ICE Schnellzug der Deutschen Bahn am Badischen Bahnhof Basel (Schweiz)
Bildrechte: IMAGO

ICE in Sicht? Ausbau der Bahnstrecke Chemnitz-Leipzig einen Schritt weiter

Seit Jahren kämpft Chemnitz für eine Fernbahnanbindung nach Leipzig. Zuletzt lag das Vorhaben zur Bewertung im Bundesverkehrsministerium auf dem Tisch. Jetzt kommt die Sache offenbar ins Rollen.

ICE Schnellzug der Deutschen Bahn am Badischen Bahnhof Basel (Schweiz)
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Für die Planungen zum Ausbau der Strecke Chemnitz - Leipzig gibt es grünes Licht. Das hat das Sächsische Verkehrsministerium mitgeteilt und beruft sich dabei auf die Deutsche Bahn AG. Demnach wird der Bund den Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke im Bundesverkehrswegeplan hochstufen. Bisher wurde die Maßnahme mit dem Vermerk "Potenzieller Bedarf" geführt, nun soll sie auf "Vordringlicher Bedarf" eingestuft werden.

"Das ist eine richtig tolle Nachricht für Chemnitz und die gesamte Region Südwestsachsen", sagte Verkehrsminister Martin Dulig MDR SACHSEN. "Immerhin wartet man schon seit Jahren darauf, denn es ist nun mal die Grundvoraussetzung für den Fernverkehr, dass die Strecke auch elektrifiziert ist." Als nächstes solle der Vertrag mit der Bahn unterzeichnet werden, so Dulig.

Wir haben keine Zeit mehr. Wir wollen vorangehen und sind auch als Freistaat Sachsen bereit, die Planungskosten zu übernehmen bzw. vorzuschießen. Immerhin haben wir dafür zehn Millionen Euro bereitgestellt.

Martin Dulig (SPD) Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

Strecke wird eine viertel Milliarde Euro kosten

Bereits die Vorplanungen der Strecke wurden vom Freistaat mit 2,4 Millionen Euro vorfinanziert. Als Vorzugsvariante wurde die Streckenführung über Geithain – Bad Lausick ermittelt. Die Kosten für das Gesamtvorhaben belaufen sich gemäß Vorplanungsunterlagen der DB Netz AG auf zirka 250 Millionen Euro. Diese Summe sei bereits hochgerechnet auf den voraussichtlichen Preisstand der Jahre 2023/2025, teilte das sächsische Verkehrsministerium mit. Demnach sind in den Kosten auch die Planungskosten in Höhe von insgesamt etwa 37 Millionen Euro enthalten.

Blick auf den Haupteingang eines Bahnhofsgebäudes
Bisher ist Chemnitz vom Fernbahnverkehr abgekoppelt Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Detlef Müller begrüßte die Nachricht. "Das ist ein ganz besonderer Tag für Chemnitz", teilte er mit. "Politik und Bürgerschaft haben erfolgreich an einem Strang gezogen, für ein gemeinsames Ziel zu kämpfen, lohnt sich eben!" Müller verweist auf ein Treffen zwischen dem damaligen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, Chemnitz Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und ihm. Danach sei das Vorhaben überhaupt erst in den Bundesverkehrswegeplan als "Potenziellen Bedarf" aufgenommen worden.

Endlich ist aus dem 'Ja, aber' ein 'Wir legen los' geworden! (...) Von der Notwendigkeit müssen wir keinen mehr überzeugen! Ich gehe davon aus, dass diesen Worten nun Taten folgen.

Barbara Ludwig Oberbürgermeisterin von Chemnitz

Wie geht es weiter?

Mit dem jetzt gegebenen Signal können laut sächsischem Verkehrsministerium die Planungen für den Ausbau der Strecke fortgesetzt werden. "Wir gehen davon aus, dass der Bund die Maßnahme Ende dieses Jahres damit auch in den "Vordringlichen Bedarf" des Bundesverkehrswegeplans 2030 aufnimmt."

Quelle: MDR/nk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.06.2018 | 11:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2018, 19:34 Uhr

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31 Kommentare

20.06.2018 09:06 GEWY38 31

Ich sehe dieses Theater nur wieder als große Verzögerungstaktik des Landes und der Bahn. Als 2006 die Strecke für 141 Mill. ertüchtigt wurde haben Fachleute sich schon an den Kopf gegriffen wegen der fehlenden Elektrifizierung. Die Herren Tiefensee (damals MdB), Mehdorn, OB Seifert von C und der ICE-Detlef (Müller) von Chemnitz haben sich damals für den Pfusch feiern lassen. Wenn es irgend jemand mit dem Fernverkehr ernst meinen will, der steckt den geplanten IC DD - Rostock ab 2019 bis Hof über Freiberg, Chemnitz, Zwickau, Plauen einfach durch. Und warum ist es nicht möglich die Lücke Gera - Glauchau zu schließen. dann könnte die Mitte Deutschland Linie von Aachen über Erfurt - Gera- -Chemnitz - DD - Görlitz (Breslau) für Personen und Güterverkehr!!! (A4) genutzt werden. Was der Landesregierung Thüringen für Gera in 2 Jahren gelungen ist, dauert in Sachsen für Chemnitz 10 Jahre. Kommt ja nicht mit Ausreden wie Verfahrensfragen usw., die sind alle hausgemacht. Man will einfach nicht.

20.06.2018 08:48 Railfriend 30

@sletrabf, niemand bestreitet hier die Vorteile des el. Bahnbetriebs, aber jede Technologie ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Und dieses Glied sollte keinesfalls die Unfallsicherheit sein. Traurige Realität ist jedoch, dass kein Bahnsystem so viele Unfallopfer mit sich bringt wie das elektrische und diese kommen zu den Unfallzahlen des Bahnbetriebs unabhängig von der Traktionsart hinzu.
Daher lautet eine entscheidende Frage hier, wieviel man in die Unfallsicherheit des el. Bahnbetriebs investieren muss, um die Unfallzahlen bei Mensch und Tier auf das Maß des oberleitungsfreien Bahnbetriebs zu senken. Siehe Beitrag in der Süddeutsche Zeitung. Von diesen Mehrkosten hängt wiederum ab, ob el. Bahnbetrieb wirtschaftlich tragbar ist.

Das Bedürfnis, jemanden auszuspionieren und anzuprangern, der auf Misstände hinweist und bislang fehlende Fragen stellt, erinnert an ungute Vergangenheit in Ost und West.

19.06.2018 21:36 Railfriend 29

@sletrabf, niemand bestreitet hier die Vorteile des el. Bahnbetreibs, aber jede Technologie ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Und dieses Glied sollte keinesfalls die Unfallsicherheit sein. Traurige Realität ist jedoch, dass kein Bahnsystem so viele Unfallopfer mit sich bringt wie das elektrische und diese kommen zu den Unfallzahlen des Bahnbetriebs unabhängig von der Traktionsart hinzu.
Daher lautet die entscheidende Frage hier, wieviel man in die Unfallsicherheit des el. Bahnbetriebs investieren muss, um die Unfallzahlen bei Mensch und Tier auf das Maß des oberleitungsfreien Bahnbetriebs zu senken. Und davon hängt wiederum ab, ob el. Bahnbetrieb wirtschaftlich tragbar ist.

Der Versuch jemanden anzuprangern, der auf Misstände hinweist und bislang fehlende Fragen stellt, erinnert an ungute Vergangenheit in Ost und West.

19.06.2018 18:22 sletrabf 28

@RailFriend: Ihre Hinweise auf die elektrische Sicherheit sind ja völlig richtig. Unabhängig von der Traktionsart gehen aber weitaus größere Gefahren vom Bahnbetrieb selbst aus (von den Gefahren anderer Verkehrsträger rede ich mal nicht). Ich habe im übrigen mit Ihnen diese Diskussionen bereits gehabt und kürze sie wie folgt ab: Beim Für und Wider von Elektrifizierungen konzentrieren Sie sich vorrangig auf die prinzipbedingt vorhandenen Risiken eines Stromschlages. Klar ist auch, dass elektrischer Bahnbetrieb auch aus anderen Gründen Nachteile hat. Bei Ihnen geht es aber so weit, dass Sie de facto keinen einzigen Vorteil für den elektr. Bahnbetrieb gelten lassen - so mein Eindruck nach zwei Diskussionen mit je 100+ Kommentaren. Wie übrigens jeder geneigte Leser nach kurzer Recherche herausfinden kann, schreiben Sie unter demselben Namen auch bei Disqus, BR, TAZ, der Sächsischen Zeitung, ... sehr viel. So viel Transparenz sollte gerade bei den vorgebrachten Anschuldigungen schon sein ;)

19.06.2018 17:21 Klemmi 27

@24: Chemnitz wurde deshalb abgekoppelt, weil der Fahrdraht immer irgendwo endete und ein Verkehr gen Westen, Süden und (Norden) immer mit Lokwechsel verbunden war. Die ICE-Züge wurden im Übrigen sehr gut angenommen, allerdings der Nachfolgeverkehr ließ die Kunden davonrennen. Das damals neue Preissystem ließ den IC mit alten Wagen teurer werden als den bisherigen schnelleren und modernen ICE. Es lag nicht an Chemnitz. Die Frage des Sinns der Elektrifizierung mit möglichen Fernverkehr zu beantworten ist falsch, vielmehr geht es um die Erschließung von Ballungsräumen und da hätte z.B. VDE 8 mit diesem Verlauf nie gebaut werden dürfen.

19.06.2018 15:27 Railfriend 26

@sletrabf
Dual-Lokomotiven fahren wie beschrieben über Systemgrenzen und Insellösungen hinweg.
Was sicherheitstechnisch anerkannt und wirtschaftlich ist entscheidet die Bahnstromlobby, wie im u.g. Beitrag der Süddeutschen SZ zu lesen.
Die Antworten von Sicherheitsbeauftragten der Bahn und beim EBA zu mehr Bahnstromsicherheit kennen Sie aus meinen Kommentaren und links in der Sächsischen Zeitung sz. Hier steht keinerlei Änderung an und auch der Gesetzgeber belässt das "bewährte" Oberleitungssystem so lebensgefährlich wie es ist. Seit einem Gerichtsurteil vor Jahrzehnten tauschte die Bahn lediglich auf Kesselwagen kostengünstig das Blitzpfeilsymbol durch das Stromschlagsymbol aus.
Darüber lacht der Stromtod nur und macht unverändert weiter.

19.06.2018 13:29 sletrabf 25

@RailFriend: Man kann vieles. Aber es ist stand heute genauso sicherheits- und betriebstechnisch anerkannt bzw. sinnvoll, die Strecke so wie beabsichtigt in das bewährte elektrifizierte Netz aufzunehmen, denn die Bahn funktioniert nur als System so richtig gut und nicht mit Insellösungen. Darüberhinaus sind die geschilderten Sicherheitsbedenken/Gefahren des elektrischen Stroms nicht von der Hand zu weisen, aber offensichtlich lösbar, erst recht wenn der Eigentümer (Bund) auch dafür etwas mehr Geld in die Hand nimmt; die diesbezügliche Großwetterlage ändert sich ja offenbar derzeit.

19.06.2018 12:53 tutnichtszursache 24

Bevor man etliche Millionen in die Elektrifizierung steckt sollte man diejenigen, die Fernverkehr betreiben und bezahlen, vielleicht erstmal fragen ob er denn dort überhaupt Fernverkehr anbieten möchte. Es hat wohl schon seinen Grund warum Chemnitz davon abgekoppelt ist. Für Herrn Dulig ist es doch eine wunderbare Situation: Jetzt schön Druck machen das der Bund den Ausbau finanziert, dann den Regionalverkehr auf der Strecke einstellen (wurde ja für Fernverkehr ertüchtigt) und dann auf die DB meckern das kein ICE nach Chemnitz fährt...

19.06.2018 09:14 Chemnitzer Bub 23

@Spottdrossel: um es milde auszudrücken: Ihr "Kommentar" ist bestimmt das Ergebnis dieser sommerlichen Hitze, die Bürger der Region Südwestsachsen werden es Ihnen daher bestimmt nicht übel nehmen. Daher "Ein Vogel wollte Hochzeit machen...Fiderallala, Fiderallala, Fiderallalalala"

19.06.2018 08:54 Railfriend 22

@18, ja, IC geht umsteigefrei und ohne Lokwechsel mit Hybridloks, die auf oberleitungsfreien Strecken im Dieselmodus weiterfahren. Stadler liefert solche Dual-Mode-Loks bereits für den grenzüberschreitenden Güterverkehr.
@15, ja, zeitgemäßer Unfall- und Stromschlagschutz sollte eingeplant werden. Ob Elektrifizierung dann noch wirtschaftlich ist müsste untersucht werden. Immerhin sind hier 2 bis 50 Mio Euro je statistisch vermiedenem Unfalltoten in Sicherheitsmaßnahmen zu investieren wie in der Süddeutschen Zeitung in @12 zu lesen.

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