Weber Thomas Zinke fertigt auf einem alten Webstuhl Stoff für die russische Botschaft.
Weber Thomas Zinke fertigt auf einem alten Webstuhl Stoff für die russische Botschaft. Bildrechte: Wolfgang Schmidt

19.08.2019 | 16:45 Uhr Cammann-Weberei aus Niederwiesa arbeitet für die russische Botschaft

von Brigitte Pfüller

Weber Thomas Zinke fertigt auf einem alten Webstuhl Stoff für die russische Botschaft.
Weber Thomas Zinke fertigt auf einem alten Webstuhl Stoff für die russische Botschaft. Bildrechte: Wolfgang Schmidt

Die Cammann Gobelin Manufaktur aus Niederwiesa bei Chemnitz stattet die russische Botschaft in Berlin mit Möbelstoffen aus. Dazu werden Textilien nach historischem Vorbild auf denkmalgeschützten Webstühlen gefertigt. Hergestellt werden Stoffe für Stühle und andere Sitzmöbel sowie Vorhänge für mehrere Räume. Wie Firmeninhaber Torsten Bäz erklärte, geht der Auftrag auf DDR-Zeiten zurück. Schon damals wurde die russische Botschaft u.a. mit Gobelin-Stoffen von Cammann ausgestattet. Denn der 1886 von Paul Cammann in Chemnitz gegründete Textilbetrieb hatte sich von Anfang an auf Luxusstoffe für Möbel und Dekorationen spezialisiert. Nach der Wende wurde Cammann verkauft und der Betrieb stand in Chemnitz vor dem Aus. Doch die Produktion wurde gerettet und ging nach Niederwiesa.

Produziert wird auf denkmalgeschützten Webstühlen

Camman Weberei
Im Museum "Historische Schauweberei Tannenhauer" im Niederwiesaer Ortsteil Braunsdorf steht ein historischer Webstuhl mit Lochkartensteuerung. Bildrechte: Brigitte Pfüller

Ihren Sitz hat die kleine Manufaktur im vierten Stock des ehemaligen Produktionsgebäudes der früheren Möbelstoffweberei Tannenhauer, die jetzt Museum ist. 2014 kaufte Torsten Bäz gemeinsam mit seiner Partnerin Peggy Wunderlich den Betrieb. "Die Vorbesitzer, die die Jacquard-Webstühle und die Cammann-Musterbücher vor der Vernichtung retteten, wollten verkaufen. Es waren die Geschichte und die tollen Stoffe und Muster, die uns überzeugten", erinnert sich der heutige Inhaber. "Unsere sieben Webstühle mit Jacquard-Lochkartensteuerung stehen seit diesem Jahr unter Denkmalschutz."

Die Textilien zieren Museen und Schlösser

Sie fertigen darauf – meistens nur mit einem Mitarbeiter – spezielle Textilien, die wie in früheren Zeiten Schlösser, Museen oder auch Privathäuser und andere Objekte zieren. So wurden u.a. Sitz-Überwürfe für den Nachbau der ersten Potsdamer Straßenbahn mit preußischem Wappen hergestellt. Für solche Aufträge wie auch für die russische Botschaft nutzen Torsten Bäz und Peggy Wunderlich eine intensive Recherche. Was sie sich wünschen, das wären ein Textilfacharbeiter oder eine -facharbeiterin, die wie sie Lust auf Tradition in Verbindung mit neuer Technologie haben.

Historische Aufnahme einer Potsdamer Straßenbahn und Nachbau von heute mit Sitzüberwurf mit preussischem Adler.
Historische Aufnahme einer Potsdamer Straßenbahn und Nachbau von heute mit Sitzüberwurf mit preussischem Adler. Bildrechte: Brigitte Pfüller

Neue Stoffe mit neuen Eigenschaften

Denn sie arbeiten mit Forschungseinrichtungen zusammen, um Historisches mit modernen Veredlungen für den Alltag fit zu machen. Zugleich suchen sie nach Möglichkeiten, alte Techniken wieder zu beleben. Zum Beispiel können sie als einzige in Europa Omas Jugendstil-Plüschsofa mit neu entwickeltem "Velours" wie früher beziehen. Auch die Digitalisierung macht vor Cammann nicht halt. So arbeiten sie daran, die Lochkarten-Herstellung zu digitalisieren. Außerdem fertigen sie bereits jacquard-gewebte Schwarz-Weiß-Bilder aus Naturseide. Dazu gehört auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung, die mehrmals pro Jahr auf die Reise in die USA geht.

Historische Schauweberei Tannenhauer

Das Museum "Historische Schauweberei Tannenhauer" in Niederwiesa – genauer im Ortsteil Braunsdorf – befindet sich in Trägerschaft der Gemeinde Niederwiesa. In teilweise noch original erhaltenen Produktionssälen wird gezeigt, wie Textilien vom Garn bis hin zum fertigen Stoff  entstehen.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 19.08.2019 | 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 19. August 2019, 16:45 Uhr

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