Michael Chlebusch Filme
In "Mechanik" geht es um Verantwortung für sich und andere. Bildrechte: Michael Chlebusch

Über die Mechanik der Verantwortung Chemnitzer Kurzfilm für zwei internationale Preise nominiert

Der Chemnitzer Filmemacher Michael Chlebusch hat mit dem Streifen "Die Mechanik oder: Wie man auf sich Acht gibt" den Sprung in zwei internationale Wettbewerbe geschafft: in New York und in Griechenland. Während er beim New Yorker Festival "Downtown Urban Arts" auf eine mögliche Platzierung noch bis Mai 2018 warten muss, könnte es in Griechenland beim Festival "Olympia" schon bald klappen.

von Brigitte Pfüller

Michael Chlebusch Filme
In "Mechanik" geht es um Verantwortung für sich und andere. Bildrechte: Michael Chlebusch

Michael Chlebuschs surrealistischer Kurzfilm startet am Morgen in einer Familie, beim Frühstück. Die Tochter geht aus dem Haus und findet einen Metallvogel, der vom Baum gefallen ist. Sie bringt ihn zum Mechaniker. Dort begibt sie sich auf eine wundersame Reise vor einer magischen Kulisse aus Maschinen, Zahnrädern und eigenwilligen Charakteren. "Maschinen sind nicht alles", sagt Michael Chlebusch. "Mir ging es um Verantwortung. Dass man sich helfen kann und doch auf sich und aufeinander aufpasst."

Kulissen aus Zahnrädern und Metallteilen

Gedreht wurde in einem Chemnitzer Industriegelände. Die Kulissen aus Zahnrädern, Metallteilen und Ästen wurden von lokalen Bühnenbildnern und Puppenspielern nach Entwürfen des Regisseurs gestaltet. Auch Schauspieler hat er aus seinem Umfeld gesucht. "Wenn ich ein Drehbuch schreibe, denke ich bereits an bestimmte Personen", sagt Chlebusch.

Michael Chlebusch Filme
Der Schauspieler Sebastian Tessenow ist der Mann, der in Chlebuschs Film "Das Kaninchenproblem" plötzlich zaubern kann und muss. Bildrechte: MDR

Produziert wurde der Streifen in der Chemnitzer Filmwerkstatt. Hier erlebte der heute 34-Jährige vor acht Jahren seine erste Begegnung mit dem Medium Film.

Damals studierte er an der Technischen Universität Chemnitz Germanistik und Anglistik. "Ich schreibe gern Geschichten und ich habe dabei Bilder im Kopf. Deshalb passt das Medium zu mir, um die Geschichten bewegt zu erzählen." Jetzt arbeitet Chlebusch bei einer Chemnitzer Kommunikationsagentur und hat nebenbei schon 15 Filme gedreht. Darunter sind Musikvideos - unter anderem für die Chemnitzer Band Iguana oder als lokaler Produzent für Kraftklub - aber auch kurze Spielfilme. Sein "Kaninchenproblem" wurde 2016 vom MDR in der Kurzfilmnacht gezeigt. Es erzählt die tragikomische Geschichte eines Mannes, dem Zaubertricks einfach so geschehen und der das gar nicht mehr so magisch findet. "Die Idee kam in einer Gaststätte, als aus einer Serviette wie in Zauberei eine Motte aufstieg und ich dachte, wenn das nun jemandem immerzu passiert", erzählt der junge Regisseur.

Chemnitzer Film reist nach Griechenland

"Die Mechanik oder wie man auf sich Acht gibt" ist bisher die erfolgreichste Arbeit von Chlebusch. Sie gewann in diesem Jahr den ersten Preis auf dem Internationalen Filmfestival Schlingel in Chemnitz als bester nationaler Kurzfilm. "Als Plädoyer für den aufgeklärten Humanismus wird das Einstehen für Solidarität und die Reflexion über den schmalen Grat zwischen Selbstaufopferung und Eigenverantwortung verhandelt", schrieb die Jury zur Begründung. "Weil der Streifen das so phantasievoll umsetzt, haben wir ihn beim Internationalen Filmfestival Olympia nach Griechenland eingereicht", berichtet Schlingel-Direktor Michael Harbauer.

Harbauer ist stolz, dass er einen Lokalmatador aus Chemnitz ins Rennen schicken kann. "Wir holen nicht nur internationale Filme nach Deutschland, sondern wir zeigen auch Filme aus Deutschland in anderen Ländern." Schlingel kooperiert seit drei Jahren mit dem griechischen Festival, das in diesem Jahr vom 2. bis 9. Dezember in Pyrgos veranstaltet wird.

Michael Chlebusch Filme
Der erste Preis "Kurzspielfilm National" beim „Schlingel 2017“ ging an Michael Chlebusch, der rechts im Bild steht. Mit auf der Bühne sind Moderator Jan Seifert sowie die Jury-Mitglieder Susann und Jana Endruschat. (v.l.n.r.) Bildrechte: Festival Schlingel

Unter den Finalisten des New Yorker Kunstfestivals

Auf die weiteste Reise schickt Chlebusch aber seine "Mechanik" in die USA. Hier gehört der Film im kommenden Jahr zu den 36 Finalisten des New Yorker Festivals Downtown Urban Arts. Die Chemnitzer Produktion wurde aus 1.400 Einreichungen aus aller Welt ausgewählt. Die mehrtägige Veranstaltung im Mai 2018 widmet sich neben der Filmkunst auch Musik, Theater und Dichtung. "Auf diesem Festival war noch keiner unserer Filmemacher", sagt Ralf Glaser von der Chemnitzer Filmwerkstatt, die seit 1991 junge Talente fördert. "Wir drücken die Daumen."

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.11.2017 | ab 9:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2017, 13:33 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.