Tage der jüdischen Kultur in Chemnitz Zwischen Tradition und Generationswechsel

Am Sonnabend haben in Chemnitz die diesjährigen Tage der jüdischen Kultur begonnen. Das Programm umfasst über 60 Veranstaltungen, unter anderem Ausstellungen, Konzerte, Theater, Filme, Vorträge und Führungen. Die 27. Auflage des Festivals findet vom 24. Februar bis 11. März statt.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Tage der jüdischen Kultur haben die Organisatoren das Jubiläum Israels gestellt. Vor 70 Jahren wurde der Staat gegründet. Kinder aus der israelischen Stadt Kiryat Bialik sind in Chemnitz zu Gast. Sie haben mit Chemnitzer Kindern zur Eröffnungsveranstaltung am Sonnabend gemeinsam musiziert. "Dieses Zusammen, das Friedliche ist unsere Botschaft, das ist das, was wir vermitteln wollen", sagt Organisator Egmont Elschner. Zum Jubiläum "70 Jahre Israel" hat am Eröffnungsabend der Bürgermeister von Kiryat Bialik, Eli Dukorski, gesprochen.

70 Jahre - zu diesem Zeitabschnitt hat Egmont Elschner auch einen persönlichen Bezug. Der 71-Jährige hat sich gefragt, wann es zuletzt in seiner Heimat 70 Jahre lang keinen Krieg mehr gegeben hat. Er schaute nach und hat als ersten Zeitpunkt das Jahr 970 ausmachen können. Und das auch nur, weil damals die Geschichtsschreibung vor 1000 nicht so besonders ausgereift gewesen war, vermutet Elschner. Seitdem habe es erst jetzt wieder 70 Jahre am Stück Frieden in dieser Region gegeben. "Das ist unglaublich. Wir halten es fast für selbstverständlich, aber es ist das Wunderbare, Außerordentliche. Und das müssen natürlich vor allem auch junge Leute übernehmen."

Generationswechsel steht bevor

Egmont Elschner organisiert die jüdischen Kulturtage in Chemnitz seit vielen Jahren. In letzter Zeit arbeitet er daran, junge Menschen dafür zu begeistern, in seine Fußstapfen zu treten. Auch das Festival selbst verjüngt sich. Inzwischen mischen viel mehr Veranstalter mit, die junges Publikum anziehen, wie zum Beispiel der Musikclub Atomino, das Lesecafé Odradek oder auch der Studentenrat der TU Chemnitz. "Diese junge neue Musik aus Israel, die wir im Weltecho, im smac und im Atomino spielen und die sehr engagierten Vorträge und Workshops zusammen mit dem Odradek und dem Stura - das ist die Zukunft", so Elschner.

Tradition und Klassiker

Portraitfoto eines Mannes mit Bart und Brille
Historiker Jürgen Nitsche Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Aber auch beliebte "Klassiker" des Festivals kommen im Programm nicht zu kurz. Die Einführung in die althebräische Sprache und Führungen über den jüdischen Friedhof und das Kaßbergviertel gehören dazu. Letztere werden seit vielen Jahren von Historiker Jürgen Nitsche durchgeführt, einem anerkannten Fachmann für die Geschichte der Juden in Chemnitz. Sein neuestes Buch behandelt diesmal die Geschichte der Juden in seiner Heimatstadt Mittweida.

Jürgen Nitsche war es auch, der den Kontakt herstellte zwischen der Kunstsammlerfamilie Heumann, die ursprünglich aus Chemnitz stammte und in den USA lebt und den Chemnitzer Kunstsammlungen. Die Nachfahren sind derzeit in Chemnitz zu Gast und haben dem Museum drei Werke aus der Heumann-Sammlung geschenkt. Diese sind ab Sonntag in einer Ausstellung zu sehen, die ebenfalls zum Programm der Tage der jüdischen Kultur zählt.

Wer ein Leben rettet ...

Ein Zeitzeugen-Erinnerungsprojekt befasst sich mit deutschen Frauen, die sich während der NS-Zeit für die Rettung verfolgter jüdischer Mitbürger eingesetzt hatten. Das Bürgerhaus City hat die Ausstellung "Wer ein Leben rettet – rettet die ganze Welt" des Jüdischen Frauenvereins Dresden in seine Räume in den Rosenhof geholt. Mit diesem Beitrag beteiligt sich der Bürgerverein erstmals an den Tagen der jüdischen Kultur in Chemnitz. Gerade das zeichne die Kulturtage aus, meint Elschner: "Über 20 Veranstalter, alle selbstständig, durch die ganze Breite der Gesellschaft." Das schaffe ein gutes Klima in der Gemeinde, für Deutsch-Jüdische Kultur und für das Land Israel. "Vielleicht nicht unbedingt für die derzeitige Regierung dort, aber auf jeden Fall für das Land", fügt er hinzu.

Neues Format

Auch der Handel von jüdischen Produkten gehört zur jüdischen Kultur. Das soll künftig mal als neues Format in den Kulturtagen etabliert werden. Als eine Art Vorläufer wird es am 4. März im smac einen Verkaufsnachmittag geben. Angeboten werden das koschere Bier "Simcha" und Neuerscheinungen des Verlages Hentrich & Hentrich. Dieser Verlag ist auf Bücher über jüdische Kultur und Zeitgeschichte spezialisiert.

Das vollständige Programm der Tage der jüdischen Kultur kann hier abgerufen werden.

Quelle: MDR/nk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.02.2018 | 07:50 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.02.2018 | 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2018, 10:36 Uhr

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