Blick vom Ankerberg zum Sachsenring.
Vom Ankerberg haben die Motorsportfans einen guten Ausblick auf den Sachsenring. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Motorrad-GP Letzte Ausfahrt Sachsenring?

Der diesjährige Motorrad-Grand-Prix auf dem Sachsenring ist vielleicht der letzte. Dennoch lassen sich die Motorsportfans ihre gute Laune nicht verderben. Und vielleicht gibt es ja doch noch ein Fünkchen Hoffnung.

Blick vom Ankerberg zum Sachsenring.
Vom Ankerberg haben die Motorsportfans einen guten Ausblick auf den Sachsenring. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

"Ra, Ra, Rasputin…" schallt es ohrenbetäubend aus fetten Lautsprecherboxen und tanzende, leicht beschwipste Menschen singen aus voller Kehle. Es ist eng hier im Bus und ÜB, der Fahrer, muss sich sehr konzentrieren. Langsam steuert er seinen großen Reisebus durch die Zeltgassen und hält hin und wieder an, um spontan Fahrgäste aufzunehmen. ÜB ist aus Sachsen-Anhalt und hat alle seine MotoGP-Camping-Freunde zu einer Runde um den Ankerberg, den legendären Zeltplatz am Sachsenring, eingeladen. "Vielleicht ist es ja das letzte Mal, dass wir alle hier so zusammenkommen, sagt er. ÜB, die Abkürzung bedeutet "Über-Biker", ist Stammgast auf dem Zeltplatz am Sachsenring. Er gehört zu einer Gruppe von einem Dutzend Kumpels aus dem Vogtland, dem Erzgebirge und Thüringen. Sie haben hier ihre Zelte für das MotoGP-Wochenende aufgeschlagen.

"Kiwi" mit eigener Flagge

Eine Gruppe von Männern mit Hüten und Bierflasche in der Hand steht hinter einem Motorrad.
Tony (re) mit Kumpels, Maschine und Flagge. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Natürlich fließt reichlich Bier und es wird über Motorräder und Rennen gefachsimpelt. Inmitten der Crew ein weißbärtiger Alter. "Mein Name ist Tony", sagt er auf Englisch. "Ich war 2004 das erste Mal am Sachsenring und komme seitdem jedes Jahr". Tony hatte die wohl weiteste Anreise, denn er ist aus Neuseeland. Im Frühling ist der 72-Jährige nach London gejettet und hat sich dort auf seine Suzuki gesetzt und ist zum MotoGP-Rennen nach Spanien gefahren. Jetzt sitzt der "Kiwi" auf dem Ankerberg inmitten seiner Freunde. "Wir haben ihn vor ein paar Jahren hier kennengelernt und ihn gleich adoptiert", sagt Rainer unter dem Gejohle seiner Kumpels. Inzwischen gehört Tony zum Freundeskreis und man freut sich jedes Jahr aufs Wiedersehen. Tonys Kumpels haben extra eine Fahne von Neuseeland besorgt und sie vor seinem Zelt aufgestellt. Trotz aller Freude: In diesem Jahr herrscht auch eine merkwürdige Stimmung unter den Fans. Zwischen Trauer und Trotz. Denn niemand weiß, ob es auch 2018 ein Wiedersehen am Sachenring gibt.

"In der Eifel fahrt ihr ohne uns!"

"Es ist sehr traurig, dass es hier zu Ende gehen soll. Ich kenne sogar noch die alten Filmaufnahmen aus DDR-Zeiten, als Hunderttausende an der Rennstrecke waren", sagt der Neuseeländer. Für seinen Kumpel Rainer ist das Ende des MotoGP noch nicht beschlossene Sache. "Leider geht es heutzutage nur noch um Geld. Aber ich glaube, dass es weiter geht. So ein Rennen kann man nicht einfach beenden. Wenn doch, dann treffen wir uns mit Tony eben zum Rennen in Tschechien. Denn eines ist klar", und plötzlich stehen die Kumpels auf und singen: "In der Eifel fahrt ihr ohne uns!". Der Nürburgring kommt offenbar nicht in Frage. Dafür kommt die Unterstützung für den Sachsenring inzwischen in Fahrt. Für den Erhalt des MotoGP auf der Traditionsstrecke haben Fans eine Online-Petition gestartet, an der sich schon über 15.000 Unterstützer beteiligt haben.

Wirtschaftsfaktor Motorradrennen

Ein Mann dreht sich weg von seinem Schreibtisch und schaut aus dem Fenster.
Ankerberg-Chef Enrico Matthes hofft auf die Landesregierung. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Auch Enrico Matthes fühlt sich ein wenig zwischen Baum und Borke. Geht es weiter, oder war es das? Matthes ist Geschäftsführer des Ankerberg-Festivals und des Zeltplatzes. "Ich brauche Klarheit, denn falls es weitergeht, beginnen schon bald wieder die Vorbereitungen fürs nächste Jahr". Wir haben hier Investitionen und Ausgaben im jeweils sechsstelligen Bereich, sagt der Ankerberg-Chef. Er ist verantwortlich für über hundert Mitarbeiter, die alles am Laufen halten. Hinzu kommen noch die etwa 240 Händler und Schausteller auf dem Festivalgelände. "Ich hoffe sehr, dass der Freistaat für das Rennen kämpft." An einem Rennwochenende kämen Tausende an den Sachsenring. "Die lassen ja auch eine Menge Geld in der Region, was ja auch letztlich über Steuern der Staatskasse zugute kommt. "Wir hoffen alle, dass die Sachsenring-Tradition weiterlebt." Denn ohne Rennen, werde es im nächsten Jahr auch kein Ankerberg-Festival geben, sagt Matthes.

Campen an der Rennstrecke Der Ankerberg ist Rennsport-Kult

Der Sachsenring wäre ohne den Zeltplatz am Ankerberg nur die Hälfte wert. Die Mischung aus Ballermann und Biker-Stammtisch ist legendär.

Eine Gruppe von Männern mit Hüten und Bierflasche in der Hand steht hinter einem Motorrad.
Auf dem Ankerberg trifft sich die Welt: Thüringer, Erzgebirger, Vogtländer und ein Mann aus Neuseeland. Sie alle vereint die Leidenschaft für den Motorsport. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Eine Gruppe von Männern mit Hüten und Bierflasche in der Hand steht hinter einem Motorrad.
Auf dem Ankerberg trifft sich die Welt: Thüringer, Erzgebirger, Vogtländer und ein Mann aus Neuseeland. Sie alle vereint die Leidenschaft für den Motorsport. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Ein lachender Mann mit einer Flasche Bier steht im Bus neben dem Fahrer.
Letzte Absprachen, dann geht sie los: Die Busrunde am Ankerberg. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Zwei Männer im Rückspiegel eines Busses.
Eigentlich sind Gespräche mit dem Fahrer nicht erlaubt, auch wenn er so aussieht wie ÜB. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Drei Menschen singen mit selbstgebauten Instrumenten in einem Bus.
Halb-Playback im Reisebus. Die Stimmung ist am Kochen. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Ein selbstgebasteltes Fahrzeug mit Bierfässern und einer Seemannspuppe fährt auf dem Ankerberg seine Runden.
Achtung Gegenverkehr. Ein Fall für den/die Gleichstellungsbeauftragte*n? Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Ein Mann mit einer selbstgebastelten Holzgitarre steht im Bus nben dem Fahrer.
Das Schild sagte es. Auf dem Ankerberg gilt die StVO. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Ein Mann mit blonder Perücke und Sonnenbrille hält ein Glas Cola Wodka.
Einige haben sich für das Rennwochenende besonders fein rausgeputzt. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Blick vom Ankerberg zum Sachsenring.
Vom Ankerberg hat man einen guten Blick auf die Rennstrecke. Hören kann man sie auch. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Ein Zelt auf dem Ankerberg. Davor sitzt ein Päärchen in Liegestühlen.
Ruhephase für die Jungs und Mädels aus der Nähe von Oldenburg. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Zwei Männer liegen in einem Berg von Seifenschaum.
Klare Ansage der Norddeutschen: "Solche Sachen wie die Schaumkanone sind nur hier erlaubt. Deswegen wollen wir, dass der MotoGP bleibt." Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Zwei Männer sitzen in Liegestühlen auf dem Dach eines Transporters.
Chillen mit Deutschlandfahne. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Ein Zelt mit Gummistiefeln davor.
DDR-Zelt und Gummistiefel: Dieser Fan ist nicht zum ersten Mal am Ankerberg. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Männer stehen an einem Motorrad.
Tony Rodick und seine Sachsenring-Kumpels. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Ein Mann dreht sich weg von seinem Schreibtisch und schaut aus dem Fenster.
Hofft, dass es weitergeht. Ankerberg-Chef Enrico Matthes. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
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Quelle: MDR/mwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 13.07.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2018, 15:04 Uhr

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