13.07.2019 | 18:28 Uhr ABC-Alarm: 100 Einsatzkräfte proben in Mittelsachsen für den Ernstfall

In Mittelsachsen ist am Sonnabendmorgen Katastrophenalarm ausgegeben worden. Die rund 100 alarmierten Einsatzkräfte wussten vorher nicht, dass es sich um eine Übung handelte. Simuliert wurde ein Pkw-Unfall mit einer austretenden radioaktiven Substanz.

Drei Feuerwehrleute mit Atemschutzmaske schneiden den vorderen Bereich eines Unfall-Pkw mit einem Werkzeug auf.
Übung mit radioaktivem Gefahrgut Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer

Einsätze mit radioaktivem Material seien sehr selten, sagt die Leiterin des Referates Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz, Jana Lützner. Den letzten Einsatz mit einem radioaktiven Verdacht habe es in Mittelsachsen vor drei Jahren gegeben. Deswegen hätten die Einsatzkräfte ein großes Interesse an der Übung, so Lützner. Die Rettung kontaminierter Personen lässt das Landratsamt Mittelsachsen zum ersten Mal üben, um herauszufinden, wie gut das Zusammenspiel von Rettungskräften und Behörden in so einem Fall funktioniert.

Erik Hennings, Fachberater für ABC-Einsätze, sagte MDR SACHSEN, die Meldekette sei sehr lang. "Da gibt’s viele Punkte, wo so eine Meldung mal 'ne Stunde liegen kann. Und gerade bei so einer Lage ist eine Stunde schon sehr viel Zeit, so dass wir diese Meldekette mal überprüfen wollten. Das war eigentlich ein Hauptziel der Übung."

Die Übungssimulation - was ist geschehen: An einer Einmündung im Gewerbegebiet Oederan sind zwei Pkw zusammengestoßen, es gibt Verletzte. Einer der Pkw hat eine radioaktive Substanz geladen, welche ausläuft und einen Ersthelfer kontaminiert. Beim Versuch, erste Hilfe zu leisten, kontaminiert dieser eines der Unfallopfer. Beide Personen sollen mit dem Rettungsdienst ins Klinikum Chemnitz gebracht werden. Es ist eines von drei Krankenhäusern in Sachsen, das auf solche Fälle spezialisiert ist.

Nach der Übung ist Hennings mit der Meldekette zufrieden. Die Lage sei bis zum Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie nach oben transportiert worden. Die Rufbereitschaft des Landesamtes seien mit vor Ort gewesen.

Aus Sicht von Jana Lützner hat die Übung Schwachstellen offenbart. Es seien Fehler gemacht worden. Bis das zweite Opfer geborgen wurde, habe es eine Stunde gedauert. "Er hätte ausgemessen und an den kontaminierten Stellen abgespült werden müssen. Das wäre dann eine Kontamination gewesen, die vertretbar gewesen wäre. Und dann hätte er so schnell es geht ins Krankenhaus gemusst. Das hat zu lange gedauert."

Die Übungsergebnisse werden noch detailliert ausgewertet, damit alle Behörden und Einsatzkräfte im Ernstfall vorbereitet sind. Auch auf Sachsen Straßen werden radioaktive Flüssigkeiten transportiert. Die Substanzen werden für Diagnosegeräte in Krankenhäusern verwendet. "Dass die Pharmaka wie bei uns jetzt auslaufen, ist vielleicht etwas übertrieben", so Lützner. Aber Unfälle könnten definitiv passieren.

An der Übung waren rund 100 zumeist ehrenamtliche Einsatzkräfte beteiligt. Sie waren im Rahmen des Rettungsdienstes, der Katastrophenschutzzüge "Gefahrgut" und "Erkundung" oder der örtlichen Feuerwehr vor Ort.

ABC-Alarm Katastrophenschutzübung in Oederan

Üben, damit jeder Handgriff sitzt: Einsatzkräfte in Mittelsachsen haben am Sonnabend für den Ernstfall trainiert. Nach einem gestellten Pkw-Unfall wurde ABC-Alarm ausgegeben.

Ein bewusstloser Mann sitzt auf einem Fahrersitz in einem Pkw. Sein rechter Arm und das Bein sind mit Kunstblut geschminkt.
Bevor die Übung beginnt, werden die Kollegen, die die Verletzten spielen, noch mit Kunstblut geschminkt. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer
Ein bewusstloser Mann sitzt auf einem Fahrersitz in einem Pkw. Sein rechter Arm und das Bein sind mit Kunstblut geschminkt.
Bevor die Übung beginnt, werden die Kollegen, die die Verletzten spielen, noch mit Kunstblut geschminkt. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer
Im Kofferrum befindet sich in einem offenen Pappkarton eine Plasteflasche mit einer gelben Flüssigkeit, die ausgelaufen ist. Auf Flasche und Schachtel warnen Symbole vor Radioaktivität.
Fahrten mit solchen radioaktiven Pharmaka sind keine Seltenheit. Die Substanzen werden zum Beispiel für Diagnosegeräte in Krankenhäusern verwendet. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer
Feuerwehrleute ziehen sich gegenseitig Atemschutzmasken an.
Nachdem die Feuerwehrleute von weitem die orangefarbene Plakette an einem der Unfall-Pkw entdeckt haben, wissen sie, dass Gefahrgut im Fahrzeug ist. Sie stoppen, fahren zurück, um den Sicherheitsabstand einzuhalten. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer
Zwei Feuerwehrleute mit Atemschutzmasken nähern sich vorsichtig zwei Pkw, die zusammengestoßen sind. Auf einem der Pkw warnen Symbolaufkleber vor Radioaktivität.
Ein Erkundungstrupp wird mit Spezialkleidung ausgestattet und losgeschickt. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer
Ein Verletzter mit Wundbemalung an der Stirn sitzt am Straßenrand und hebt einen Arm. Seine Hände sind gelb vom Kontakt mit einer gelben Flüssigkeit.
Einer der Verletzten ist an den Händen mit der gelben Übungsflüssigkeit kontaminiert worden. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer
Ein Verletzter wurde bis auf die Unterwäsche ausgezogen, seine beiden Füße stehen in metallenen Wannen, er wird mit Wasser bespritzt.
Er wird ausgezogen und mit Wasser abgeduscht. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer
Zwei Feuerwehrleute kümmern sich um einen auf einem Fahrersitz befindlichen Verletzten. Die Kameraden tragen Atemschutzmasken und auf dem Pkw warnen Symbolaufkleber vor Radioaktivität.
Nachdem das erste Fahrzeug weggeräumt ist, gilt es, den verletzten Fahrer aus dem zweiten Fahrzeug zu bergen. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer
Drei Feuerwehrleute mit Atemschutzmaske schneiden den vorderen Bereich eines Unfall-Pkw mit einem Werkzeug auf.
Mit einem Spezialwerkzeug wird der vordere Bereich des Pkw aufgeschnitten, um zum Verletzten zu gelangen. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer
Vier Feuerwehrmänner mit Atemschutzmasken stehen um einen Verletzten, der auf einer Trage neben dem Unfall-Pkw liegt.
Danach wird beraten, was als nächstes zu tun ist. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer
Ein Verletzter liegt auf einer gelben Trage und wird mit Wasser aus einem Feuerwehrschlauch abgespritzt.
Das Abduschen war wohl unnötig, meint die Leiterin des Referates Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz, Jana Lützner, im Nachgang. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer
Drei Männer, teils mit Helmen und mehreren Funkgeräten ausgestattet stehen beieinander und suchen eine Telefonnummer aus einem Handy.
Eine wichtige Frage bei dieser Übung: Funktioniert die Meldekette? Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer
Ein Feuerwehrmann hält ein Geigerzähler-Messgerät über den Rücken eines Kameraden.
Die Kameraden messen sich gegenseitig auf mögliche Kontaminationen aus. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer
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Quelle: MDR/nk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 13.07.2019 | 19:00 Uhr

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