Tipps für das Haupthaar Sachsens Friseurmeister: "Haarigen Lockdown" als Chance sehen

Menschliches Haar wächst etwa einen bis eineinhalb Zentimeter im Monat. Für Leute mit Kurzhaarfrisuren ist die aktuelle Zwangspause der Friseurinnen und Friseure im Lockdown eine echte Herausforderung. Was also zu Hause tun - außer sich die Haare raufen? Zwei Friseurmeister aus Sachsen geben Tipps.

Eine junge Frau posiert mit verwuschelten Haaren
Die Spitzen zu lang, die Stufen verwachsen und die Farbe geht im neuen Jahr gar nicht mehr: Was aber tun während des Lockdowns, in dem alle Friseursalons geschlossen haben? Bildrechte: dpa

Abwarten und wachsen lassen?

Geht es nach Friseur- und Obermeister Jörn Lüdecke von der Friseur- und Kosmetik-Innung Chemnitz, "dann wäre es das Beste, die Kunden halten einfach aus. Sonst müssen wir das nach dem Lockdown alles wieder hinbiegen". Nach den ersten Salon-Schließungen im Frühjahr seien Kunden mit selbst gefärbten Häuptern oder Haaransätzen wiedergekommen und die Kollegen hätten viel Arbeit damit gehabt. "Wer sich in der Farbe vergreift, erhofft sich dann Hilfe von uns", sagt Jörn Lüdecke.

Auch der Friseurmeister Thomas Venus aus Freiberg hätte am liebsten, wenn sich seine Kunden gedulden. "Momentan sind ja alle vom kollektiven Komischaussehen betroffen", findet er. Normalerweise würden ordentliche Haarschnitte "acht bis zwölf Wochen halten, ohne dass man sich etwas Schlimmes antun muss". Aber wer sehr kurze Schnitte gewöhnt sei, das Grau seiner dunklen Haare alle vier Wochen bekämpfe oder seine Ansätze nicht mehr ersehen kann, der könne vorsichtig etwas tun.

Ein Mann steht vor eoíenem Tisch und aht die Arme verschränkt. Er spiegelt sich links in einem Friseurspiegel, der auf dem Tisch steht.
Friseur Thomas Venus hat 2020 so lange es möglich war, auch im Außenbereich seines Freiberger Salons Kunden frisiert. Bildrechte: privat

Tipps für lange Haare

Eine junge Frau tönt sich die Haare
Bildrechte: dpa

Für Männer und Frauen raten die beiden Friseurmeister aus Chemnitz und Freiberg: längere Haare einfach nach hinten legen oder schön fallen lassen. Vom eigenständigen Haarefärben raten beide ab, "um nach dem Lockdown nicht wieder ganz bei Null anzufangen", sagt Thomas Venus. Er verkauft seinen Kundinnen Sets zum Ansatzfärben zu Hause. Im Frühjahr waren es mehr als vier Dutzend. "Wir stellen die Farbsets zusammen. Für das Auftragen zu Hause findet sich immer jemand in der Familie, der hilft."

In einem Tutorial gibt Friseurmeister Venus Tipps, wie man den Ansatz richtig färbt:

Nach dem ersten Lockdown hätten Friseure die Erfahrung gemacht, dass Frauen, die sonst zu ungeduldig im Umgang mit ihrer Haarlänge waren, den Übergang hin zu längerem Haar geschafft hatten, berichtet Obermeister Jörn Lüdecke. Auch Kundinnen mit dunkel gefärbten Haaren, die eigentlich ein natürlicheres Grau oder hellere Farben wollten, schafften das nach dem ersten Lockdown. Ihre grauen Ansätze waren während der Friseurpause lang genug gewachsen für neue, hellere Farbausrichtungen oder Strähnen, haben Thomas Venus und seine drei Mitarbeiterinnen festgestellt. Die notgedrungene Färbe- und Friseurpause sei auch eine Chance.

Ansatzspray in der Not

Wer für einen wichtigen Termin, eine Videokonferenz oder ein, zwei Tage lang seinen Grauansatz weghaben möchte, der könne auch auf Farbsprays zur Ansatzbehandlung zurückgreifen. "Mittlerweile sind die Sprays aus Drogerien auch bezahlbar. Ich würde aber sachte herangehen und nur einen Hauch auf Scheitel und Schläfen auftragen", rät Thomas Venus.

Und was ist mit Strähnchen?

"Schlecht sind die Menschen mit Strähnchen dran. Sie müssen durchhalten und sollten keinesfalls selbst Hand legen. Das wird nichts", warnt Thomas Venus. Exakt gelegte Strähnchen zu färben, erfordere viel Wissen und Erfahrung. Das sei auch unter Friseurinnen und Friseuren die Königsdisziplin.

Ich warne vor dem Experimentieren mit Blondierungen. Das sollte man als Laie tunlichst lassen.

Thomas Venus Friseurmeister in Freiberg

Pony-Alarm im Bad?

Wer seinem Pony selbst mit der Schere zu Leibe rücken will, den warnt Obermeister Jörn Lüdecke. "Lieber die Finger vom Pony weglassen. Notfalls die Haare mit einer Spange zur Seite bringen oder einen Haargummi benutzen."

Unerschrockenen sollte laut Friseurmeister Venus unbedingt klar sein, dass Ponys eigentlich immer zu kurz geschnitten werden, wenn man munter und trocken drauflos schneidet. Besser: den Pony waschen, kämmen und mit den Fingern ganz straff nach vorn ziehen. "Dann vorsichtig und Stück für Stück schneiden. Am besten lässt man das Haar einen Zentimeter länger, als es im trockenen Zustand sein soll." Wenn das Haar getrocknet ist, könne man nochmals nachschneiden.

Tipps für Männer: Mut zur Länge

Männern rät Thomas Venus zu Langmut und Haargel oder Schaumfestiger. Nach dem Haarewaschen Gel oder Schaum auf die Seiten und den Vorderkopf bringen und die Haare straff nach hinten legen bzw. schön an die Seiten kämmen", erklärt Venus. Danach sollte Mann 15 Minuten warten und erst dann zum Föhn greifen. "Die Haare bleiben in Form, wenn man sie so behandelt."

Für Männer ist jetzt die Gelegenheit, die Haare länger wachsen zu lassen und auch mal etwas Neues auszuprobieren.

Jörn Lüdecke Obermeister der Friseur- und Kosmetik-Innung Chemnitz

Sollten einzelne Härchen dennoch über Ohren und Nacken gewachsen sein, die Partnerin oder Partner schneiden will, dann sollten die überstehenden Haare vorsichtig abgeschnitten werden. "Aber bitte nicht mehrere Zentimeter, dass es aussieht, als hätte man Radkästen rings um die Ohren geschnitten", warnt der Freiberger Friseurmeister Venus. Und: "Bitte keine brutalen Konturen schneiden, dass die Haare im Nacken nicht wie abgestochen aussehen."

Maschineneinsatz mit Bedacht

Eine Frisörin schneidet einem Kunden die Haare
Wenn bei Männern die Schneidemaschine angesetzt wird, dann raten Experten zu behutsamem Vorgehen. Die Kontur über den Ohren sollte nicht zentimeterbreit rasiert werden. Bildrechte: dpa

Sollte doch die Haarschneidemaschine zum Einsatz kommen, gelte der Grundsatz, dass von groß nach klein geschnitten werde. "Man beginnt mit dem Aufsatz für zwölf oder zehn Millimeter und fängt mit den Konturen an nach oben gehend, aber vom Kopf weg", erklärt Thomas Venus. Man solle keinesfalls in einer Bahn gerade nach oben fahren. Vielmehr solle die Hand im rechten Winkel vom Kopf weggehen. "Und bitte nicht unter drei Millimeter scheren, das ist zu gefährlich, sonst wird es fast kahl", meint der Friseurmeister.

Kinderhaare einfach wachsen lassen

Viele Mütter würden den Freiberger Thomas Venus immer wieder fragen, wie sie mit der Haarpracht ihrer Kinder im Lockdown umgehen sollen. "Einfach wachsen lassen. Das ist nicht schlimm", antwortet er ihnen dann. Vom kompletten Abrasieren vermeintlich aus der Form geratener Kinderhaarschöpfe rät Thomas Venus ab. "Das sieht schrecklich aus, die armen Kinder." Ansonsten gelten die Pony-Tipps für Frauen auch für Kinder.

Ein Junge beim Friseur
Eltern sollten die Haare ihrer Kinder einfach sprießen lassen, anstatt eine Komplettrasur anzustreben. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm im MDR MDR Aktuell | 15.12.2020 | 18:02 Uhr

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