Prozessauftakt am Landgericht Planenschlitzer in Chemnitz vor Gericht

Vor dem Landgericht Chemnitz müssen sich seit Dienstag eine Polin und vier Landsmänner wegen Bandendiebstahls verantworten. Sie sollen zwischen Februar 2016 und Mai 2017 deutschlandweit auf Rastplätzen bei Lastern die Planen aufgeschlitzt und gezielt Ladung gestohlen haben. Mehr als 30 Fälle werden den Angeklagten zur Last gelegt.

Selbst die Anklagebank im größten Sitzungssaal des Landgerichts Chemnitz reicht nicht aus. Extra für diesen Prozess musste sie erweitert werden. Fünf mutmaßliche Bandenmitglieder aus Polen sitzen hier, jeder durch zwei Anwälte vertreten. Dazu kommen noch drei Dolmetscher und die Justizvollzugsbeamten.

Bandendiebstahl im großen Stil

Mehr als eine Stunde dauert die Anklageverlesung der Staatsanwältin. Die Liste der Fälle nimmt gefühlt kein Ende. Die mutmaßlichen Diebe sollen immer im Schutze der Dunkelheit auf Autobahnraststätten in Sachsen, Brandenburg und im Norden Deutschlands ihr Unwesen getrieben haben. Laut Anklage haben sie zunächst die Lkw-Planen aufgeschlitzt. Wenn sie unsicher waren, ob der Inhalt sich zu stehlen lohnt, haben sie die Fünfte im Bunde in Polen angerufen. Die 22-jährige Agate Z. soll im Internet schnell herausgefunden haben, ob sie zuschlagen sollten oder nicht. Oft ging es um Fernseher, Bekleidung oder auch Kaffee. Mit einem Transporter soll das Diebesgut abtransportiert worden sein. Der Stehlschaden beläuft sich laut Anklage auf insgesamt eine viertel Million Euro. Dazu kommt der immense Sachschaden, der an den Lastern angerichtet wurde.

"Mafiöse Strukturen"

Für Sven Fritzsche vom Kraftfahrerkreis Chemnitz-Zwickau sind das Mafiamethoden. Seit 23 Jahren ist der Brummifahrer auf Tour und wurde selbst schon Opfer von Planenschlitzern. Bei ihm sei es beim Aufschlitzen der Plane geblieben. Trotzdem ärgerlich, denn das Reparieren kostet Geld und ihm fehlt dann diese Zeit. "An sich wissen die genau, wo sie was finden können", so Fritzsche. Den Kollegen, die nachts im Fahrerhaus den Überfall mitbekommen, rät er: "Nicht aussteigen! Im Auto sitzen bleiben, Polizei anrufen. Alles andere ist für die Gesundheit des Fahrers schlecht. Keine Ware ist so wichtig, dass ich meine Gesundheit opfern muss."

Digitale Spur hinterlassen

Bereits drei Monate vor ihrer Festnahme waren die Angeklagten im Visier der Ermittler. Gerichtssprecherin Petra Kürschner sagte, durch Funkzellenabfragen sei der regelmäßige Funkverkehr nach Polen entdeckt worden. Durch die anschließende Rufnummernüberwachung konnten die mutmaßlichen Diebe im Mai vergangenen Jahres auf frischer Tat ertappt werden. Sie hätten einen Transporter bei sich gehabt, den sie bereits drei Monate ausgeliehen hatten, so Kürschner. Dessen GPS-Tracker habe ihr Bewegungsprofil komplett gespeichert.

Für den Prozess sind noch weitere 14 Verhandlungstage vorgesehen. Bei Verurteilung drohen den fünf Angeklagten mehrjährige Haftstrafen.

Quelle: MDR/nk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN – Das Sachsenradio | 27.02.2018 | 06:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz
MDR SACHSEN – Das Sachsenradio | 27.02.2018 | 16:10 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 27.02.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2018, 20:16 Uhr

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