Stadtrat hat entschieden Freiberg bekommt vorerst keine Ampel-Bergmänner

Immer mehr Städte wollen ihren Fußgängerampeln Lokalkolorit geben. So gibt es in Plauen Vater-und-Sohn-Ampeln oder in Mainz Mainzelmännchen-Ampeln. Jetzt wollte Freiberg auch nachziehen. Doch das wird nun erstmal nichts.

Das Ampelmännchen scheint den Deutschen besonders am Herz zu liegen. Wie sonst ist es zu erklären, dass es um die, amtlich genannte, Lichtsignalanlage immer wieder Streit gibt. Groß war der Aufschrei in Ostdeutschland als 1990 die Westampelmännchen kamen. Viele Städte haben inzwischen wieder die niedlichen Ost-Ampelmännchen. Doch damit nicht genug. Ampelfrauen sollen für Gleichberechtigung werben oder schwule Ampelmännchen auf das Thema Diskriminierung aufmerksam machen. Möglichkeiten gibt es genug, um eine simple Fußgängerampel für diverse Botschaften zu nutzen.

Bergmannsampel für Bergbauhauptstadt

Auf einer Ampel ist ein grüner Bergmann in Seitenansicht zu sehen.
So stellen sich die Initiatoren die Fußgängerampeln in der Bergstadt vor. Bildrechte: Michael Milew

Auch in Freiberg stehen die städtischen Lichtsignalanlagen nun im Fokus. Schuld daran ist der Vorstoß eines FDP-Stadtrates. Benjamin Karabinski machte den Vorschlag, fünf Freiberger Fußgängerampeln mit Bergmännern zu versehen. Dafür sollte die Stadt eine Ausnahmegenehmigung beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr LASUV beantragen. Freiberg sei schließlich mit der Bergakademie oder dem Oberbergamt die Hauptstadt des Erzgebirgsbergbaus.

"Die Stadt Freiberg könnte mit Bergmannampelmännchen auf eine sympathische und witzige Art zusätzlich zu ihren bisherigen Bemühungen auf ihre bedeutende Bergbautradition hinweisen und diese noch präsenter im Stadtbild zeigen", heißt es in der Beschlussvorlage, über die am Donnerstagabend abgestimmt wurde - doch leider ohne Erfolg. Der Stadtrat stimmte am Donnerstagabend mit großer Mehrheit gegen den Antrag.

Vielstimmige Kritik

Die drei großen Stadtratsfraktionen hatten schon vor der Abstimmung zu verstehen gegeben, dass sie den Vorschlag nicht unterstützen wollen. Hauptargument der Kritiker ist das Geld. Eine Umrüstung der Ampeln wäre viel zu teuer. Dem hatten die Befürworter entgegen gehalten, dass die Kosten durchaus überschaubar seien, was die Vater-und-Sohn-Ampeln zum Beispiel in Plauen gezeigt hätten.

Andere lehnen das Projekt ab, da es schon zu viele Städte mit speziellen Ampeln gebe. Da seien Bergmannsampeln wirklich nichts Besonderes mehr. Ein Stadtrat hat sogar klar inhaltliche Probleme mit den Bergmannsampeln. Sie würden das Thema Bergbau verniedlichen. Die Pflege des kulturellen Erbes sei mit Bergparaden viel besser möglich, als mit solchen Bergmannsampeln.

Kuriose Ampeln Marx weist den Weg

Fußgängerampeln in Deutschland sind alles andere als langweilig. Vielerorts kann man als Passant die Rotphase nutzen, um über Sinn und Unsinn der Ampeldesigner nachzudenken.

Bildkombo zeigt Fußgängerampel mit Bergmann mit Helm auf dem Kopf und Lampe in der Hand in Duisburg.
In Duisburg schmücken schon Bergleute die Ampeln. Bildrechte: dpa
Bildkombo zeigt Fußgängerampel mit Bergmann mit Helm auf dem Kopf und Lampe in der Hand in Duisburg.
In Duisburg schmücken schon Bergleute die Ampeln. Bildrechte: dpa
Die Bremer Stadtmusikanten leuchten als Grün-Anzeige an einer Ampel in Bremen.
In welcher Stadt weisen wohl diese Tiere den Weg? Bildrechte: dpa
Ein Ampel-Männchen in Form eines tanzenden Elvis Presely leuchtet bei Grün an einer Fußgänger-Ampel in Friedberg.
Ein tanzender Elvis fordert die Fußgänger im hessischen Friedberg auf, die Straße zu überqueren. Bildrechte: dpa
Durch den Nachleucht-Effekt während des Wechsels von Rot auf Grün sind bei dieser Aufnahme 2016 in Mainz beide Mainzel-Ampelmännchen sichtbar.
Das ZDF ist in Mainz allgegenwärtig. Bildrechte: dpa
Eine Karl-Karx-Figur leuchtet an einer Fußgängerampel in Trier.
Auch wenn sich sonst niemand an die Ratschläge von Karl Marx hält. Die Fußgänger in Trier machen da eine Ausnahme. Bildrechte: dpa
Zwei "Vielfaltampeln" zeigen 2015 in Hamburg schwule und lesbische Pärchen.
Schwul-lesbische Fußgänger*innen-Ampel in der Hansestadt Hamburg Bildrechte: dpa
Auf einer Ampel ist ein grüner Bergmann in Seitenansicht zu sehen.
Bisher nur ein Entwurf: Der Bergampelmann in Freiberg. Bildrechte: Michael Milew
Grün zeigt die Fuߟgängerampel mit Martin Luther als Ampelmännchen am Lutherring.
In Worms am Rhein erinnert die Ampel an den Auftritt Martin Luthers vor dem Reichstag vor 498 Jahren. Bildrechte: dpa
Der negative Scherenschnitt eines Cannabis-Blattes ist auf das Grün einer Behelfsampel in Leipzig geklebt.
Eher ein bekiffter Scherz: Ein Witzbold hat eine Baustellenampel in Leipzig umgestaltet. Bildrechte: dpa
An einer Ampel leuchtet in Augsburg (Bayern) die Silhouette des Kasperl.
In Augsburg bestimmt der Kasperl wann man über die Straße darf. Bildrechte: dpa
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Quelle: MDR/mwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.02.2019 | 05:30 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2019, 20:16 Uhr

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12 Kommentare

09.02.2019 09:23 Mal ne Anmerkung 12

Leute, Leute ,der Herr FDP Karabinski braucht wieder mal Aufmerksamkeit!Da wird mal einer rausgelassen um die FDP mal wieder ins Gespräch zu bringen.
Und mir bleibt immer noch in Erinnerung,Herrn Karabinskis FDP in der Koallition mit der Sachsen CDU an der Regierung.Als Mitglied im Innenausschuss kämpfte er vehemnt gegen die gesetzliche "Rauchmelder in allen Wohnungen ",dies wäre ein Eingriff in die persönliche Freiheit"wörtlich Herr Karabinski"!
Meine Anfrage an ihn was ist dann wenn die Feuerwehr die Wohnungseinganstür mit einer Kettensäge öffnet um Menschen zu retten(weil keine Rauchmelder vorhanden und Menschen ersticken können),blieb unbeantwortet.
Seitdem habe ich ein "eine eigene Meinung" zu diesem FDP "Volksvertreter"!
Und sollen doch die Freiberger ihr eigenes Ampelmännchen haben ,wenn die Umrüstung die FDP bezahlt!

08.02.2019 23:00 DER Beobachter 11

Wenn Ampeln in Gemeinden ohnehin umgerüstet oder repariert werden müssten, könnte ich mir sowas sehr gut vorstellen...

08.02.2019 14:04 typotyp 10

Bei allem Bemühen um Lokalkolorit und Abgrenzung vom Rest der Ampellandschaft darf nicht unerwähnt bleiben, dass ja die allseits vertrauten Ampelmännchen nicht nur irgendwelche lustigen Männlein sind. Die seinerzeit vom Verkehrspsychologe Karl Peglau geschaffenen Figuren sind Untersuchungen zufolge in der Wahrnehmung erfolgreicher als die DIN-genormten Westkollegen. Das liegt sicher nicht nur an ihrer fülligen Statur (mehr Fläche gleich mehr Licht) und der sehr einprägsamen Formen für Gehen und Stehen. Ob Bergmänner oder tänzelnde Elvisfigürchen da mithalten können, kann ich mir schlecht vorstellen.

08.02.2019 08:18 Charly 9

Hihi ich schlage vor für die Lausitzer Städte einen Wolf einzubringen.Ein sitzender für Rot und ein laufender für Grün.Spaß beiseite.Man kann es wirklich nicht glauben mit was für einem Unsinn sich die verantwortlichen befassen.Mir egal was da abgebildet ist.Rot und grün ist maßgebend.

08.02.2019 07:24 Gerhard 8

Sollten das Steuergeld lieber sinnvoll verwenden !!! Haben diese Leute nichts zu tun ?
Es gibt genug was diese Leute für die Bürger erledigen sollten !!
Es wäre an der Zeit für solche sinnlosen Geldausgaben diese Leute zur Kasse zu bitten !!

07.02.2019 20:51 karstde 7

@ Wolle1 3: Ihre Worte stimmen. Nur hinterfragen Sie Ihre Meinung. Dann kommen Sie der Wahrheit recht nahe. Warum ist das heute so? An wem liegt das? Warum müssen andere Arbeiten und die anderen nicht?

07.02.2019 20:11 D. S. 6

Als Freiberger find ich ich die Idee super! Und als ob das mit den Ampelbildern in anderen Städten zu vergleichen wäre... So ein Quatsch. Ich denke mit dieser Null-Humor-Politik schießen die unglaublich wichtigen Leute da oben sich auf Dauer ins Knie.

07.02.2019 19:16 Ramstein 5

So ein Blödsinn Quatsch

07.02.2019 18:25 D.B. 4

Schließe mich den Kommentaren 1+2 an. Haben wir nichts anderes zu tuen?
Mit den Grafiken kann man doch etwas Lockerheit und Identifikation ins Leben bringen. Wichtig ist doch das Rot und Grün deutlich zu sehen ist!
Ein Vorschlag: alle die Zeit für diese und ähnliche Meckereien haben, können sich doch mal an die Ampeln stellen und Rot- Handi- und weitere Verkehrssünder feststellen. Dann würden diese bestimmt mehr für die Sicherheit, vor allem der Kinder, beitragen.
Aber wahrscheinlich lässt sich mit Pedanterie mehr Geld "verdienen".

07.02.2019 17:48 Wolle1 3

@2 da gebe ich ihnen vollkommen Recht. Nur damals waren Menschen noch tolerant. Heute verklagt jeder jeden wegen einem falschen Wort. Und zum anderen: wo gibt es noch Kommunikation? Jeder latscht nur noch mit Handy durch die Gegend, der Rest ist Fernsehen und Anonymitaet

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