbeliste Aus Deutschland sind 2019 insgesamt drei Bewerbungen im Rennen: das Augsburger Wassermanagement-System aus dem Mittelalter, der sogenannte Donau-Limes mit zahlreichen römischen Denkmälern sowie die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoři. Weltweit sind 36 Stätten nominiert. Das UNESCO-Welterbekomitee setzt sich aus 21 Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Es entscheidet jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste sowie über Erweiterungsanträge. Auf der Liste stehen derzeit 1.092 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 44 Welterbestätten befinden sich ganz oder in Teilen in Deutschland.

Quelle: MDR/cs

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 05.07.2019 | 19:00 Uhr

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