Warten auf das Gesundheitsamt: Erfahrungen in der Corona-Quarantäne

Die Corona-Fallzahlen steigen und immer mehr Menschen müssen zumindest für kurze Zeit in Quarantäne. Wie fühlt es sich an, den ganzen Tag die Wohnung nicht verlassen zu dürfen? Und wie funktioniert der Kontakt zum Gesundheitsamt? Auch MDR-SACHSEN-Redakteurin Anett Linke musste in Quarantäne. Sie hat über diese Zeit und ihre Erfahrungen ein Tagebuch geführt.

Ein abgelegter Telefonhörer
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Tag 1 - Schlechte Nachrichten

Es ist Mittwoch. Kurz vor 15 Uhr klingelt mein Handy und eine Bekannte ruft an. Nach kurzer Begrüßung fällt am anderen Ende ein Satz, den man nicht hören möchte: "Mein Corona-Test war positiv und ich habe euch als Kontaktpersonen angegeben." Sofort fängt mein Hirn an zu rattern: Wann haben wir uns gesehen? Wie nah waren wir uns? Es ist fünf Tage her und das Treffen fand draußen statt - im Freien. Engen Kontakt hatten wir nicht, aber wir haben uns ohne Maske getroffen und ich bin mir nicht mehr sicher, ob wir die ganze Zeit Abstand gehalten haben. Mein Freund und ich sind uns sofort einig: Wir bleiben in Quarantäne. Symptome haben wir bislang nicht.

Das zuständige Gesundheitsamt an einem Mittwochnachmittag zu erreichen, stellt sich als unüberwindbare Hürde heraus. Das Telefon ist nur bis 12 Uhr besetzt. Auf eine E-Mail kommt eine Fehlermeldung zurück: Das Postfach sei überfüllt. Auch mein Hausarzt geht nicht mehr ans Telefon. Deswegen informiere ich zumindest meinen Arbeitgeber, mein Freund tut das auch.

Schnelle Hilfe von Freunden

Eigentlich wollten wir heute einkaufen gehen. Die Lebensmittelvorräte sind mehr als begrenzt. Zum Glück bieten gleich mehrere Freunde ihre Hilfe an. Zwei von ihnen nehmen den rund 30 Kilometer langen Weg aus Chemnitz auf sich, um uns Essen vor die Tür zu stellen. Auch die bestellte Pizza mit Onlinezahlung landet bequem kontaktlos vor unserer Tür.

Einkäufe stehen in einem Hausflur
Einkäufe mussten während der Quarantäne immer kontaktlos im Hausflur abgestellt werden. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Nachdem sich mein erster Aktionismus gelegt hat, beginnt sich das Gedankenkarussell zu drehen. Könnten wir infiziert sein? Was passiert mit uns? Mit den bekannten Daten versuche ich mich zu beruhigen. Wir waren draußen und eine Ansteckung ist unwahrscheinlich. Und selbst wenn. Ich habe keine Symptome und daher wird es schon nicht so schlimm sein. Doch eine angespannte Unruhe bleibt.

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