Hochschulstreit Rektor der WHZ Zwickau abgewählt

Der Rektor der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ), Karl Schwister, ist mit sofortiger Wirkung seines Amtes enthoben worden. Der Hochschulrat bestätigte damit einen früheren Beschluss des erweiterten Senats. Zur Begründung hieß es, das Vertrauensverhältnis zwischen dem Rektor und Teilen der Hochschule sei beschädigt.

Karl Schwister
Nicht einmal ein ganzes Jahr dauerte die Amtszeit von WHZ-Rektor Karl Schwister. Bildrechte: dpa

Die Stelle soll nun neu ausgeschrieben werden. Vorerst wird Schwisters Stellvertreterin, Prorektorin Hui-Fang Chiao, die Geschäfte führen. Schwister hatte im Vorfeld angekündigt, im Fall einer Amtsenthebung klagen zu wollen. Vor allem seine Pläne zur Umstrukturierung von Studienbereichen waren auf Kritik gestoßen.

Unterschiedliche Begründungen

Die Begründungen für die Abwahl sind unterschiedlich. Schwister, der erst im Mai 2017 als Rektor sein Amt antrat, hatte in den vergangenen Monaten viel Kritik für seine Amtsführung einstecken müssen. So wollte er die Fakultät Elektrotechnik auflösen und auf andere Studienbereiche verteilen. Auch seine interne Kommunikation wurde kritisiert. Dadurch sei das Vertrauensverhältnis zerstört, so die Hochschule. Schwister hingegen sieht als Ursache für seine Abwahl vor allem seine Kritik am Lehrpersonal der Hochschule. In einem Brief informierte er die Sächsische Landesregierung darüber, dass zwischen Wintersemester 2014/2015 bis zum Sommersemester 2017 "ca. 55 % aller Professoren und zur Lehre verpflichteten Mitarbeiter an der WHZ in den letzten Jahren nicht vollumfänglich ihren Lehrverpflichtungen nachgekommen sind." Etwa 100 Kollegen erfüllten ihre Lehrverpflichtungen nur zu 50 bis 95 Prozent.

Wissenschaftsministerium bedauert Abwahl

Eva-Maria Stange
Wissenschaftsministerin Stange will den Vorwürfen nachgehen. Bildrechte: dpa

Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange bedauerte die Abwahl von Schwister. Offenbar habe die Mehrheit des erweiterten Senats und des Hochschulrates kein Vertrauen in den Rektor gehabt. "Es ist schon ein außergewöhnlicher Vorgang. Da die Hürden für eine Abwahl im Hochschulgesetz bewusst sehr hoch gesetzt sind", sagte die Ministerin MDR SACHSEN.

Schwister-Kritik könnte Nachspiel haben

Schwisters Kritik an den Hochschulmitarbeitern sieht Stange nicht als Entlassungsgrund. Schließlich habe sich der erweiterte Senat, also alle Gruppen, von den Studenten bis zu den Professoren, mit zwei Dritteln für die Abwahl des Rektors entschieden. Die Auslastung der Professoren oder Mitarbeiter sei zunächst Hochschulangelegenheit. Dennoch: "Dem konkreten Vorwurf, den Herr Schwister dargelegt hat, werden wir nachgehen. Wir werden nachprüfen, ob an diesem Sachverhalt etwas dran ist", so Stange.

Quelle: MDR/mwa

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.01.2018 | 14:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2018, 17:47 Uhr

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