An einem blumengeschmückten Mahnmal aus rotem Porphyr stehen zwei Frauen und ein Mann.
Am Mahnmal am KZ Sachsenburg, das es seit 1974 gibt, wurde am Sonntag der Opfer gedacht. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

03.06.2019 | 15:25 Pfad der Erinnerung in Gedenkstätte KZ Sachsenburg eröffnet

Seit zehn Jahren kämpft ein Verein um die Einrichtung einer Gedenkstätte im ehemaligen KZ Sachsenburg. Obwohl alle Beteiligten ihre Zustimmung beteuern, geht es nur langsam voran. Jetzt wurden Gedenktafeln eingeweiht.

An einem blumengeschmückten Mahnmal aus rotem Porphyr stehen zwei Frauen und ein Mann.
Am Mahnmal am KZ Sachsenburg, das es seit 1974 gibt, wurde am Sonntag der Opfer gedacht. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Mit einer kleinen Ansprache wurde am Sonntagmittag auf dem Gelände des ehemaligen KZ Sachsenburg bei Frankenberg ein "Pfad der Erinnerung" als erster Teil einer geplanten Gedenkstätte eröffnet. Auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik, in der bereits 1933 ein KZ eingerichtet wurde, erinnern in Zukunft Schrifttafeln an erhaltene Gebäude und Räume. Besucher können sich bei einem Rundgang nun anhand von einordnenden Texten, Bildern und Zeitzeugenberichten über das KZ Sachsenburg informieren. Die Erklärtafeln bilden den Auftakt für eine geplante Gedenkstätte. Insgesamt sollen zwanzig Tafeln aufgestellt werden. Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten hat für das Projekt 135.000 Euro aus Fördermitteln bereitgestellt.

Angehörige von Lagerinsassen suchen nach Antworten

Da heute vieles über die frühen Konzentrationslager in Vergessenheit geraten ist, bemüht sich der Verein "Geschichtswerkstatt Sachsenburg" mit seiner Vorsitzenden Anja Schüller auch um das Zusammentragen von Informationen. Seit zehn Jahren setzt sie sich für die Gedenkstätte ein, veranstaltete Workshops und erstellte ein Konzept für die Gedenkstätte. "Es ist gut, dass die Tafeln jetzt da sind. Doch sie sind nur ein kleiner Teil des Gesamtkonzepts. Sie reichen natürlich nicht aus für diesen Gedenkort."

Heinz Meier, Nachfahre eines Inhaftierten aus Sachsenburg, steht  auf dem Hof des ehemaligen Konzentrationslagers.
Heinz Meier, dessen Großvater in Sachsenburg inhaftiert war, erhielt am Sonntag weitere Informationen vom Verein. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Am Sonntag erhielt Heinz Meier, dessen Großvater in Sachsenburg inhaftiert war, von der Vereinschefin fehlende Unterlagen für seine eigenen Nachforschungen. "Mein Großvater war in insgesamt fünf Konzentrationslagern interniert und hat die Befreieung in Buchenwald erlebt. Das KZ Sachsenburg war nach Schloss Osterstein in Zwickau und Dresden seine dritte Station."
Die Nazis hätten ihn eingesperrt, weil er einerseits Zeuge Jehovas gewesen sei, andererseits die Kriegsvorbereitungen kritisiert und sich geweigert habe, den Hitlergruß zu zeigen. Und so seien aus acht Monaten Lagerhaft mehr als neuneinhalb Jahre KZ geworden. "Diesen Leidensweg meines Großvaters will ich jetzt weiter aufarbeiten und all die Dinge zu Papier bringen."

KZ Sachsenburg: besondere Bedeutung für die sächsische NS-Geschichte

Das KZ Sachsenburg wurde im April 1933 in einer damaligen Spinnerei eingerichtet und existierte bis Juli 1937. Das zuständige sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst befürwortet wegen der historischen Bedeutung des Ortes ausdrücklich eine Gedenkstätte an diesem Ort. "Das KZ Sachsenburg, das erste sogenannte Schutzhaftlager in Sachsen, ist ein Ort, an dem Menschen nicht nur aus Deutschland interniert, gefoltert und getötet wurden. Hier wurden die Henker des Naziregimes für die KZs ausgebildet. Daran sollte unbedingt in einer Gedenkstätte erinnert werden", sagte Ministerin Eva-Maria Stange.

Eine Stele aus rostigen Metall (Pfad der Erinnerung) erklärt die ehemalige Nutzung eines Gebäudes.
Zwanzig solcher Tafeln sollen noch in diesem Jahr auf dem Gelände des ehemaligen KZ aufgestellt werden. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Stein des Anstoßes: Die ehemalige Kommandantenvilla

An dem verfallenden Gebäude auf dem Gelände scheiden sich derzeit die Geister. Frankenberg als Besitzer der ehemaligen Kommandantenvilla will den sofortigen Abriss und verweist auf einen entsprechenden Stadtratsbeschluss. Eine Expertenkommission der Staatsministerin für Kultur und Medien war jedoch in einem Gutachten zu dem Schluss gekommen, dass das Gebäude unbedingt erhalten werden muss, um Fördermittel des Bundes für die Gedenkstätte erhalten zu können. Die Geschichtswerkstatt, deren Vereinsvorsitzende Anja Schüller das Gedenkstättenkonzept erarbeitet hat, will trotz der derzeit verhärteten Fronten zwischen Stadt und Verein künftige Gespräche nicht ausschließen. "Wir werden an unserer Vereinsarbeit festhalten und sind gegenüber dem Ministerium, der Stiftung Sächsische Gedenkstätten und der Stadt Frankenberg gesprächsbereit", sagt Anna Schüller.

Eine baufällige Villa ist mit Bäumen überwuchert und von einem Bauzaun umgeben.
Der ehemaligen Kommandantenvilla des Konzentrationslagers Sachsenburg droht der Abriss. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Quelle: MDR/tfr/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 31.05.2019 | 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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5 Kommentare

04.06.2019 11:04 Kirchenmitglied 5

Meine Empfehlung:
Wer nur wenig Geld zur Verfügung hat, sollte die Gedenkstätten und Geschichtswerkstätten in unserer Umgebung besuchen und wer genug Geld hat, sollte nach Israel reisen und sich die biblischen Stätten anschauen. Beides führt die Menschen ein großes Stück näher an die Wahrheit heran.

03.06.2019 22:49 Markus 4

Ganz wichtig, dass die Gedenkstätte eröffnet wurde. Es sollte wieder zur schulischen Bildung gehören, eine KZ-Gedenkstätte zu besuchen. Leider scheint weniger als 80 Jahre nach dem Ende des dunkelsten Kapitels in unserer deutschen Geschichte vieles in Vergessenheit geraten zu sein, das zeigen nicht nur die jüngsten Wahlergebnisse.

03.06.2019 20:39 Heinz 3

@1, Jehovas oder Menschen juedischen Glaubens konnten unter ihre Rotfaschisten leben. Unter Hitler mit seiner Rassenideologie nicht. Sie duerften nicht leben. Sie mussten vernichtet werden. Mussten ins Ausland fliehen um zu ueberleben. Den Rest kenne Sie. Komplette Zerstoerung Europa, Kulturen, Voelker und die schoene deutsche Staedte.

03.06.2019 20:02 Guy Montag 2

Wie sich die Zeiten aendern.

Damals: Knast fuer das Nichtzeigen des "Hitlergrusses".
Heute: Knast fuer "das Zeigen v. verbotenen Grussformeln".

Nur die Kriegsvorbereitungen bzw. Angriffskriege heissen im Neusprech "friedenserhaltende/sichernde Massnahmen".

In den "Geschichtswerkstaetten" wird derweil die Geschichte zurechtgebogen und in Form gebracht, damit sich gefaelligst auch Jene an die wirklich wahren(®) Geschehnisse "erinnern" koennen, die nicht einmal die DDR erlebt haben.

03.06.2019 16:01 Sachse43 1

Was ist denn mit der Geschichte unter den Rotfaschisten?
Hoheneck zum Spaßtempel umfunktioniert, Waldheim, Bautzen?

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