Prozessauftakt um Tod von Daniel H.
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Oberlandesgericht Dresden Prozess um Tod von Daniel H.: Auch zweiter Zeuge kann Angeklagten nicht als Täter belasten

Im Prozess um die tödliche Messerattacke auf dem Chemnitzer Stadtfest hat heute ein Arbeitskollege von Daniel H. als Zeuge ausgesagt. Auch er konnte den Angeklagten nicht als Täter identifizieren.

Prozessauftakt um Tod von Daniel H.
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Im Prozess um den Tod des 35-jährigen Daniel H. aus Chemnitz ist heute ein weiterer Zeuge vernommen worden. Der 33 Jahre alte Arbeitskollege des Opfers und Bruder des in der Tatnacht schwerverletzten Dimitri M., der auch schon als Zeuge ausgesagt hat, war bei der Schlägerei am Tatort am Kopf verletzt worden.

Nach Informationen eines MDR-Reporters konnte der zweite Zeuge nicht sagen, ob der Angeklagte Alaa S. Daniel H. tödlich verletzt hat. Er bestätigte nur, dass S. am Tatort war. "Er war dort", sagte der deutsch-russische Zeuge, was eine Dolmetscherin fürs Gericht übersetzte. Er machte vage Angaben zu den Vorkommnissen, die seiner polizeilichen Vernehmung teilweise widersprachen. So habe er beispielsweise einmal eine und dann wieder zwei Personen gesehen, die in der Tatnacht im August 2018 auf Daniel H. zugekommen seien. Eine Person habe eine Geste gemacht, die wohl bedeutete, er wolle eine "Line ziehen". Daniel H. soll dann mit den beiden Personen etwas besprochen haben, sagte dann dem Zeugen zufolge, "Verpiss, dich!". Danach soll eine Schubserei zwischen Daniel H. und den beiden Männern begonnen haben. Daniel H. habe auch einen Schlag ins Gesicht bekommen, mehrere weitere Leute hätten sich dann geschlagen. Laut Zeuge war darunter auch der angeklagte Syrer Alaa S.. Er wisse aber nicht, ob S. Daniel H. verletzt habe oder eine andere Person.

Verteidiger zweifelten Unabhängigkeit des Gerichts an: Anträge abgelehnt

Das Gericht hat am Dienstag die Anträge der Verteidigung zur Einstellung des Verfahrens und der Prüfung der politischen Einstellung der Richter und Laienrichter abgelehnt. Das Recht des Angeklagten auf ein Verfahren vor einem unabhängigen und überparteilichen Gericht sei gewahrt., erklärte die Vorsitzende Richterin der Schwurgerichtskammer, Simone Herberger. Für eine Prüfung bestehe weder aus rechtlicher noch aus tatsächlicher Sicht Anlass.
Die Verteidigung hatte zum Prozessauftakt am 18. März die Einstellung des Verfahrens und eine Aufhebung des Haftbefehls für den angeklagten Alaa S. beantragt. begründet wurde dies aus Mangel an handfesten Beweisen. Der Angeklagte hat die Tat stets bestritten. Zudem hatte die Verteidigerin Ricarda Lang beantragt, die "ordnungsgemäße Besetzung" des Gerichts überprüfen zu lassen. Dazu hatte sie einen Fragenkatalog verlesen. Darin wollte sie unter anderem wissen, ob die Berufs- und Laienrichter an Kundgebungen der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung teilgenommen haben oder Sympathisanten beziehungsweise Mitglieder der AfD sind. Eine weitere Frage betraf die Einstellung zu Flüchtlingen.

Zweiter Tatverdächtiger auf der Flucht

Der 23 Jahre alte Angeklagte Alaa S. soll laut Anklage gemeinsam mit einem auf der Flucht befindlichen Iraker Ende August 2018 Daniel H. mit mehreren Messerstichen getötet und einen anderen Mann lebensbedrohlich verletzt haben. die Anklage lautet: gemeinschaftlicher Totschlag an Daniel H., versuchter gemeinschaftlicher Totschlag auf Dimitri M. und gefährliche Körperverletzung. Auf Totschlag stehen laut einer Gerichtssprecherin fünf bis zehn Jahre Gefängnis, in besonders schweren Fällen auch lebenslänglich. Der zweite Tatverdächtige, der Iraker Farhad A., ist auf der Flucht. Er soll sich nach Recherchen von NDR, WDR, MDR und Süddeutscher Zeitung mit seinem Bruder in den Irak abgesetzt haben. Nach ihm wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Bislang keine belastenden Aussagen

Zum Prozessauftakt am 18. März hatte der 38 Jahre alte Dimitri M. als erster Zeuge ausgesagt. Er wurde bei der Auseinandersetzung selbst durch Messerstiche in den Rücken verletzt und tritt im Prozess als Nebenkläger auf. Bei der Vorlage mehrerer Fotos erkannte M. den Angeklagten Alaa S. nicht als einen der Täter. Er konnte zwei andere Personen auf den Fotos identifizieren, die an der Tat beteiligt gewesen sein sollen. Ob noch weitere Personen dort waren, daran könne er sich nicht erinnern. Aber Dimitri M. konnte die Tatwaffe beschreiben, obwohl er bei der polizeilichen Vernehmung ausgesagt hatte, dass er kein Messer gesehen habe, sondern nur Stichverletzungen. Laut Verteidigung stand der Zeuge zum Zeitpunkt der Tat unter Drogen- und Alkoholeinfluss.

Bildergalerie Der erste Prozesstag um Tod von Daniel H. am Oberlandesgericht Dresden

Nach der tödlichen Messerattacke beim Stadtfest Chemnitz steht ein erster Tatverdächtiger vor Gericht. Aus Sicherheitsgründen und wegen des hohen öffentlichen Interesses findet der Prozess in Dresden statt.

Prozessbeginn Daniel H. am Oberlandesgericht Dresden
Der Prozess um den Tod von Daniel H. findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Bildrechte: xcitePRESS
Prozessbeginn Daniel H. am Oberlandesgericht Dresden
Der Prozess um den Tod von Daniel H. findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Bildrechte: xcitePRESS
Prozessauftakt um Tod von Daniel H.
Gegen 10 Uhr wird Alaa S. in den Gerichtssaal geführt. Bildrechte: xcitePRESS
Prozessauftakt um Tod von Daniel H.
Der Angeklagte hat zwei Verteidiger - Wahlverteidigerin Ricarda Lang und Pflichtverteidiger Frank Wilhelm Drücke. Bildrechte: xcitePRESS
Prozessauftakt um Tod von Daniel H.
Noch vor Verlesen der Anklageschrift trug Verteidigerin Ricarda Lang einen Fragenkatalog vor. Sie will beispielsweise wissen, ob die Berufs- und Laienrichter Mitglieder oder Unterstützer der AfD oder der Pegida-Bewegung sind. Bildrechte: xcitePRESS
Prozessauftakt um Tod von Daniel H.
Mutter und Schwester von Daniel H. treten als Nebenklägerinnen auf. Bildrechte: xcitePRESS
Prozessbeginn Daniel H. am Oberlandesgericht Dresden
Zahlreiche Medienvertreter sind vor Ort. Bildrechte: xcitePRESS
Prozessbeginn Daniel H. am Oberlandesgericht Dresden
Marika Lang, Pressesprecherin des Landgerichts Chemnitz, steht Medienvertretern Rede und Antwort. Bildrechte: xcitePRESS
Prozessbeginn Daniel H. am Oberlandesgericht Dresden
Klaus Bartl, Anwalt und Linke-Landtagsabgeordneter, ist als Besucher vor Ort. Bildrechte: xcitePRESS
Prozessauftakt um Tod von Daniel H.
Alaa S. muss sich unter anderem wegen gemeinschaftlichen Totschlags verantworten. Bildrechte: xcitePRESS
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Prozess aus Sicherheitsgründen in Dresden

Nach Aussage einer Gerichtssprecherin sind bis Ende Oktober 24 Verhandlungstage geplant. Mehr als 50 Zeugen sind geladen, außerdem Sachverständige und Rechtsmediziner. Mutter und Schwester von Daniel H. treten im Prozess als Nebenkläger auf. Aus Gründen der Sicherheit und wegen des großen öffentlichen Interesses findet das Verfahren des Landgerichtes Chemnitz in einem vom Oberlandesgericht Dresden genutzten Gebäude statt.

Demonstrationen und ausländerfeindliche Übergriffe

Die tödliche Messerattacke auf Daniel H. hatte im vergangenen August in Chemnitz Demonstrationen und ausländerfeindliche Übergriffe ausgelöst. In zahlreichen sogenannten beschleunigten Verfahren wurden Teilnehmer der Demos verurteilt - unter anderem, weil sie den Hitlergruß zeigten oder Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen trugen. Insgesamt registrierte das Landeskriminalamt 108 Straftaten rund um die Ereignisse in Chemnitz, darunter auch Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung und Nötigung.

Quelle: MDR/dpa/epd/cnj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.03.2019 | ab 09:00 in den Nachrichten sowie im Tagesprogramm
MDR SACHSENSPIEGEL | 18.03.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 26. März 2019, 15:41 Uhr

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