Prozess in Chemnitz Angeklagter äußert sich nach tödlichem Ehestreit in Freiberg

Das Landgericht in Chemnitz.
Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Gut ein halbes Jahr nach dem gewaltsamen Tod einer Frau in Freiberg hat der angeklagte Ehemann vor Gericht seine Unschuld beteuert. Er habe zu keiner Zeit auf seine Frau eingestochen und sei über ihren Tod "unendlich traurig", erklärte der 39-Jährige am Dienstag im Prozess am Landgericht Chemnitz. Vielmehr habe sich die 33-Jährige im Laufe eines Streits im Wohnzimmer ein Messer geschnappt und sich damit "wie von Sinnen" im Beisein der Kinder in den Bauch gestochen. "Ich bin sofort aufgestanden und habe versucht ihr das Messer wegzunehmen", erklärte der Mann. Dabei sei die Klinge abgebrochen. Später habe er einen Krankenwagen gerufen.

Angeklagter: Ehefrau hatte psychische Probleme

Die beiden Eheleute stammen aus Afghanistan. Die Anklage wirft dem fünffachen Familienvater Totschlag vor. Demnach soll er am Abend des 19. Mai mindestens sieben Mal auf seine Ehefrau eingestochen haben - mit einem Küchenmesser mit mehr als zwölf Zentimeter langer Klinge. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft nahm er billigend in Kauf, seine Frau tödlich zu verletzen. Sie starb an ihren schweren Verletzungen.

Seine Frau habe psychische Probleme gehabt und sich in Deutschland einsam gefühlt, erläuterte der Angeklagte. Deswegen habe sie einer Bekannten 14.000 Euro gegeben, um mit Hilfe eines Schleusers Verwandte nachzuholen. "Ich war sehr ärgerlich, weil das Geld weg war." Das Geld hätten sie gespart, um ein Geschäft zu eröffnen. Daher sei es an jenem Tag im Mai zu dem Streit gekommen.

Staatsanwalt bezweifelt Aussage

Staatsanwalt Stephan Butzkies äußerte sich skeptisch über die Aussagen des Mannes. Warum er seiner Frau das Geld nicht zuvor abgenommen habe, wenn er von ihren Plänen wusste, fragte er. "Das macht so keinen Sinn." Verwundert zeigte er sich auch darüber, dass der Angeklagte erst jetzt im Prozess von dem Geld berichtete - in vorherigen Vernehmungen sei dazu kein einziges Wort gefallen, betonte Butzkies. Es habe ihn niemand danach gefragt, gab der 39-Jährige zur Antwort. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind weitere Verhandlungstage bis Mitte Dezember geplant.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.12.2020 | ab 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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