Rechtsextremismus im Sport Kreissportbund Mittelsachsen bringt Führungszeugnis für Trainer ins Spiel

Nicht erst seit den Vorfällen beim CFC ist bekannt, dass Rechtsextreme im Fußball präsent sind. Das betrifft zum einen einige Fangruppen, aber es kann auch vorkommen, dass Nachwuchstrainer von kleinen Amateurvereinen privat rechtsextremes Gedankengut verbreiten. Ein Prozess am Amtsgericht Freiberg hat vor Kurzem so einen Fall bekannt gemacht. Der Kreissportbund Mittelsachsen fordert nun eine stärkere Kontrolle von Übungsleitern.

Fuߟballer der Altersklasse U-10 vom SV Loschwitz trainieren auf dem Spielfeld in großen Abständen. Kommunale Sportstätten für den Vereinssport sind in Dresden seit 05. Mai  mit Einschränkungen wieder geöffnet.
Der Kreissportbund Mittelsachsen fordert eine stärkere Kontrolle von Übungsleitern. Bildrechte: dpa

Marcel K. trainierte bis Ende 2018 die F-Jugend eines Amateurvereins im Landkreis Mittelsachsen. Bis Eltern den Verein auf die straff rechte Gesinnung des Trainers aufmerksam machten. Laut Landessportbund trennte sich der Verein daraufhin von ihm. Als Marcel K. sich vor kurzem wegen Nazi-Symbolik vor Gericht verantworten musste, kam heraus, dass er bereits mehrere Vorstrafen hat. Das war dem Verein, bei dem er die Jugendlichen, trainierte nicht bekannt.

"Man hat natürlich das Problem, wenn einer Person so eine verantwortungsvolle Rolle wie die des Übungsleiters entgegengebracht wird, dass man in die Menschen nicht reinschauen kann", sagt Benjamin Kahlert, Geschäftsführer des Kreissportbundes Mittelsachsen. Der Kreissportbund empfehle daher objektive Kriterien bei der Nachwuchstrainerauswahl, wie zum Beispiel das Führungszeugnis.

Doch auch diese seien nicht immer komplett aussagekräftig. "Die Vorstände müssen genau schauen, wie sie die Person einschätzen, die man da integrieren möchte in den Übungsleiterbetrieb", so Kahlert. "Sozial, aber eben auch von ihrem Hintergrund her. Da gehört sehr viel Menschenkenntnis dazu."

Mangel an Ehrenamtlichen

Kahlert sieht aber auch den Balanceakt der Vereine. Übungsleiter sei eine eherenamtliche Tätigkeit und nicht viele Menschen wären dazu bereit. Eine Überprüfung der Führungszeugnisse könne zu bürokratisch und damit abschreckend auf die wenigen Freiwilligen wirken.

Ich möchte appellieren es nicht als Gängelung zu sehen, sondern als Wertschätzung für die Rolle als Übungsleiter. Nicht jeder kann Übungsleiter werden und man braucht bestimmte Kriterien, die man erfüllen soll um so eine verantwortungsvolle Rolle dann auch durchzuführen.

Benjamin Kahlert Geschäftsführer des Kreissportbundes Mittelsachsen

Laut Kahlert handele es sich bei den kritischen Fällen unter den Übungsleitern aber um Einzelfälle. "Es ist nicht so, dass wir damit jeden Tag in der Sportwelt in Mittelsachsen zu tun haben", sagt er.

Robert Claus
Buchautor Robert Claus beschäftigt sich mit Neonazis im Fußball und Kampfsport. Bildrechte: MDR/Claus

Was rechtsextreme Tendenzen bei Ehrenamtlichen angeht, mahnt Buchautor Robert Claus zur Vorsicht. Er beschäftigt sich mit Neonazis im Fußball und im Kampfsport. "Leider gibt es eine ganze Reihe solcher Einzelfälle, sodass ich von einer Strategie sprechen würde", sagt er. "Man sieht, dass Neonazi-Organisationen und auch einzelne Rechtsextreme Jugendliche rekrutieren wollen und dazu bietet sich der Sport natürlich sehr an." Im Fokus stünden dabei vor allem Fußball und Kampfsportarten.

Der nette Neonazi von nebenan ist gar nicht so nett, sondern ein menschenfeindlicher und gewalttätiger Rassist. Solche Leute darf man in der Kinder- und Jugendarbeit auch in der ehrenamtlichen nicht dulden. Deswegen führt am Ausschluss leider nichts vorbei.

Robert Claus

Führungszeugnisse seien ein gutes Mittel, allerdings enthalten diese nur die Vorstrafen. "Viel wichtiger, oder genauso wichtig, ist ein sensibler Blick auf das, was die Leute tun", so Claus.

Sollten kritische Fälle auftauchen, appelliert Benjamin Kahlert an die Sportvereine, die Fälle nicht unter den Teppich zu kehren. "Die Vereine sind gut beraten, das nicht alleine durchzuführen, sondern sich an die Dachorganisationen zu wenden", so Kahlert.

Quelle: MDR/al/nk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.08.2020 | 17:50 Uhr

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