10.12.2019 | 16:44 Uhr Verein in Plauen kämpft seit 25 Jahren gegen sexuelle Gewalt und Prostitution

Junges Mädchen bietet Männern im Auto Sex an.
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Am Dienstag hat der Verein Karo auf 25 Jahre Kampf gegen Zwangsprostitution, Menschenhandel und Ausbeutung im Grenzgebiet geblickt. Seit 25 Jahren gibt es den Verein, der Opfern auf sächsischem und tschechischem Gebiet hilft. Zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kämpfen mit Sozialarbeit, Streetwork-Angeboten, Aufklärung, Hilfsangeboten und Beratungen in Plauen und Cheb gegen Zwangsprostitution im Grenzgebiet. "Das Große und Ganze werden wir nie bekämpfen können, aber wir können immer wieder einzelnen Menschen helfen. Das ist uns in den letzten Jahren sehr gut gelungen", sagte Vereinschefin Cathrin Schauer-Kelpin MDR SACHSEN.

Ich habe in so viele menschliche Abgründe geschaut. Jedes Mal denke ich, dass ist nicht zu toppen. Und dann kommt wieder was, wo ich sage: Oje! Frauen, die in Tschechien auf dem Straßenstrich oder in bordellähnlichen Einrichtungen waren. Wenn die dann in Sicherheit sind, kommt immer wieder zum Tragen, dass sie als Minderjährige in die Prostitution gezwungen wurden, teilweise als kleine Kinder verkauft wurden. Es kommt immer wieder zum Tragen, dass 90 Prozent der Täter Deutsche sind.

Cathrin Schauer-Kelpin Vereinschefin

Netzwerkerinnen und Helfer

1994 hatte Karo als Projekt zur Aids-Prävention begonnen. Über die Jahre baute der Verein seine Hilfsangebote aus, betreibt eine Babyklappe, ein Schutzhaus für Opfer sexueller Gewalt, Beratungsstellen und Suppenküchen. Karo arbeiten vernetzt auch mit Ermittlungsbehörden und der Polizei zusammen und wurde mehrfach für sein Engagement ausgezeichnet. Im Rahmen des Projekts "FriedensFrauenWeltweit" wurde Karo auch für den Friedensnobelpreis nominiert.

Cathrin Schauer, Karo e. V. Plauen
Cathrin Schauer-Kelpin zog am Dienstag Bilanz ihrer Vereinsarbeit. Bildrechte: dpa

Für alle Arbeitsbereiche benötigt der Verein rund eine halbe Million Euro im Jahr. Er erhält nach eigenen Angaben keine öffentlichen Gelder, sondern muss sich aus Spenden finanzieren. Aus Sicht der Vereinschefin Schauer-Kelpin ist die Finanzierung am schwierigsten, vor allem in Sachsen und Vogtland, wo Karo tätig ist. "Da stoßen wir nicht immer auf Verständnis für das, was wir tun. An was auch immer das liegen mag. Und natürlich das Wegschauen der Gesellschaft, das Ignorieren. Immer wieder werden wir konfrontiert: 'Ja, was gehen uns denn diese Menschen an als Deutsche? Was hat das alles mit uns zu tun?'"

Quelle: MDR/mv

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.12.2019 | 00:01 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2019, 16:44 Uhr

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