Protestaktion am Heinrich-Braun-Krankenhaus Schwestern und Pfleger in Zwickau senden Hilferuf

von Gert Friedrich

Pflegekräfte in Zwickau protestieren
Bildrechte: MDR/Gert Friedrich

Rund 300 Schwestern und Pfleger des Heinrich-Braun-Krankenhauses Zwickau sind am Mittwoch vor die Kliniktür getreten. Sie wollten damit ein Zeichen für bessere Arbeitsbedingungen setzen. Ganz oben auf der Forderungsliste stand eine angemessene Personalbemessung.

Offizielle Zahlen, wie stark Stationen unterbesetzt sind, liegen nicht vor. Doch die Folgen sind bekannt. Schwestern berichten davon, dass Pausen kurz oder ganz ausfallen, dass sie oder Kolleginnen bei Nachtdiensten allein auf der Station sind, dass Personal hin- und hergeschoben wird und Leihschwestern ins Haus geholt werden. "Viele, viele Überstunden sind angesagt. Das OP-Programm wird einfach verlängert - man muss länger bleiben, ohne es vorher gewusst zu haben. Das ist auf Dauer nicht schön, wenn man Familie hat", meint eine OP-Schwester.

Keine der ausgelernten OP-Schwestern ist gebblieben

Pflegekräfte in Zwickau protestieren
Bildrechte: MDR/Gert Friedrich

Die personellen Engpässe kommen nicht von ungefähr. In den vergangenen zwei Jahren sei von den ausgelernten OP-Schwestern nicht eine geblieben, weil sie woanders besser verdienen, sagt die Schwester weiter. Am HBK werden Schwestern und Pfleger nach verschiedenen Modellen bezahlt. Wer einen alten Vertrag hat, verdient besser. Wer nach 2005 dazugekommen ist, schlechter. Letztere sind im Monat 300 bis 350 Euro von dem Lohn im öffentlichen Dienst entfernt. Eine Kernforderung an die Geschäftsleitung lautet deshalb: Bezahlung nach 100 Prozent des Tarifvertrages Öffentlicher Dienst.

Neue Stellen geschaffen, aber noch nicht besetzt

Die Geschäftsführung ließ sich bei der Kundgebung vor dem Haupteingang nicht sehen. Der Geschäftsführer fuhr mit dem Wagen vorbei und hielt nur kurz wegen der Schranke. Die Unternehmenskommunikation nannte auf Anfrage von MDR SACHSEN neun Bereiche, in denen zusätzliche Stellen geschaffen wurden. Diese wurden oder werden nun zeitnah besetzt, hieß es. Zur Bezahlung der rund 1.000 Mitarbeiter im Pflege- und Funktionsdienst wurde erklärt, diese orientiere sich an Haustarifverträgen mehrerer umliegender Krankenhäuser. Der Gewerkschaft fielen prompt mehrere Häuser in der Umgebung ein, die nach dem Tarif im öffentlichen Dienst zahlen.

Gewerkschaftssekretärin Simone Bovensiepen war mit dem Signal, das an die Geschäftsleitung ging, zufrieden. Es sei immerhin die erste öffentliche Aktion gewesen. Ob sie etwas bewirkt, wird sich zeigen. Natürlich seien noch Reserven da, so Bovensiepen: "Die Beschäftigten sind unsere Kraft. Wenn sie sagen, bis hierher und nicht weiter, wenn sie sich organisieren und handlungsfähig sind, dann sind wir auf Augenhöhe mit dem Geschäftsführer und werden ihn auch zu Tarifverhandlungen auffordern." Derzeit sind von den 2.100 Mitarbeitern des Klinikums 280 Ver.di-Mitglieder.

Unter den Forderungen war auch "Wertschätzung unserer Arbeit" zu lesen. Zuletzt gab es zu Weihnachten einen Adventskalender, sagen Schwestern, und einmal war es eine Karte mit einem Teebeutel.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.02.2018 | ab 12:30 Uhr Nachrichten aus dem Regionalstudio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2018, 18:48 Uhr

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9 Kommentare

09.02.2018 15:23 Gaihadres 9

@Nr.7: Da verstehen Sie mich falsch. Es geht in erster Linie darum, dass ich nicht mehr ausgeben kann, als ich habe. Das ist im privaten wie auch im geschäftlichen Leben so. Andernfalls würde man nicht wirtschaftlich arbeiten und ginge in die Insolvenz. Da werden Sie mir gewiss zustimmen. Es geht mir nicht darum, dass ich Jemanden seinen Verdienst missgönne, sondern einzig darum, dass ein Verhältnis aus vorangegangener Bildung, Zahl der Fachkräfte und gesamtgesellschaftlicher Verantwortung gewahrt bleibt. Denn welche Anreize würde es für das Gro´der Menschen geben, wenn alle den gleichen Verdienst hätten? Das jeder davon menschenwürdig leben soll und kann stelle ich natürlich nicht in abrede. Kernproblem in Deutschland ist aber auch seltener der Verdienst, als vielmehr die Ausgabenseite. Die Zahl derer die zur Miete wohnen ist in Deutschland sagenhaft Hoch und damit auch die Ausgabenseite.

08.02.2018 19:09 Maja_03 8

@ Synapsenkoller
Es würde auch etwas Großes erreicht werden, wenn die Lohnsteuersätze gerechter angesetzt werden.
Bsp. Industrie hat wohl geringere, als kleine Handwerker. Das könnte...müsste man genauso im Sozialbereich ansetzen.
Aber: diese gestrichenen Steuern dann 1:1 an Pfleger.
Doch, wenn man nur wöllte ginge einiges, aber...

08.02.2018 15:38 Synapsenkoller 7

@Gaihadres

Das bzgl des Verdienstes der Ingenieure mag evtl korrekt sein (ich selbst habe jetzt keine verifizierbare Daten zur Hand), aber weil diese nicht mehr verdienen sollte das Pflegepersonal auch nicht mehr bekommen?
Ich denke, das ist die übliche falsche Logik.
Weil ich nicht so viel bekomme,, sollen die anderen auch nicht.
Merkwürdige Welt.
Zumal es ja nicht um den Verdienst allein geht, sondern auch um Personalschlüssel etc.
Bitte etwas weiter denken....

08.02.2018 14:55 Fragender Rentner 6

So wird der Osten immer weiter ausgeblutet !!! :-(((

Die Folgen tragen die, die hier geblieben sind oder mußten? :-(

08.02.2018 13:34 Maja_03 5

Zuerst: Klasse das auch in diesen Bereichen mobilisiert wird.
Schade nur, das sich diese Kräfte nicht ihrer Macht bewusst zu sein scheinen...

Jeder kennt den aktuellen Wirtschaftsmarkt. Fast überall nur noch Monopole, bzw. Oligopole, welche sich den Markt "fair" aufgeteilt haben. Diese diktieren uns munter die teils völlig unrealistischen Preise. Alle akzeptieren und bezahlen brav.

Gestern bei Exakt kamen Zahlen von Verhältnis Arbeitssuchende auf freie Stelle mit 1:4 (S-Anh)...12 (TN).
Bei solch Monopolstellung in der Wirtschaft hätten wir schon längst Preissteigerungen wie in Hamburger...Münchner Wohnungsmarkt.
Aber in Pflege!?
Werden Sie aktiv! Werden Sie Ihrer Stärke bewusst!
...Großteil der Chefs sind nicht mehr so ärmlich, wie anfangs. Hier werden schon stellenweise ordentlich Gewinne eingefahren (klar keine Siemens/ Dt. Bank).

08.02.2018 09:51 Mustermann 4

Es geht halt hier nicht um Autos & Co. Sonst gänge das bestimmt schneller und Hinz und Kunz wären vor Ort. Es sind ja nur Menschen...

Nur 280 Verdi Mitglieder...Darüber sollte sich die Gewerkschaft auch einmal Gedanken machen.

Und zu den Arbeitnehmern kann ich nur sagen: Proletarier aller Länder vereinigt Euch (tretet der Gewerkschaft bei). Denn nur heulen hilft da nicht.

08.02.2018 09:29 Gaihadres 3

Die Kernforderung nach besserer Bezahlung mag ich zwar verstehen, aber der Ruf nach dem TvÖD ist der falsche Weg, denn das eigentliche Problem in Deutschland ist die Finanzierung des Gesundheitswesens. Die Bedingungen der Pflege ist lediglich das Symptom der Unterfinanzierung. Und dank der neuen Entgeltordnung verdient ein/e frisch examinierte/r Krankenpfleger/in mehr als ein Bauingenieur mit mind. 5 bis 6 Jahren Studiendauer als Berufseinsteiger. Ich sehe da ein Ungleichgewicht.

07.02.2018 22:12 OHNEWORTE 2

Vier Wochen Sondierungen , im letzten Jahr schon der Zirkus..... Diese Damen und Herren lassen Papier beschreiben in Berlin .... , das sichert ihren warmen Platz. Die politisieren ueber VW und AUDI am liebsten,da wissen sie,wieweit sie gehen duerfen . Das Thema Altenpflege in Deutschland ist heikel....die schwarze Null muss erhalten bleiben.
Jeder Politiker der selbst in die Predullie kommt mit seiner Gesundheit ist finanziell gut abgesichert und hat seine Kontakte. Die lassen Wahlwerbung direkt vor einem Pflegeheim platzieren, ,mit dem Slogan,
Das Land in dem wir gerne leben .....,und meinen damit ihr persoenliches Ein- und Auskommen.

07.02.2018 20:05 ralf meier 1

Ich mußte es während der Betreuung meiner Eltern bis zu ihrem Tod immer wieder erfahren. Wenn es um Alte und Kranke geht wird hemmungslos 'gespart'. Es scheint so, also ob man sie in den Entscheiderkreisen der Altparteien nicht als Schutzbedürftige ansieht. Für die ist laut Herrn Schäuble von der christlichen Union genug Geld da. Wie sagte er doch im Bundestag: 'Am Geld wird die Integration nicht scheitern.

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