Eine Polizistin und zwei Polizisten sitzen an einem Podium.
Polizeipräsident Uwe Reißmann (m.) stellte am Dienstag die neueste Kriminalstatistik vor. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Kriminalität im Raum Chemnitz Einbrecherbanden entdecken den Osten

Polizeipräsident Uwe Reißmann hat heute die Polizeiliche Kriminalstatistik 2016 für Chemnitz, Mittelsachsen und Erzgebirge vorgestellt. Die Statistik umfasst nur Fälle, die im vergangenen Jahr abgeschlossen wurden. Mit der aktuellen Kriminalitätslage habe die Statistik nichts zu tun, so Reißmann. Insgesamt habe es im Jahr 2016 rund 50.000 Straftaten gegeben, etwa drei Prozent weniger als 2015. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger liege nunmehr bei 19,4 Prozent.

Eine Polizistin und zwei Polizisten sitzen an einem Podium.
Polizeipräsident Uwe Reißmann (m.) stellte am Dienstag die neueste Kriminalstatistik vor. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Polizeipräsident Uwe Reißmann könnte sich eigentlich entspannt zurücklehnen: Die Straftaten insgesamt seien leicht rückläufig, die Aufklärungsquote seiner Polizeidirektion liege über dem sächsischen Durchschnitt, und das trotz chronischen Personalmangels, so sein allgemeines Resümee. Doch die Polizei hat ein großes Problem: die Innenstadt von Chemnitz. "Wir haben hier etwa 200 Intensivtäter, die uns jetzt schon im zweiten Jahr ein Stück weit das Treiben verrückt machen", sagt Reißmann. Sie müssten sie ständig wieder laufen lassen, weil die Delikte nicht ausreichen würden für einen Haftbefehl. Das sei für die Kollegen frustrierend. Reißmann nennt ein Beispiel von einem Intensivtäter, der über 100 Mal in Läden geklaut hatte, und nur, weil er einmal ein Taschenmesser dabei hatte, konnten sie seiner habhaft werden.

Haft als Präventionsmaßnahme?

So sei eine nachhaltige Kriminalitätsbekämpfung nicht möglich, sagt Reißmann und fordert für Intensivtäter im Bereich der einfachen und mittleren Kriminalität erweiterte Inhaftierungsmöglichkeiten. "In vielen Fällen wäre Haft die beste Prävention für eine bestimmte Zeit", so die Ansicht des Chemnitzer Polizeipräsidenten.

Im Zentrum von Chemnitz bereiten Reißmann am meisten die ausländischen Tatverdächtigen Sorgen. Bei leichten und schweren Diebstahldelikten mache ihr Anteil fast immer deutlich über 50 Prozent aus.

Ich plädiere für mehr Abschiebung der Straftäter, die sich hier bei uns - ich sag jetzt mal ganz salopp: nicht ums Verrecken integrieren lassen.

Uwe Reißmann Polizeipräsident Polizeidirektion Chemnitz

Es gibt auch gute Nachrichten

Doch es gibt auch gute Nachrichten. Insgesamt habe die Zahl der einfachen und schweren Diebstähle aus Ladengeschäften im Jahr 2016 im Chemnitzer Zentrum um 27 bzw. 30 Prozent abgenommen. Die verstärkten Maßnahmen der Ermittlungsgruppe Innenstadt in Zusammenarbeit mit dem kommunalen Vollzugsdienst zeigten hier Früchte, meint Reißmann. Die Zahl der Autoaufbrüche wiederum hätte sich verdoppelt und damit im Zehnjahresvergleich Höchststand erreicht. "Wir predigen seit Jahren, dass die Fahrzeuge kein sicheres Behältnis sind." Würden die Einkäufe und Wertgegenstände nicht oft genug offen im Fahrzeug herumliegen, hätte die Polizei hier deutlich weniger Arbeit.

Bald Kontrollen ohne Anlass möglich?

Die Polizeidirektion Chemnitz habe für Teile der Innenstadt einen sogenannten Kontrollbereich beantragt. Der ermögliche es, künftig auch ohne konkreten Anlass Kontrollen durchzuführen. Eine Genehmigung durch das sächsische Innenministerium stehe noch aus, so Reißmann.

Immer mehr Wohnungseinbrüche

Einen starken Anstieg gibt es insgesamt bei den Wohnungseinbrüchen. Die Hälfte davon finde übrigens tagsüber statt, erklärt Reißmann. Und bei 30 bis 40 Prozent bleibe es beim Versuch des Einbruchs. Da zeige sich, dass die Anstrengungen der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle und der vielen Beratungen auf Baumessen offenbar Früchte tragen.

Einbrecherbanden entdecken den Osten

Dass die Zahl der Einbrüche trotzdem in den letzten Jahren stark zunimmt, erklärt Reißmann so: Für Wohnungseinbrüche seien oft reisende Einbrecherbanden verantwortlich, beispielsweise aus Georgien oder Rumänien. In den ersten 15 Jahren nach der friedlichen Revolution sei die Gegend hier überwiegend verschont gewesen. Das hätte sich hauptsächlich in den Altbundesländern abgespielt. Aber durch den Wiederaufbau und durch die Entwicklung hier hätten die Banden erkannt, dass es auch in den neuen Bundesländern viel zu holen gebe. Daher der deutliche Anstieg.

Aber in Summe machten Einbrüche immer noch einen sehr kleinen Teil der Straftaten aus. In der Stadt Chemnitz seien es beispielsweise 341 Einbrüche bei insgesamt rund 27.000 Straftaten. Zu den Einbrechern gehörten auch ein Anteil von Ausländern, die hier leben, aber auch ein beträchtlicher Anteil von deutschen Straftätern. Einbrüche in Kellern, auf Böden und in Waschküchen würden übrigens zu 100 Prozent auf das Konto von Deutschen gehen, ergänzt Reißmann. Hier ginge es oft um Beschaffungskriminalität.

Weniger Drogendelikte

Einen Rückgang kann die Polizeidirektion Chemnitz bei Drogendelikten verzeichnen. Das sei kurioserweise kein Anlass zur Freude, so Reißmann. Drogendelikte würden ausschließlich durch Kontrollen bekannt. Da es jedoch deutlich am Personal mangele, würde auch weniger kontrolliert werden. Die Dunkelziffer ist damit vermutlich nicht gesunken.

Chronischer Personalmangel

Der Polizeidirektion Chemnitz fehlten 400 Mitarbeiter, so Reißmann. Deren Stellen seien in den letzten Jahren abgebaut worden. Das derzeitige Durchschnittsalter der Kollegen betrage 48 Jahre. Bis die Neueinstellungen nach Chemnitz kommen, dauere es noch drei bis vier Jahre. Wenn sie kommen. "In der Vergangenheit ist das Personal immer um Chemnitz herum verteilt worden. Ich hoffe und wünsche mir, dass die PD Chemnitz in Zukunft auch von den 1.000 neu geschaffenen Stellen profitieren wird."

Auf die Fragen, was ihm am meisten Sorgen bereitet, sagte Reißmann: "der internationale Terrorismus". Denn das vergangene Jahr hätte gezeigt, dass der auch vor Chemnitz nicht halt mache. Am meisten Arbeit wird ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen auch dieses Jahr wieder die Chemnitzer Innenstadt bereiten. Aber da wollen sie ohne Unterbrechung dran bleiben.

Ausländerrechtliche Verstöße Die hier angegeben Zahlen sind bereinigt, d.h., die ausländerrechtlichen Verstöße sind herausgerechnet.

Das sind Verstöße bzw. Straftaten gegen das Aufenthalts- /Asyl- und Freizügigkeitsgesetz. Im Bereich der PD Chemnitz waren es 2016 4.350 bekannt gewordene Fälle von insgesamt 53.628 Straftaten. Besonders ins Gewicht fallen dabei die beiden Stellen der sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen in Chemnitz und Schneeberg.

Auch bei der Berechnung des Anteils nichtdeutscher Tatverdächtiger fallen ausländerrechtliche Verstöße ins Gewicht - so haben laut Statistik mehr als die Hälfte der nichtdeutschen Tatverdächtigen gegen Aufenthalts-, Asylverfahrens- oder Freizügigkeitsgesetz verstoßen. Ohne diese Verstöße machte der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger im Jahr 2016 19,4 Prozent aus. Im Jahr 2015 waren es 18,1 Prozent.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR 1 RADIO SACHSEN | 11.04.2017 | 17:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Chemnitzer Regionalstudio

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2017, 18:16 Uhr

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7 Kommentare

12.04.2017 18:46 Agnostiker 7

Und alle, die sich gegen die verordnete "Willkommenskultur" aussprechen und wahre Souveraenitaet fordern, werden von den Personengeschuetzten als "unzuverlaessig" entwaffnet.

Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden, als wir es verdienen.
(George Bernard Shaw)

12.04.2017 11:01 D.o.M. 6

... ich sag jetzt mal ganz salopp:...
Eine Schande, dass sich der Polizeipräsident genötigt fühlt, sich mit diesem Nebensatz quasi zu entschuldigen. DAS ist unsere reale , kranke Willkommenskultur.

12.04.2017 10:36 Glaskugel 5

Die Visumpflichtabschaffung hat kurioserweise so gar nichts zu tun mit dem Thema. Die wurde erst vor 2 Wochen abgeschafft und erlaubt, 90 in 180 Tagen unter bestimmten Voraussetzungen für Drittstaatler, sich aufzuhalten. Der Reisende hat nachzuweisen, ob er die Voraussetzungen einhält. Für Kriminelle machts eh keinen Unterschiede und gerade die Georgierbanden werkeln schon seit Jahre. Es ist ein simpler Revierwechsel, sonst nichts. Was fehlt ist die Grundsatzdiskussion über offene oder kontrollierte Grenzen! Wir sind ja ideologischerweise!!! eine weltoffene Gesellschaft, da passen solche Diskussionen nicht ins Bild und der Bürger wird jetzt schon seit Jahrzehnten mit der Kriminalität allein gelassen. Die Milliarden wurden und werden schließlich für Wichtigere Sachen gebraucht, wie Weltbevölkerungsversorgung und Bankenrettungen. Der Bürger darf sich zinsgünstig (schenkelklopf!!!) auf eigene Rechnung ab- und versichern. Der Staat zieht sich zurück. GG?

12.04.2017 09:52 Fragender Rentner 4

Na das wird mal Zeit, dass die Polizei noch weiter reduziert wird, damit sie noch mehr Freiraum in Deutschland bekommen, um ihren wichtigen Geschäften nach zugehen zu können.

Das nennen sie Arbeiten in Deutschland.

12.04.2017 09:38 Bingo 3

Offene Grenzen,offene Gesellschaft,Polizei unterbesetzt,Politiker, die nicht handeln oder Gefahren verdrängen, das angehende Paradies für kriminelle Banden und potenzielle Terroristen.

12.04.2017 08:32 colditzer 2

"Für Wohnungseinbrüche seien oft reisende Einbrecherbanden verantwortlich, beispielsweise aus Georgien oder Rumänien."
Deshalb hat die EU ja auch die Visumpflicht für Georgien abgeschafft.
Ist das etwa überraschend?
Nur für Politiker!

12.04.2017 08:04 Kritiker 1

Wen wundert´s??? Offene Grenzen machen es doch erheblich leichter, nur unsere Politiker zeigen keine Einsicht und predigen weiterhin dummes Zeug!

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