07.05.2019 | 18:30 Uhr Hainichen gegen Erlau? Tauziehen um einen Schulleiter

Sachsen leidet unter Lehrermangel. Auch auf den Führungsebenen fehlt Personal. Jetzt kämpfen sogar zwei Gemeinden um einen Schulleiter.

Auf einem Fußboden das Wort "BLEIB" aus bunten Handabdrücken auf Papier geformt.
Bleib! - Die Aufforderung haben die Hainichener Grundschüler mit eigenen Händen formuliert. Bildrechte: Dieter Greysinger

Seit dem vergangenen Sommer dreht sich in Hainichen und Erlau ein "Schulleiterkarussell". Der bisherige Schulleiter der Grundschule Erlau, Eric Kaltschmidt, wurde nach Hainichen versetzt. In Hainichen muss deswegen der Posten neu besetzt werden, weil die Leiterin der dortigen Grundschule nach Mittweida gewechselt war. Von Mittweida aus hat die Direktorin nun auch die Leitung der Grundschule in Erlau übernommen. Damit hat Hainichen zwar jetzt einen Schulleiter für die Grundschule, in Erlau jedoch ist der Schulleiter-Posten unbesetzt. Dort müssen Lehrer und Gemeinde teilweise die Aufgaben mit übernehmen. Beide Kommunen wollen nun eine Entscheidung des Landesamtes für Schule und Bildung (LASUB) über die dauerhafte Besetzung des Schulleiterpostens herbeiführen.

Die Fakten des "Schulleiterkarussels":

Der "Zankapfel":
Der Schulleiter der Grundschule Erlau, Eric Kaltschmidt, ist zur Zeit an die Schule in Hainichen ausgeliehen. Erlau möchte ihn so schnell wie möglich wieder zurück.

Die "Kontrahenten":
Erlau: 3.200 Einwohner, neun Ortsteile, eine Grundschule mit 85 Schülerinnen und Schülern. Dort wurden 480 Unterschriften für die Rückkehr des Schulleiters Kaltschmidt gesammelt.

Hainichen: 8.549 Einwohner, neun Ortsteile, ein Schulzentrum mit Grundschule und 260 Schülerinnen und Schülern. Dort wurden 708 Unterschriften für den Verbleib des Schulleiters Kaltschmidt gesammelt.

Beide Unterschriften-Sammlungen wurden dem Landesamt für Schule und Bildung in Chemnitz übergeben.

Die Positionen:
Hainichens Bürgermeister Dieter Greysinger möchte den Schulleiter auf Dauer behalten. "Natürlich ist es ein Kampf um die Person. Wir haben vor einigen Jahren erst ein neues Schulzentrum für 18 Millionen Euro gebaut, im nächsten Jahr werden wir vier erste Klassen bilden." Es sei ein Unding, wenn eine der größten Grundschulen Mittelsachsens ohne Schulleiter auskommen müsse. "Außerdem hat die Zusammenarbeit mit dem Schulleiter Eric Kaltschmidt sehr gut funktioniert. Aber die endgültige Entscheidung liegt nicht bei uns, sondern beim Landesamt für Schule und Bildung."

Ein Mann steht auf dem gepflasterten Hof einer Behörde, vor ihm "BLEIB" in bunten Buchstaben.
Elternsprecher Tobias Daum aus Hainichen hat die kreative Aufforderung "Bleib!" mit nach Chemnitz ins LASUB genommen. Bildrechte: Dieter Greysinger

Der Bürgermeister von Erlau, Peter Ahnert, möchte den Leiter der Grundschule so schnell wie möglich zurückhaben. "Es ist traurig, dass sich zwei Kommunen ein 'Duell' um eine Personalie liefern müssen." Dabei habe man als Gemeinde schon lange auf den Zustand aufmerksam gemacht. "Wir haben beim LASUB auf eine konkrete Aussage gedrängt, allerdings bis jetzt keine Antwort erhalten." Das sei ein unhaltbarer Zustand. "Wir wollen endlich wissen, woran wir sind."

Es darf keinesfalls ein Kampf der beiden Städte gegeneinander sein. Weder Hainichen, noch Erlau sind für den Zustand verantwortlich. Unsere Kritik muss sich an die Verantwortlichen im LASUB und im Land Sachsen richten.

Peter Ahnert Bürgermeister von Erlau

Die Entscheidung:

Das Landesschulamt will die Entscheidung über die Schulleiter erst nach Pfingsten treffen. Ganz gleich, ob Schulleiter Kaltschmidt dann zurück nach Erlau geht oder vorerst in Hainichen bleibt - eine grundsätzliche Lösung muss für beide Schulstandorte gefunden werden. Darauf hoffen beide Bürgermeister.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.05.2019 | 18:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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