01.04.2020 | 18:28 Uhr Tafel in Mittweida hilft auch Kurzarbeitern

Wegen strengerer Hygienevorschriften in der Coronavirus-Krise und fehlender freiwillige Helfer müssen viele Tafeln ihre Ausgabestellen schließen. Das betrifft auch Penig, Hainichen, Hartha, Waldheim und Roßwein in Mittelsachsen. Alle Bedürftigen aus diesen Regionen können jedoch an den Hauptausgabestellen in Döbeln und Mittweida weiterhin Lebensmittel bekommen.

Eine Person mit Mundschutz trägt eine Kiste voll Brot und Brötchen
"Viele schämen sich und es ist ein schwerer Schritt für sie, zur Tafel zu kommen", sagt Marion Sommerfeldt, Mitarbeiterin bei der Tafel in Mittweida. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Es herrscht reger Betrieb am Mittwochvormittag in der Ausgabestelle der Mittweidaer Tafel. Ausgestattet mit Mundschutz und Handschuhen sortieren die Mitarbeiter die Spenden und bereiten sie für die Ausgabe vor.

"Wir haben genügend Lebensmittel vorrätig", sagt Anne Katrin Koch, Geschäftsführerin des Trägervereins "Netz-Werk". Zu diesem "Netz-Werk" gehört auch die Tafel in Mittweida. Sie ist weiterhin offen und kann immer noch Lebensmittel an Bedürftige ausgeben. Das Essen und die Getränke kommen aus Supermärkten der Region und von Tafeln, die wegen der Coronavirus-Krise schließen mussten.

Wir unterstützen damit nun auch Menschen aus dem Umfeld, wo keine Ausgabe mehr stattfinden kann.

Anne Katrin Koch Geschäftsführerin des Trägervereins "Netz-Werk"

Eine Frau hat sich ihren Mundschutz unter das Kinn gezogen und lächelt.
Anne Katrin Koch, Geschäftsführerin des Trägervereins "Netz-Werk" der Mittweidaer Tafel. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Um die hygienischen Maßgaben zu erfüllen, dürfen die Tafelkunden nur einzeln eintreten und müssen sich am Eingang die Hände desinfizieren. Die mitgebrachten Beutel werden von den Mitarbeitern gefüllt und den Kunden dann über eine Theke wieder ausgehändigt.

Kurzarbeiter können zur Tafel kommen

Ab sofort können sich auch von Kurzarbeit Betroffene an die Tafel wenden. "Wir wollen da ganz unbürokratische Hilfe leisten", erzählt Koch. Mittelsachsen sei ein Niedriglohngebiet. "Und wenn jemand Mindestlohn verdient, kann man sich ausrechnen, was bei Kurzarbeit dann noch übrig bleibt."

Eine Prüfung der Berechtigung fände nicht statt. "Wenn ein Mensch in Not sich an die Tafel wendet, gehe ich davon aus, dass er auch wirklich in Not ist", sagt die Geschäftsführerin. Die Hemmschwelle zur Tafel zu gehen, sei für die Menschen sehr hoch.

Mann mit Mundschutz trägt zwei große Einkaufstaschen
Dieser Rentner kommt seit 2019 regelmäßig zur Tafel, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Ein Rentner erzählt, er käme regelmäßig seit 2019 zur Tafel. Auch er trägt einen Mundschutz, da er Angst vor dem Virus habe. Er hat kein Problem damit, wenn jetzt auch Kurzarbeiter von der Tafel versorgt werden.

Ein anderer Mann erzählt, dass er aufgrund der Coronavirus-Krise seine Arbeit verloren hat. Er hat in einer Fahrradfabrik gearbeitet. Die Teile für die Räder kamen aus China. Seit einem Monat geht er nun zur Tafel. "Das ist eigentlich wie normal einkaufen gehen", sagt er. Doch insgesamt macht ihn die Situation wütend.

Niemand in Deutschland muss hungern. Schuld sind die Politiker und das 'Möchtegern-Virus'.

Tafelkunde

"Wir wissen nicht, wie es weitergeht"

Eine weitere wartende Kundin scheint ebenfalls wütend zu sein. "Das sind alles Spenden und wir müssen die auch noch bezahlen", sagt sie. 2,50 Euro pro Person müsse man bezahlen und wisse nicht, was gekommen sei. Sie hat eine Halbtagsstelle in einem Kindergarten und sei zurzeit zu Hause. "Wie es weitergeht, wissen wir nicht."

Kurzarbeiter waren bisher erst wenige bei der Tafel. "Aber da werden sicher in den nächsten Wochen viele kommen", sagt Tafel-Mitarbeiterin Marion Sommerfeldt. "Das Einkommen ist bei vielen am Limit und wenn dann durch Kurzarbeit noch weniger da ist, sind die Menschen froh über Hilfe."

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 01.04.2020 | 19:00 Uhr

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