30.05.2019 | 12:20 Uhr Auf dem Land viele Parteien in Sachsen unsichtbar

Bei den Kommunalwahlen haben CDU und SPD viele Ratssitze in Dörfern und Kleinstädten verloren. Im Wahlkampf waren auf dem Land vor allem Plakate der AfD zu sehen. Hatte das Auswirkungen auf das Wahlergebnis?

Blick auf eine Dorfstraße irgendwo in der Lausitz, Rechts an einem Laternenpfahl hängt ein AfD-Plakat.
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In den vergangenen Wochen konnte man vor allem in den Dörfern Sachsens viele Wahlplakate von NPD und AfD sehen, andere Parteien waren nicht präsent an Masten und Bäumen - beispielsweise entlang der B6 von Meißen Richtung Oschatz, entlang der B96 bei Bautzen oder in der Döbelner Region. Der Kreisgeschäftsführer der CDU Mittelsachsen, Robert Frisch, sagte MDR SACHSEN: Die CDU-Kandidaten haben in der Region an 2.000 Stellen Plakate aufgehängt. "Um eine spürbare Hoheit zu haben, ist das aber zu wenig gewesen." Rund ein Drittel der CDU-Kandidaten in Mittelsachsen haben nach Informationen von Frisch ihre Mandate in Stadt- und Gemeinderäten verloren.

AfD auf dem Land optisch präsent

Bei der AfD sah das anders aus: Laut Vorstandsmitglied der AfD Mittelsachsen, Rolf Weigand, haben auch viele Nichtmitglieder in der Region Hilfe beim Verteilen der Plakate in Mittelsachsen angeboten. "Wir wollten im ländlichen Raum auch Präsenz zeigen. Um neben den Veranstaltungen auch zu zeigen, wir waren hier." Die Menschen auf dem Land sollten sehen, dass sich die AfD für die Region interessiere.

SPD: Wahlplakate generell nicht wahlentscheidend

Landkreis Mittelsachsen
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Die SPD ist vielen Kommunalräten gar nicht mehr präsent, daher war sie dort auch nicht mit Wahlplakaten für die Kommunalwahl präsent. Verantwortliche Ortsverbände hätten ihre Kraft eher in persönliche Gespräche investiert, erklärte Regionalgeschäftsführerin Sabine Sieble. "Das muss nicht immer zwangsläufig nur durch die Plakate beeinflusst sein. Generell sind für mich Plakate so ein gewisses Grundrauschen, das erzeugt wird bei der Wahl". Für wahlentscheidend hält Sieble Wahlplakate generell nicht.

So sieht das auch Robert Frisch von der CDU. Plakatieren ja - aber auch bei der Landtagswahl wolle sich sein Kreisverband nicht an einer riesigen Materialschlacht beteiligen. Immerhin gehe es um einen verantwortungsvollen Umgang mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Er hält Flyer, die bei persönlichen Gesprächen über den Gartenzaun überreicht werden, für die bessere Wahl.

Politikwissenschaftler warnt vor Vernachlässigung

Das sieht der Politikwissenschaftler Matthias Quent vom Jenaer Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft anders. Seiner Meinung nach hängt viel mehr am Verzicht auf Wahlplakate. Denn die Anwohner könnten das Gefühl entwickeln, dass sie von den Parteien im Stich gelassen werden und die sich nicht um die Region kümmern würden.

Quelle: MDR/nk/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.05.2019 | 17:20 Uhr

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