Ein textiler Müllsack mit der Aufschrift "NABU", in dem sich Kuststoffmüll befindet
Ozeanmüll kann durch spezielle Verfahren wieder wertvoller Rohstoff werden. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt

Kunststoffabfälle als Rohstoff Müll aus dem Ozean wird in Freiberg recycelt

Allein im Pazifik schwimmt eine Plastikmüllinsel mit einer Masse von etwa 79.000 Tonnen, die vier Mal so groß ist wie Deutschland. Freiberger Wissenschaftler forschen an einem Verfahren, solchen Müll zu recyceln. In einer 15 Meter hohen Versuchsanlage wird Kunststoffmüll in Gas umgewandelt, aus der die Chemie-Industrie neue Kunststoffe herstellt. Das Ganze steht unter dem Motto "Kreislaufschließung".

Ein textiler Müllsack mit der Aufschrift "NABU", in dem sich Kuststoffmüll befindet
Ozeanmüll kann durch spezielle Verfahren wieder wertvoller Rohstoff werden. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt

Freiberg liegt zwar hunderte Kilometer vom Meer entfernt, doch die Forscher am Institut für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen der TU Freiberg arbeiten mit Stoffen aus dem Ozean. Sie verwerten Plastikmüll. Der kommt in so großen Mengen insbesondere im Pazifik vor, dass Wissenschaftler inzwischen von einem "siebenten Kontinent" sprechen. Eine nachhaltige Nutzung solcher Ressourcen, aber auch des heimischen Plastikmülls, haben sich die Freiberger auf die Fahnen geschrieben.

Professor Bernd Meyer vor der Anlage zur Synthesegaserzeugung.
Professor Bernd Meyer vor der Anlage zur Synthesegaserzeugung. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt

Institutsleiter Prof. Bernd Meyer, der das Forschungsprojekt leitet, sieht im Ozeanmüll, aber auch in der weltweiten Vermüllung eine große Herausforderung. "Der Ozeanmüll greift in den Lebenskreislauf besonders ein. Das eigentliche Problem besteht darin, den Müll aus dem Ozean zu holen. Aber das kann gelöst werden." Wenn diese Stoffmengen verfügbar seien, könne die Umwandlung durch Synthesegasverfahren stattfinden.

Synthesegasverfahren kann Ozeanmüll in Rohstoff umwandeln

Die Freiberger Versuchsanlage hat die Ausmaße einer komplexen Chemieanlage. Sie könnte langfristig die klassische Müllverbrennung ablösen und den Weg in einen Abfallkreislauf ebnen. Prof. Meyer: "In der Anlage werden die Kunststoffe in Synthesegas umgewandelt. Wir fügen Sauerstoff hinzu, wobei keine Verbrennung stattfindet, sondern eine Partialoxydation bei sehr hohen Temperaturen. Bei bis zu 3.000 Grad wird alles Organische zerstört. Es entstehen Kohlenmonoxyd und Wasserstoff. Und daraus können wieder beliebige Kunststoffe hergestellt werden."

Eine turmhohe chemnische Anlage auf einem Industriegelände
Die turmhohe Anlage kann aus Ozeanmüll wieder Rohstoffe für die chemische Industrie machen. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt


Das Institut arbeitet mit großen nationalen und internationalen Industriepartnern zusammen, wird aber auch vom Sächsischen Wissenschaftsministerium gefördert. Und auch die Verwertung von Industrie- und Gewerbemüll, der kaum getrennt werden kann und oft Sondermüll darstellt, rückt damit in greifbare Nähe.

Technologie-Export statt Müll-Import

Professor Meyer ist zuversichtlich, dass das Freiberger Verfahren Zukunft hat. "Die Technologie, die wir entwickeln, ist dafür geeignet, mit sehr komplexen Stoffen zurechtzukommen. Wir können die Technologien entwickeln, damit dort, wo der Abfall zusammenkommt, das Recycling stattfindet. Denn es macht ja keinen Sinn, den Ozeanmüll wieder über die Ozeane zu transportieren."

Ein metallischer Brennofen mit Rohrleitungen und einem Sichtfenster, in dem Flammen zu sehen sind
Die Technologie soll dort hinkommen, wo der Müll entsteht. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt

Quelle: MDR/tfr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2018, 19:35 Uhr

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5 Kommentare

17.05.2018 13:58 W. Merseburger 5

An Aufklärer @3,
wenn sie mir Pyrolyse mit 2r vorwerfen haben sie recht, aber dann schreiben sie auch bitte bei Haare zu berge ,Berge mit großem B! Wenn ich Kunststoffe bei bis zu 3000 Grad absolut oder 3000 Grad Celsius spalte, dann ist das eben eine Pyrolyse, wobei ich bei den 3000 Grad als Temperatur sehr skeptisch bin, wie dies funktioniert, insbesondere vom Reaktormaterial her. Und Aufklärer, wer sich schon einmal mit gemischten Kunststoffabfällen und deren Verwertung befasst hat, weiß, dass da sehr unangenehme andere Elemente wie z. B. Chlor eine Rolle spielen. Styropor z. B. wurde sehr lange mit bromhaltigen Flammschutzmitteln umfassend ausgerüstet und wenn heute bestimmte Phosphorverbindungen verwendet werden, so haben sie damit bei bis zu 3000 Grad Temperatur enorme Probleme zu bewältigen.

17.05.2018 10:11 bippus 4

Die Aktion in allen Ehren!Aber wie kommt der Muell nach Freiberg?

17.05.2018 05:07 Aufklärer 3

@W. Merseburger: Ich kann in dem Artikel leider nichts von dem Begriff Pyrolyse (mit einem "r") finden. Da stehen einem ja die Haare zu berge bei ihrer Argumentation.

16.05.2018 22:41 part 2

Wohl die endlich ersehnte Notlösung, wo China kürzlich dem Import von Plastikmüll per Gesetz verboten hat. Im Meer wird trotzdem noch ausreichend Plastik landen, wenn der Ölpreis wieder steigt wohl etwas weniger. Ich erinnere mich noch an die Fernsehreportagen wo Kinder in Süd-Ost- Asien jede Mülltüte aus dem Kanal fischten um sie anschließend beim Altwarenhändler zu verkaufen. Die große Plastik- Insel im Pazifik, so groß wie Texas, wird man wahrscheinlich kaum anzapfen können, das gehört ins Reich der wirtschaftlichen Nichtmachbarkeit.

16.05.2018 21:45 W. Merseburger 1

Leider steht der Verfasser dieses utopischen Artikel nicht unter der Überschrift bzw. nirgendswo im Artikel. Sonst könnte ich ihm sagen, Werbung und Kampf um Fördergelder darf übertreiben. Hier wird jedoch in einer Weise übertrieben , die zu Widerstand nahezu aufruft. Allein der Satz bei obiger Pyrrolyse entstehen Kohlenmonoxid und Wasserstoff und daraus werden beliebige Kunststoffe wieder herstellbar, lässt dem Fachmann die Haare zu Berge stehen. Offensichtlich sollen Politiker mit solchem optimistischen Aussagen dazu bewegt werden, weitere Fördergelder locker zu machen. Zumal der Ozean damit vom Kunststoffmüll befreit werden kann. Seriös geht anders!

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