Umweltfreundliches Wohnen Chemnitzer Plattenbau verbindet Öko-Wohnen mit Elektromobilität

Photovoltaikanlagen auf Hausdächern sind in Sachsen seit Jahren gewohnter Anblick. Eigenheimbesitzer setzen aus ökologischen Gründen auf Selbstversorgung oder wollen sich unabhängig von Stromriesen machen. Auch Bürgerkraftwerke als umweltfreundliche Kapitalanlage sind im Trend. Nun entdecken zunehmend Großvermieter die erneuerbaren Energien für sich.

Blick auf einen sanierten Plattenwohnblock in Chemnitz-Altendorf mit Photovoltaik-Modulen auf dem Dach.
Dieser Wohnblock in Chemnitz-Altendorf versorgt sich selbst mit Sonnenstrom. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

In Chemnitz ist am Mittwoch der Startschuss für ein neues Öko-Wohnprojekt zur Eigenstromversorgung und Elektromobilität gefallen. Das Modell soll deutschlandweit Schule machen.

Solaranlage schafft Synergien

Für das Projekt hat die Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft CSg einen ihrer Plattenbaublöcke im Stadtteil Altendorf umgerüstet. Auf dem Dach wurden Photovoltaikmodule verlegt und die Hauselektrik umgerüstet. Laut CSg-Vorstand Denis Keil können die Mieter der 32 Wohnungen frei entscheiden, ob sie den hauseigenen Sonnenstrom nutzen wollen oder Energie von einem externen Versorger beziehen wollen. "Unser sogenannter Mieterstrom ist allerdings günstiger."

Der Vorstand der Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft Denis Keil steht vor einem Schaltschrank.
Der Vorstand der Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft Denis Keil: "Wir staffeln sogar die Preise für unseren hauseigenen Sonnenstrom – um die Mittagszeit ist er am billigsten." Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Das Besondere laut CSg-Vorstand Keil ist jedoch, dass mit dem eigenproduzierten Solarstrom auch zwei Ladestationen für Elektroautos vor dem Haus betrieben werden können. Dort werden Fahrzeuge eines in das Pilotprojekt eingebundenen Carsharing-Unternehmens "betankt". Die Ladestationen stehen jedoch prinzipiell allen Anwohnern des Wohngebiets zur Verfügung. "Wir stellen uns vor, dass die Carsharing-Wagen von Privatleuten und Gewerbetreibenden genutzt werden." Ziel ist, dass mit dem E-Mobil-Carsharing Lärm und Abgase verringert und die Parksituation entlastet werden.

Interesse über Wohngebiet hinaus geweckt

Während einige Hausbewohner noch zögern, hat sich der neu zugezogene Mieter Frank Gerlach als erster an die Solaranlage anschließen lassen. Im Vergleich zu seiner alten Wohnung könne er damit 200 Euro jährlich an Stromkosten sparen. "Ich denk aber auch an meine beiden Kinder. Strom aus Kohle oder Öl oder aus einem Atomkraftwerk ist mit Umweltbelastung verbunden. Solarstrom vom eigenen Dach ist Ökostrom und da weiß ich, wo er herkommt."

Ein Mann steht an einer Elektro-Ladesäule und steckt ein Ladekabel an ein E-Mobil.
Martin Schmidt kommt extra vom Kaßberg nach Altendorf, um Elektroauto zu fahren. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Auch das Carsharing hat sich bereits herumgesprochen. Laut Siedlungsgemeinschaft interessiert sich ein Pflegedienst für das Angebot. Ebenso hat sich Hobby-Handballer Martin Schmidt vom Nachbarstadtteil Kaßberg bereits die Autos angeschaut: "Ich nutze Carsharing seit sechs Jahren, fahre so beispielsweise zu meinen Spielen. Und Elektroautos wollte ich schon immer mal ausprobieren. Bisher gab’s in Chemnitz noch kein E-Mobil im Carsharing."

Vorausdenken für die Zukunft  

Das Öko-Wohnhaus soll kein Mieterköder für die Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft sein. Bei 4.800 Wohnungen in der Genossenschaft liege der Leerstand bei drei Prozent, erklärt Vorstand Denis Keil: "Uns treibt also nicht die bittere Not. Wir wollen einfach auf der Höhe der Zeit bleiben und an die Zukunft denken. Der Hauptzweck ist, für unsere Mieter eine günstige Stromversorgung zu erreichen. Und wenn sich das mit einem ökologischen Gedanken paaren lässt, haben wir eigentlich schon gewonnen."

Es kann nur funktionieren und gut werden!

Denis Keil, Vorstand

Bis Ende des kommenden Jahres will die Wohnungsgenossenschaft CSg Erfahrungen sammeln – ist die Solaranlage ausreichend groß dimensioniert, wie nehmen die Mieter die Eigenstromversorgung und das Carsharing an? Das 3,8 Millionen Euro teure Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie großzügig gefördert. Wenn es sich wirtschaftlich trägt, könnte das Modell deutschlandweit auf andere Regionen übertragen werden. An den Ergebnissen ist daher auch der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften brennend interessiert.

Quelle: MDR/mv

Dieses Thema im Programm von MDR SACHSEN MDR SACHSEN – das Sachsenradio | 21.03.2018 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2018, 06:27 Uhr

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1 Kommentar

22.03.2018 18:36 Eulenspiegel 1

Und es geht doch! Hier ist der Beweis. Umweltfreundliches wohnen und dabei auch noch Geld sparen. Und wer sagt jetzt noch das geht gar nicht. Liebe Leute schaltet mal euren Grips ein.