Wissenschaft trifft Musik Idee in Lockdown-Langeweile: Freiberger erfindet Stone-Techno

Ein Mann mittleren Alters steht vor einer Steinwand und lächelt zum Publikum. es sit der gebürtige Freiberger und Geologe Achim Reisdorf. Er arbeitet derzeit für die Stiftung Ruhr Museum in Essen, hat nebenebei aber eine neue Art des Technoserfunden. Den Stone-Techno, der aus dem Klang von Gesteinen entsteht.
Der gebürtige Freiberger und Geologe Achim Reisdorf ist dem Klang der Steine auf der Spur. Bildrechte: Paul und Tine Bossenmaier

Ob Heavy Metal oder Techno - Achim Reisdorf liebt Musik. Und Steine. Der promovierte Geologe stammt aus Freiberg. Nach Stationen in Tübingen und Basel arbeitet der 53-Jährige nun für das Ruhrmuseum Essen in Nordrhein-Westfalen. Dort ist er während des Corona-Lockdowns im Frühajhr auf eine verrückte Idee gekommen: "Die Idee war, einen Wettbewerb auszurufen, dass man Menschen anhand von Klängen Gesteine erforschen lässt. Aus diesen Klängen sollten Techno-Stücke produziert werden."

Von Klangschnipseln zu neuen Sound-Welten

In einer Klang-Datenbank stellte Achim Reisdorf verschiedene Geräusche zur Verfügung. Da waren tatsächlich Steine aufeinander geschlagen oder auf einer Art Xylophon bespielt worden. Aus solchen Klangschnipseln sollte Musik entstehen. Achim Reisdorf startete einen Online-Aufruf. Sogar in Neuseeland experimentierten Leute aus der Elektromusik-Szene mit Steingeräuschen, verfremdeten sie mit Synthesizern und Effekten.

Auch Tobias Kosellek aus Oelsnitz im Vogtland machte mit. Er ist seit mehr als 20 Jahren Techno-DJ und legt international in Clubs auf: "Wenn ein Geologe sagt: 'Okay, wir haben hier Sounds aufgenommen - Steine - mach da mal Musik draus!', dann ist das spannend und sehr herausfordernd. Mich hat ein Bild von einem Schacht begleitet. Dass Musik auf eine andere Kunstform trifft, das ist ja was sehr Bekanntes. Aber dieses Mal ist es die Wissenschaft."

Da hat Achim wirklich etwas Großes aufgetan.

Tobias Kosellek Techno-DJ

Erst tanzen, dann ins Museum

Besucher des Weltkulturerbes Zeche Zollverein schauen sich mit Nasen-Mund-Schutzmasken eine Informationstafel an
Auf Zeche Zollverein, wie die Ruhrpottler die Kokerei nennen, die den UNESCO-Weltkulturerbetitel trägt, sollen 2021 Stone-Techno-Raves stattfinden. Bildrechte: dpa

Wie Kosellek haben rund 50 Musiker, DJs und Produzenten aus aller Welt Kompositionen an Achim Reisdorf geschickt. Die Songs kann sich jeder im Internet anhören. Sie sollen demnächst auf Schallplatte herauskommen. In Essen ist auch ein Konzert, ein Rave, geplant: "Es soll Stone-Techno live geben auf Zeche Zollverein. Ich möchte, dass die Leute sich vergegenwärtigen, dass ihre Umwelt Geräusche erzeugt, entweder in der Natur mal darauf zu achten oder sich sagen, hier gibt es ein Museum, das Mineralien und Gesteine zeigt - lass uns mal reingehen und uns die Steine anschauen, aus denen wir letzte Nacht beim Techno-Rave getanzt haben."

2021 soll es eine 2. Auflage geben. Achim Reisdorf fände es toll, wenn vielleicht eine musikalische Brücke von der ehemaligen Europäischen Kulturhauptstadt Essen zur baldigen Kulturhauptstadt Chemnitz geschlagen werden könnte.

Quelle: MDR/mv/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.11.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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