Zuchterfolg Eine Zitrone namens "Sachsenring"

Es dürfte selbst Botanik-Laien geläufig sein, dass sich Südfrüchte in unseren Breiten außerhalb der Supermarktregale eher unbehaglich fühlen. Umso verrückter klingt es, dass ausgerechnet vor den Toren des zurzeit tief verschneiten Erzgebirges eine neue Zitronensorte gezüchtet wurde. Dieser Clou ist einem Hobbygärtner aus Hohenstein-Ernstthal gelungen. Dafür hat er aber auch jahrelang geduldig im Gewächshaus gestanden.

Die verschlungenen Äste des Zitronenbaums haben sich mittlerweile bis unter das Glasdach des Gewächshauses ausgebreitet. Satte tiefgrüne Blätter umschmiegen faustgroße knallgelbe Zitronen. Manfred Reichenbach blickt zufrieden auf seine saure Schönheit, die ihm in diesem Jahr bereits 25 Kilogramm Ernteglück beschert hat.

Ich bin zufrieden mit der Ernte. Die Zitronen schmecken so wie ich mir das vorgestellt habe: Das Aroma der Fruchtschale und die Säure einwandfrei.

Manfred Reichenbach

Der 20 Jahre alte Zitronenbaum ist nicht der einzige, aber der älteste. Die Nummer Eins, wie der ehemalige Gartenbauingenieur aus Hohenstein-Ernstthal berichtet. Zuvor hatte er seit 1987 jahrelang Pflanzen angezüchtet, gekreuzt und selektiert, um letztlich seine sächsische Zitronensorte heranzuziehen.

Rennstrecke wird Namenspatron

Das Gewächshaus, in dem die Zitronen gedeihen, hatte der 83-Jährige in den 1960er Jahren selbst gebaut. Es steht an einer renommierten Adresse: Am alten Sachsenring. Aus diesem Grund will Manfred Reichenbach seine Zitronensorte auch nach der Rennstrecke benennen.

Allerdings habe er etwas Bammel gehabt wegen der Namensrechte, berichtet Reichenbach. "Ich habe mich schon unterhalten mit dem Management vom Sachsenring. Der Name ist nicht geschützt. Den darf ich verwenden. Und deshalb wird die Sorte Sachsenring heißen. Ich denke, das ist alle Ehre. Die Sorte hat's verdient." Im April soll die Zitrone offiziell auf den Namen "Sachsenring" getauft werden.

Umsorgt wie eine Diva

Damit die Zitronen gut wachsen, kümmert sich der 83-Jährige mit dem "grünen Daumen" täglich liebevoll um seine Schützlinge. Jeden Abend heizt er das Gewächshaus, damit es die Pflanzen mollig warm haben. Denn kühle Temperaturen oder gar Frost vertragen sie nicht.

Während noch dicke Früchte an den Ästen hängen, sind auch schon die ersten Blüten aufgegangen. Bestäubungszeit. Für diese wichtige Aufgabe hat sich Manfred Reichenbach tierische Hilfe geholt. Aus dem Ausland ließ er sich ein Hummelvolk liefern. Die dicken Brummer umschwärmen seit zwei Wochen die Pflanzen, tragen die Pollen von Blüte zu Blüte.

Pflanzennarr Reichenbach hat viel vor. Über einen Bekannten, der in Hohenstein-Ernstthal einen Bioladen hat, will er die Sachsenring-Zitrone in Portugal anbauen lassen. Reimportiert könnten die gelben Sauerfrüchte dann einer größeren Kundschaft zugetragen werden.

Für Manfred Reichenbach sind die Zitronen übrigens nur ein Steckenpferd. Er hat auch schon mit Pflanzenhybriden Aufmerksamkeit erregt. So war es ihm gelungen, eine Tomate mit einer Kartoffel zu kreuzen. Dasselbe will er kommendes Jahr nochmal mit Kartoffel und Paprika versuchen.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 16.02.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2017, 10:53 Uhr

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1 Kommentar

16.02.2017 20:02 Morchelchen 1

Absolut bewundernswert, was dieser Mann dank unermüdlichem Fleiß und vielem Idealismus geschafft hat. Das nenne ich eine tolle Lebensleistung! Glückwunsch und viel Erfolg für das Vorhaben des Anbaus der neuen Sorte im sonnigen Portugal.

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