Demonstration in Zwickau 1.500 Metaller läuten Tarifrunde in Sachsen ein

Mehr als 1.500 Gewerkschafter aus den Tarifbezirken Sachsen und Berlin-Brandenburg haben in Zwickau den Startschuss für die neue Tarifrunde der IG Metall gegeben. Mit Trillerpfeifen und Transparenten zogen sie vom Bahnhof durch die City zur Stadthalle. Dort fand die zentrale Auftaktveranstaltung der Metaller statt. Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten in den Tarifbezirken sechs Prozent mehr Geld für zwölf Monate, Wahloptionen für moderne Arbeitszeitmodelle und eine 35-Stundenwoche auch in Ostdeutschland.

Menschen demonstrieren mit Plakaten auf der Straße
Mehr als 1.500 Metaller zogen zum Auftakt der Tarifrunde durch Zwickau. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Siemens-Standorte erhalten

Stefan Kademann, Chef der IG-Metall in Zwickau, begrüßte in seiner Eröffnungsrede besonders herzlich die Siemensbeschäftigten, deren Arbeitsplätze durch die Kürzungspläne des Konzerns gefährdet sind.

Mitarbeiter von Siemens stehen hinter einem Transparent
Auch Mitarbeiter von bedrohten Siemens-Standorten kamen zum Tarifauftakt nach Zwickau. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

In Richtung Siemens-Chef Joe Kaeser rief Kademann: "Sie werfen Leute auf den Müllplatz des Kapitalismus. Ziehen Sie Ihre Pläne zurück!", und erntete tosenden Beifall. Laut dem Gewerkschafter sind die politischen und wirtschaftlichen Eliten Schuld an der derzeitigen Situation im Land. Viele Arbeitnehmer kämen sich mittlerweile wie Sklaven vor. "Wir wollen Forderungen mit Augenmaß. Wir kämpfen für eine Arbeitszeitverkürzung und ein selbstbestimmtes Recht auf die Gestaltung unseres Lebens", so Kademann.

Es gibt keinen ökonomischen Grund, warum wir im Osten einen Monat im Jahr umsonst arbeiten sollen.

Stefan Kademann IG-Metall-Chef Zwickau

Höhere Löhne kurbeln die Wirtschaft an

Auch IG-Metall-Chef Jörg Hofmann appellierte an die Arbeitgeberseite. "Die kommende Tarifrunde hat einen hochpolitischen Aspekt. Denn Eigentum verpflichtet zum Gemeinwohl", redete Hofmann den Arbeitgebern ins Gewissen. Nicht nur die Arbeitnehmer auch die Arbeitgeber hätten ihren Teil beizutragen.

IG-Metallchef Jörg Hofmann hält eine Rede
IG-Metall-Chef Jörg Hofmann will die Forderungen notfalls mit Streik durchsetzen. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Höhere Löhne nützen laut Hofmann der Wirtschaft und schaden ihr nicht. Denn eine stärkere Kaufkraft kurble die Binnennachfrage an. Doch den Beschäftigten gehe es nicht nur um die gerechtere Verteilung von Geld sondern auch von Zeit. "Wir kämpfen für die 35-Stunden-Woche, die wir nach 28 Jahren Einheit im Osten noch immer nicht haben." Das sei das Ziel und dafür sei die IG Metall auch bereit zu streiken. "Wir sind handlungsfähig und durchsetzungsfähig", rief Hofmann in den Beifall der mehr als 1.500 Gewerkschafter in der Zwickauer Stadthalle. Die Arbeitgeber, die ihre Arbeitszeitinstrumente nicht auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter zuschnitten, stünden morgen ohne Fachkräfte da.

Moderate Forderungen bei brummender Wirtschaft

Laut IG Metall sind die Tarifforderungen moderat, denn der Metall- und Elektroindustrie in Deutschland gehe es so gut wie nie.

Papier-Flyer liegen auf der Straße
Mit solchen Riesenkonfetti forderten die Gewerkschafter eine geringere Arbeitszeit. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Die Wirtschaft wachse und die Renditen und Auslastung der Unternehmen seien auf dem höchsten Stand seit 2008. Und nach Ansicht der Gewerkschaft sehen die Zukunftsaussichten für die Branche noch besser aus. In Berlin, Brandenburg und Sachsen arbeiten rund 280.000 Menschen in der Metall- und Elektrobranche. Der für sie geltende Tarifvertrag läuft am 31. Dezember 2017 aus.

Das fordert die IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen in der Tarifrunde 2018 (Auszug)
- 6 Prozent Lohnerhöhung
- Angleichung der Entgelte, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen an Westniveau
- Individuelle Arbeitszeitmodelle (zum Beispiel zeitlich begrenzte 28-Stunden-Woche)
- Zusätzliche Freischichten für Schichtarbeiter
- Zeitkonten mit vollem Zugriff der Beschäftigten (um beispielsweise angesammelte Stunden für längere Freistellungen nutzen zu können)
- Teil-Entgeltausgleich für besonders belastete Arbeitnehmer (z.B. bei Kinderbetreuung und Pflege

Quelle: pm/mdr/stt/mwa

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.11.2017 | Nachrichten | ab 10:00 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 04.11.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. November 2017, 18:57 Uhr

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2 Kommentare

05.11.2017 21:30 Nur so 2

Bestimmt 1450 Leute von VW dabei.
Gerade denen geht es doch am schlechtesten in Deutschland.
Schluchz.
28 Stunden arbeiten.
Das hält doch kein Mensch aus.
Bestimmt ist die IG Metall auch bald für Home-Office für Bandarbeiter.0

04.11.2017 16:26 Bernd 1

Und Abschaffung von der Leiharbeit!!! Mit diesem System wird doch vieles, was die Gewerkschaften fordern, untergraben. Firmen die gute Leistung fordern sollen die Arbeitnehmer direkt anstellen und fair bezahlen. Das ist nach wie vor ein großes Thema.