Glauchau/Dresden Streik beim DRK Glauchau geht weiter

Rund ein Dutzend Streikende stehen mit Transparenten vor einem Zaun.
Die Streikenden versammelten sich am Morgen in Glauchau und fuhren anschließend nach Dresden. Bildrechte: MDR/Mario Unger

Rettungsdienst-Mitarbeiter des DRK-Kreisverbandes Glauchau haben ihren seit Montag andauernden Streik fortgesetzt. Rund ein Dutzend Streikende sind am Dienstag zum DRK-Landesverband nach Dresden gefahren, um ihren Forderungen nach einem Tarifvertrag zwischen ihrem Arbeitgeber und der Gewerkschaft Verdi Ausdruck zu verleihen.

Landesvorstand nicht erreichbar

Die Verdi-Mitglieder hatten dabei auf Unterstützung durch den DRK-Landesvorstand gehofft. Der befindet sich zur Zeit aber auf einer Klausurtagung. Auf Nachfrage von MDR SACHSEN erklärte DRK-Sprecher Kai Kranich, man habe erst durch die MDR-Berichterstattungen von der Protestaktion erfahren. Demzufolge war kurzfristig niemand aus dem Präsidium erreichbar.

Die Verdi-Mitglieder erhoffen sich durch einen eigenständigen Tarifvertrag bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn.

Kreisverband weist Vorwürfe zurück

Der DRK-Kreisverband Glauchau lehnt die Forderungen der Gewerkschaftsmitglieder weiter ab und verweist auf den bestehenden Tarifvertrag mit der christlichen Gewerkschaft DHV. Verdi bezweifelt, dass die DHV überhaupt berechtigt ist, Tarifverträge auszuhandeln. In einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung spricht der Kreisverband von einem "gewerkschaftlichen Verdrängungswettbewerb" zwischen Verdi und der DHV, der "auf dem Rücken der Notfallrettung" ausgetragen werde.

Die Vorwürfe, viele Mitarbeiter hätten wegen schlechter Arbeitsbedingungen gekündigt, wollte der Kreisverband außerdem richtig eingeordnet wissen. Es habe seit 2015 "tatsächlich Personalengpässe in Glauchau gegeben", heißt es in der Mitteilung. "Von 13 Mitarbeitern haben nach unserem Kenntnisstand fünf wegen der Arbeitsbedingungen gekündigt", so der Kreisverband. Im gleichen Zeitraum seien aber 23 neue Mitarbeiter eingestellt worden.

Streik soll bis Freitag dauern

Das DRK sieht vor allem die Politik in der Bringschuld. Durch die Einführung des neuen Berufsbildes "Notfallsanitäter" sei sachsenweit ein Fachkräftemangel im Rettungsdienst entstanden, hieß es in der Mitteilung. Es müssten mehr Plätze für die Ausbildung und die Weiterqualifizierung von Rettungskräften zum Notfallsanitäter geschaffen werden, so der Kreisverband.

Der derzeitige Ausstand soll bis zum Freitag andauern. Bis dahin sollen durch den Kreisverband Glauchau keine Krankentransporte durchgeführt werden. Diese werden vom Rettungszweckverband Südwestsachsen übernommen.

Gelände des DRK-Kreisverbands Glauchau.
Die Notfallsanitäter des DRK Glauchau streiken seit Montag. Andere Bereiche sind nicht von dem Streik betroffen. Bildrechte: MDR/Mario Unger

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen MDR 1 RADIO SACHSEN | 21.03.2017 | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 08:30 Uhr

MDR SACHSENSPIEGEL | 21.03.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2017, 18:01 Uhr

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8 Kommentare

23.03.2017 12:51 Fakt 8

40 Stunden laut Arbeitsvertrag, 48 Stunden Realität pro Woche, wer rechnen kann weiß wieviel ich meinen Arbeitgeber die letzten 14 Jahre geschenkt habe, denn die 8 Stunden bekommen wir nicht bezahlt,da wir ein Gehalt bekommen. In erster Linie geht es um weniger Wochenarbeitszeit und in zweiter Linie um höhere Einstiegsgehälter für die jungen Kollegen!

22.03.2017 15:44 Janes 7

@ 5: Ja? Welcher Politiker aus dem Bundestag hat keine Ausbildung? Außerdem war die Frage, wie hoch eine angemessene Bezahlung ist. Deine Aussage: "nicht hoch genug". Sinnvoll?? Eher nein!

22.03.2017 11:42 Realismus 6

@3: Das DRK "verdient" genug mit dem Rettungsdienst. Man will es nur nicht an die weitergeben die es erwirtschaften! Im übrigen sollten Sie nicht auf Ausbildungsdauer ect. rumreiten. Ein Fließbandmitarbeiter bei VW oder aktuell Porsche hat oftmals keine Ausbildung für das was er macht und bekommt einen ordentlichen, vielleicht sogar übertriebenen Lohn. Prinzipiell ist das Sozial / Gesundheitswesen sehr schlecht gestellt und bezahlt.

22.03.2017 10:26 @ Janes 3 5

Wenn Ihnen die Dauer der Ausbildung für die Entlohnung so wichtig erscheint, dann sei die Frage erlaubt, wie die "Vergütung" der Politiker errechnet werden soll.
Im Bundestag sitzen so einige, die keine abgeschlossene Berufsausbildung besitzen, aber tausende Euro im Monat erhalten.
Meiner Meinung nach kann die Leistung aller im Rettungswesen Beschäftigten gar nicht hoch genug bezahlt werden, so wichtig sind sie für jeden Bürger!

22.03.2017 06:51 bippus 4

Geht`s noch!Wie kann man bei solchen Leuten so rumzicken.Das Rettungswesen und auch die Feuerwehr arbeiten Tag für Tag und auch am Wochenende.Die Leute kratzen uns von der Strasse bei Unfällen und sind meisst die Ersten die helfen ,wenn man akute Beschwerden hat!
Für jeden Sch... ist Geld da nur für die .die es wirklich verdient haben nicht!

22.03.2017 00:36 Janes 3

@real_silver 2: Super fundierte Meinung.....Wie viel sollte den jemand im Rettungsdienst bekommen, dass es dir wohl gefällt???????? (Vlt hilft dir die Ausbildungsdauer, um das einzuschätzen zu können: Rettungssanitäter 3-6 Monate, Rettungsassistent 2 Jahre, Notfallsanitäter 3 Jahre) Ganz nebenbei wird der Rettungsdienst fast ausschließlich von der Krankenkasse "bezahlt".

21.03.2017 21:23 real_silver 2

Vor wenigen Wochen habe ich das von einem Kabarettisten gehört...weiss jetzt nicht mehr wer's war. Der sagte "In Deutschland erkennt man die Berufe, die wirklich wichtig für die Menschen sind daran, dass sie sch***** bezahlt werden.". Und so schaut's aus.

21.03.2017 21:03 A. Urmann 1

Mit dem gegenüber ver.di gemachten Vorwurf der gewerkschaftlichen Einflussnahme offenbart das DRK Glauchau seine eigene Unfähigkeit. Der bisher einzige Grund des DRK Glauchau, nicht mit ver.di zu verhandeln, besteht doch darin, jeden echten gewerkschaftlichen Einfluss zu verhindern. Gewerkschaftliche Einflussnahme ist doch aber Bestandteil der Tarifautonomie, die verfassungsmäßig gesichert ist. Eine Gewerkschaft, die nicht Einfluss nimmt, ist keine Gewerkschaft. Man verkennt nach wie vor, dass Tarifautonomie nicht bedeutet, sich den Tarifpartner auszusuchen, sondern mit den Beschäftigten und deren Gewerkschaft Einkommens- und Arbeitsbedingungen zu vereinbaren. Ver.di geht es nicht um Einfluss gegen den DHV, den gibt es in Glauchau schlicht nicht, sondern um echte Mitsprache für die Beschäftigten, wenns um deren Arbeitsbedingungen geht. Der Lohnvergleich des DRK ist zudem falsch.

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