18.03.2020 | 12:19 Uhr Kleine Geschäfte in Mittweida bangen um ihre Existenz

Nachdem Sachsen am Dienstag die Schließung fast aller Geschäfte ab Donnerstag beschlossen hat, bangen viele Ladenbesitzer und Mitarbeiter um ihre berufliche Existenz. Ein Stimmungsbild aus Mittweida.

Markt in Mittweida
Auf dem Markt in Mittweida ist am Mittwochmorgen bedeutend weniger los als normal. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Obwohl die Sonne vom Himmel strahlt und die Frühlingstemperaturen steigen, sieht man in den Geschäften von Mittweida nur traurige und besorgte Gesichter. Einen Tag vor der Schließung vieler Geschäften, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, wissen viele nicht, wie es dann weitergehen soll.

Buchhandlung entscheidet am Mittwoch über weitere Öffnung

Die Mitarbeiterin einer kleinen Buchhandlung erzählt, dass sie eigentlich geöffnet bleiben dürfen. Sie bieten auch Zeitungen an und müssen daher nicht schließen. "Aber das entscheiden wir heute", sagt sie. "Wir müssen erstmal schauen, ob auch Leute kommen." Bisher sei es sehr ruhig.

Eine junge Italienerin ist gerade auf dem Weg zur Arbeit in einem Restaurant. Da das weiterhin bis 18 Uhr geöffnet bleiben darf, sieht sie sich als nicht so stark betroffen an. "Aber es ist schon eine schwierige Situation", sagt sie.

Vor der Apotheke hat sich eine kleine Schlange gebildet. Hier werden die Menschen nur noch in kleiner Anzahl gleichzeitig eingelassen, um eine Ansteckung zu verhindern. Schilder am Schaufenster informieren, dass es weder Desinfektionsmittel noch Atemmasken zu kaufen gibt.

Schokoladenladen bleibt weiter geöffnet

Die Inhaberin des Schokoladenladens hat sich extra beim Handelsverband rückversichert. Ihr Geschäft fällt unter Lebensmittel und darf weiterhin geöffnet bleiben. "Ich habe vor allem gerade Saisonware hier", erzählt sie. "Wer kauft denn schon nach Ostern Schokoladenhasen?" Den Laden zuzumachen könne sie sich nicht leisten. Deswegen kämpfe sie weiter an "vorderster Front". "Die Regierung spricht zwar von Darlehen, aber die müssen zurückgezahlt werden", sagt sie.

Hochschule Mittweida
Auf dem Platz vor der Hochschule Mittweida tummeln sich sonst die Studenten. Durch die Verschiebung des Vorlesungsbeginns auf den 4. Mai ist auch die Hochschule verwaist. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Ein Kampf für viele kleine Geschäfte

Der Blumenladen muss nach der Verfügung schließen. Die Mitarbeiterin erzählt, dass sie dann Kurzarbeitergeld bekommen soll. Wie es weitergeht, ist unklar. Sie findet die Verfügungen für kleine Läden etwas übertrieben. "Bei uns im Laden gibt es keine Menschenansammlungen", sagt sie. "Es kommen am Tag zwischen 30 und 40 Kunden und das teilt sich auf zehn Stunden auf." Auch ohne die Schließung sei es für kleine Läden in der Stadt ein Kampf.

Das ist vielleicht das Ende von Kleinstädten.

Mitarbeiterin in einem Blumenladen in Mittweida

Eine Mitarbeiterin in einem kleinen Bekleidungsgeschäft ist kurz vor den Tränen. Sie hat noch keine Ahnung, wie es nach der Schließung weitergeht. "Es ist schlimm", sagt sie.

Mittweidaer Bürger sehen die Schließungen gelassen

Eine ältere Frau auf der Straße sieht die Schließungen eher praktisch. "Was sein muss, muss sein", sagt sie. "Die Leute müssen sich jetzt danach richten." Sie ist auf dem Weg in die Apotheke. "Aber nicht wegen Corona", erzählt sie. "Und ich mache definitiv auch keine Hamsterkäufe."

Eine junge Frau mit Zwillingen im Kinderwagen sieht die Schließungen auch eher gelassen. "Solange es noch Lebensmittel und alles für die Babys gibt, ist alles in Ordnung", sagt sie. Sie ist Krankenschwester und derzeit in Elternzeit. "Aber wenn es hart auf hart kommt, rufen sie mich vielleicht zurück."

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.03.2020 | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten

Mehr aus Flöha und Hainichen

Mehr aus Sachsen