24.05.2019 | 06:00 Uhr Bergbaumuseum Freiberg widmet sich "Mythos Atom"

Im Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg wird am Freitag die Sonderausstellung "Mythos Atom" eröffnet. Neben den Anfängen der Radioaktivität und dem Uranbergbau widmet sich die Ausstellung auch der aktuellen Debatte um die Endlagersuche für die Abfälle der Atomindustrie.

Ein Blick in die Ausstellungsräume 'Mythos Atom'
Die Mitarbeiter treffen die letzten Vorbereitungen für die Ausstellungseröffnung. Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi

"Radioaktivität hat wie eine Medaille zwei Seiten. Es ist nicht nur der negative Aspekt, denn das Suchen und das Finden der Radioaktivität hatte vorerst einen positiven Aspekt", sagt Andrea Riedel, Direktorin des Stadt- und Bergbaumuseums Freiberg. Und auch dieser positive Aspekt, zum Beispiel im medizinischen Bereich, werde in der Sonderausstellung "Mythos Atom" gezeigt. So findet sich als Ausstellungsstück auch eine Zahnpasta, versetzt mit leichter Radioaktivität aus den 1920er Jahren. Diese machte die Zähne strahlend weiß.

Die militärische Nutzung der Radioaktivität wird ebenfalls beleuchtet: Dabei geht es um die Entdeckung der Kernspaltung 1938 und die Atombombenabwürfe der USA über Hiroshima und Nagasaki, sowie den Drang Stalins, eine eigene Atombombe für die Sowjetunion zu bauen. In sämtlichen Gebieten der Sowjetunion wurde nach Uranerz gesucht und so entstand der Vorläufer der heutigen Wismut GmbH.

Und so beschäftigt sich der zweite Themenkomplex der Ausstellung dann mit der Geschichte des Uranbergbaus im sächsischen und im böhmischen Erzgebirge. "Das ist nach unserem Kenntnisstand deutschlandweit noch in keinem Museum vermittelt worden", so Riedel. Zahlreiche Ausstellungsstücke wurden von der Wismut GmbH als Leihgabe zur Verfügung gestellt, so zum Beispiel Brigadebücher, historische Fotos, Wimpel und Objekte aus der unternehmenseigenen Kunstsammlung.

Ein historischer Geiger-Müller-Zähler in der Ausstellung 'Mythos Atom'
Auch die typischen Werkzeuge, die die Bergleute im Uranbergbau nutzten, finden einen Platz in der Ausstellung. Neben Bohrhammer und Keilhaue ist auch ein Geiger-Müller-Zähler zu sehen. Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi

Außerdem finden sich in der Ausstellung die Originaldrehbücher "Granit", die unter dem Titel "Columbus 64" als fünfteilige Serie von der DEFA produziert wurden. Armin Müller-Stahl und Manfred Krug waren in der Serie zu sehen, die im Uranbergbau spielt.

Der dritte Teil soll zur Diskussion anregen. Hier geht es um die aktuelle Debatte über eine Endlagersuche für die Abfälle der Atomindustrie. Die Fragen "Ihre Meinung zur Atomenergie" und "Strom für die Zukunft: Was stellen wir uns eigentlich vor?" können von den Besuchern beantwortet werden. In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit wird die Suche nach einem geeigneten Endlagerort und den Vorraussetzungen illustriert.

Uranglas unter UV-Licht
Ein Ausstellungsstück ist ein Uranglas, hier zu sehen unter UV-Licht. Bildrechte: Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg

Begleitend zur Ausstellung sind Vorträge und Lesungen geplant. Auch für Kinder und Jugendliche gibt es spezielle Entdeckerprogramme. Wer noch tiefer in die Geschichte der Radioaktivität und des Uranbergbaus eintauchen möchte, kann an den öffentlichen Führungen teilnehmen.

Im Herbst wird die zweisprachige Wanderausstellung im tschechischen Most zu sehen sein. Interesse die Ausstellung zu zeigen, besteht auch beim Museum in Karlsbad, dem Deutschen Bergbaumuseum in Bochum und der Welterbestätte Rammelsberg in Goslar. Bis zum 8. September haben die Besucher in Freiberg die Gelegenheit in den "Mythos Atom" einzutauchen.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 23.05.2019 | 19:00 Uhr

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1 Kommentar

24.05.2019 08:31 Conrad 1

Von den Anfängen der Radioaktivität

Radioaktivität ist ein natürlicher Prozess. Ionisierende Strahlung wird ausgesendet, wenn ein instabiler Atomkerne so unter Energieabgabe seinen Zustand ändert. Dies findet jeher in der Natur statt.

Erst durch Forschung und Wissenschaft wurde dieses Phänomen vom Menschen bewusst herbeigeführt. Man sprach auch deshalb von dem Atomzeitalter.

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