Stempel mit dem Schriftzug "Geheim" neben einen Stapel Aktenordner.
Ein Bundespolizist hat in Plauen seine Einsatzmappe verloren. Seiten mit sensiblen Daten lagen auf offener Straße. Bildrechte: mago/Bernhard Classen

Datenpanne Plauen: Geheime Polizei-Protokolle landen auf Straße

Stempel mit dem Schriftzug "Geheim" neben einen Stapel Aktenordner.
Ein Bundespolizist hat in Plauen seine Einsatzmappe verloren. Seiten mit sensiblen Daten lagen auf offener Straße. Bildrechte: mago/Bernhard Classen

In Plauen hat ein Rentner einen kuriosen Fund gemacht: Auf einer Kreuzung lagen mehrere Seiten aus Polizeiprotokollen verstreut. Der Rentner sammelte sie ein und brachte sie zur Redaktion der "Freien Presse".

Berichte mit sensiblen Daten

Wie die Tageszeitung am Donnerstag berichtete, handelt es sich um 18 A-4-Seiten, auf denen diverse Einsätze dokumentiert sind. Darunter die Beschattung eines Pkw am Grenzübergang Johanngeorgenstadt, in deren Folge polizeibekannte Drogendealer mit 5.000 Euro Bargeld im Auto gestoppt wurden – angeblich, um im Bordell Geburtstag zu feiern. In einem anderen Fall war eine junge Frau über ihr Handy geortet worden, die nach einem Streit mit ihrem Freund als selbstmordgefährdet eingestuft wurde. Des Weiteren finden sich in den Protokollen Datensätze von Personen, gegen die wegen Drogendelikten ermittelt wird.

Brisant daran ist, dass die Akten laut "Freier Presse" vertrauliche Informationen wie Namen, Adressen, Geburtsdaten, Ausweisnummern und Autokennzeichen enthalten. Angaben also, die schon vor Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung Ende Mai einen sensiblen Umgang verlangten.

Schuldiger Beamter ermittelt

Wie seit Donnerstag feststeht, ist ein Beamter der Bundespolizei für die Panne verantwortlich. Er gehört zu einer gemeinsamen Fahndungsgruppe von Bundes- und Landespolizei, die im Grenzgebiet agiert. Eckhard Fiedler von der Bundespolizei in Klingenthal: "Nachdem uns die Unterlagen am Morgen zugegangen waren, konnten wir den Kollegen ermitteln. Er hatte zugegeben, seine Einsatzmappe verloren zu haben." Wie genau die Unterlagen abhanden kamen, werde nun intern geprüft, hieß es. Gegen den Beamten werde es mit Sicherheit disziplinarische Ermittlungen geben. Der Vorfall soll auch als Exempel genommen werden, um die Polizisten zu sensibilisieren.

Das hätte nicht passieren dürfen!

Eckhard Fiedler Polizeisprecher

Laut Fiedler hat es bei der Klingenthaler Bundespolizeiinspektion einen solchen Fall noch nie gegeben. "Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Aber das hätte nicht passieren dürfen!"

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Ein Rentner hat Seiten aus der verloren gegangenen Einsatzmappe gefunden. Er brachte sie aber nicht zur Polizei, sondern gab sie erst Monate später bei Journalisten ab. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Offen bleibt die Frage, warum die Sache erst jetzt bekannt wurde. Der Polizist hatte eigenen Angaben zufolge die Einsatzmappe bereits im Januar verloren. Dem Bericht der "Freien Presse" zufolge hat auch damals bereits der Rentner die Protokollseiten gefunden. Abgegeben wurden sie aber erst im Mai. Und dann auch nicht bei der Polizei, sondern bei Journalisten. Wie Polizeisprecher Eckhard Fiedler sagt, will die Bundespolizei nicht gegen den Rentner vorgehen. "Mir fällt kein Tatbestand ein, den man da zugrunde legen kann. Fakt ist aber, hätte der Finder die Mappe gleich zur Polizei gebracht, hätte sich die Sache schneller aufgeklärt."

Panne in Sachsen kein Einzelfall  

Es ist nicht das erste Mal, dass in Sachsen der Polizei Einsatzutensilien abhanden kommen. Im August 2016 hatte die Leipziger Polizei bei einem Einsatz eine Maschinenpistole verloren. Die Waffe hatte ein Beamter auf einem Autodach liegenlassen – danach war sie nicht mehr auffindbar.

Quelle: MDR/mv

Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2018, 14:14 Uhr

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7 Kommentare

01.06.2018 18:11 HERBERT WALLASCH, Pirna 7

Hätte man die Akten gleich zur Polizei gebracht, so wäre der Vorfall vertuscht worden, wie so viele bundesweit.

01.06.2018 07:59 der ehrliche Eddie 6

Ich denke, dass die Polizei die eine oder andere interne Liste führt, die sie nicht führen dürfte. Das wäre mal zu hintefragen.

31.05.2018 17:12 nordthüringer 5

'SCHÖN' wenn der besagte rentner nix besseres weiß statt die papiere zur polizei zu bringen gleich zur 'Presse' zu 'rennen'...
Ich glaube er könnte sich jetzt sogar selbst ne anzeige einhandeln...,recht so!!!

31.05.2018 16:55 Na so was 4

Ganz tolle Erkenntnis von Polizeisprecher Fiedler: " Hätte der Finder die Mappe gleich zur Polizei gebracht, hätte sich die Sache schneller aufgeklärt." An dieser Feststellung gibt es nichts zu rütteln. "Sehr gut" mitgedacht und ermittelt. Aber: "Nachdem uns die Unterlagen zugegangen sind, konnten wir den Beamten ermitteln. Er hatte zugegeben, seine Einsatzmappe verloren zu haben." Im Januar ist die Mappe verloren gegangen, im Mai hat sie der Rentner bei einem Journalisten abgegeben. Gut , dass er die Mappe nicht zur Polizei gebracht hat, denn da hätten wir davon nichts erfahren. "Nachdem die Unterlagen zugegangen waren, konnten wir den Kollegen ermitteln." Wieso ermitteln ? Er hatte wohl von Januar bis Mai keine Zeit, den Verlust der Mappe zu melden ? So eine Sache bei der Fahne und Schwedt (die älteren Herren unter uns wissen Bescheid) hätte ihn Willkommen geheißen, mit den Worten, "wir freuen uns, dass du da bist und feiere mit uns"

31.05.2018 16:42 Fragender Rentner 3

Da hätte man bestimmt mal lesen können, was die so über einen verfassen. :-(

31.05.2018 16:36 Lothar 2

Endlich kann wieder über die Polizei, den Prügelknaben der Nation herziehen. Wo gearbeitet wird fallen bekanntlich Späne.

31.05.2018 14:56 Wolfis 1

Es ist eigentlich egal ob Daten auf der Straße liegen oder mit diesen gehandelt wird bis hin zum Weiterverkauf.

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