Im Hintergrund sieht man einen Lokschuppen mit fünf davorstehenden Dieselloks. Rechts im Bild stehen viele Nachrwächter in Kostümen auf der Eisenbahndrehscheibe. Link im Bild stehen viele Besucher im Hablrund versammelt, um die Nachtwächter zu fotografieren.
Am Sonnabend gehörten nicht nur die Lokomotiven zu den begehrten Fotomotiven, auch die über 100 Nachtwächter und Türmer mussten natürlich Modell stehen. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Treffen der Leidenschaften Türmer schauen in Schwarzenberg bei Eisenbahnern vorbei

Zum 33. Mal sind am Wochenende weit über 100 Türmer und Nachtwächter aus zehn europäischen Ländern zu ihrem jährlichen Zunfttreffen zusammengekommen. Diesmal im Erzgebirge. Sie besuchten Kirchen und Gastwirtschaften, fuhren auf den Fichtelberg und schauten bei Hobbyeisenbahnern vorbei.

Im Hintergrund sieht man einen Lokschuppen mit fünf davorstehenden Dieselloks. Rechts im Bild stehen viele Nachrwächter in Kostümen auf der Eisenbahndrehscheibe. Link im Bild stehen viele Besucher im Hablrund versammelt, um die Nachtwächter zu fotografieren.
Am Sonnabend gehörten nicht nur die Lokomotiven zu den begehrten Fotomotiven, auch die über 100 Nachtwächter und Türmer mussten natürlich Modell stehen. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Am Sonnabend ist üblicherweise der Tag mit dem größten Besucheransturm bei den alljährlichen Eisenbahntagen im Eisenbahnmuseum Schwarzenberg. Gleich am Morgen mischt sich unter die enthusiastischen Eisenbahnfreunde ein riesiger Trupp von Männern mit ein paar Frauen im Gefolge. Mit Hüten und langen schwarzen Mänteln bekleidet, in einer Hand souverän eine Hellebarde haltend und in der anderen Hand eine Laterne, stehlen die Nachtwächter und Türmer für einen Moment den historischen bunten Lokomotiven komplett die Show.

Auf einer Eisenbahndrehscheibe stehen viele Nachtwächter und Türmer in überwiegend schwarzen Uniformen, Hüten, mit Hellebarden und Laternen.
105 Nachtwächter und Türmer und 70 Begleitpersonen, so viele haben sich zum 33. Europäischen Nachtwächter- und Türmerzunfttreffen in Schwarzenberg getroffen. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Denn so viele Nachtwächter und Türmer sieht man nicht alle Tage. Sie passen gerade so auf die Drehscheibe vor dem Lokschuppen. Die Fotoapparate der Besucher laufen heiß. Hobbyeisenbahner seien schon ein eigenes Völkchen, bestätigt Museumsvereinschef Thomas Strömsdörfer. Aber Nachtwächter irgendwie auch. Zwei Völkchen, die sich gut verstehen. Denn beide Hobbys funktionieren nur mit viel Leidenschaft, Zeiteinsatz und Engagement.

Herzblut und Leidenschaft

: Im Vordergrund ein älterer Mann mit Brille und grauem Vollbart, bekleidet mit schwarzer Uniform mit zweireihiger Knopfleiste, lächelt in die Kamera.
Nachtwächter Hubert Löbbecke aus Warstein-Belecke im Sauerland. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Und alle zögen mit, sagt Hubert Löbbecke aus dem Sauerland. "Unsere Sachen haben wir uns alle selbst angeschafft, unsere Frauen, Tanten, Mütter haben die Sachen genäht." Die Tradition der Nachtwächter sei in seiner Heimatstadt Warstein-Belecke 1988 wiederbelebt worden. Inzwischen seien sie 14 ihrer Zunft, die Besuchern die Heimatgeschichte nahebringen wollen. "Das machen Hobby-Eisenbahner auch, sie halten Tradition in Erinnerung", sagt der Rentner, der früher ein Altersheim geleitet hatte.

Schüler des früheren Chemnitzer Türmers

Ein Mann mit Brille und Türmerkleidung, also im schwarzen Filzmantel bekleidet, steht vor einem Bierzelt und hält eine Trompete vor sich.
Hatte einen vergleichsweise kurzen Anfahrtsweg: Türmer Matthias Barth aus Thum. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Man sieht ihnen ihre Begeisterung an und wen man auch immer fragt, sie sprechen gern über ihre "Ämter". Wie der vergleichsweise noch relativ junge Türmer aus Thum. "Ursprünglich hatte ich gesagt, staubige Tradition und Geschichte sind nicht meins", sagt der Hobbytrompeter, der in der Kirchgemeinde spielt. Dann habe ihn der frühere Chemnitzer Türmer Stefan Weber diese historische Figur liebgewinnen lassen." Bei ihm habe er das Handwerk gelernt, sei 2001 dann letztendlich in die Zunft aufgenommen worden. Für den Elektrotechniker sei es ein guter Ausgleich: "Ich bin von Herzen gern Türmer."

"Nie im Leben werde ich Nachtwächter"

Ein älterer Mann, bekleidet mit einer Art schwarzen Uniformjacke, Hellebarde und einer Art Amtskette steht vor einer dunkelbraunen Holzwand und lächelt in die Kamera.
Der europäische Zunftmeister Johannes Thier aus Bad Bentheim. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Auch der europäische Zunftmeister ist zu seiner Aufgabe als Nachtwächter von Bad Bentheim eher gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. "Ich konnte mich nicht wehren dagegen", sagt Johannes Thier. Die Tradition schreibe vor, dass die Bürgermeister und Stadträte bestimmen, wer Nachtwächter wird. "Im Leben werde ich das nicht machen", sagt Thier, der im richtigen Leben Bankkaufmann ist. Drei schlaflose Nächte später sei ihm klar geworden: "Wenn wir eine Tradition fortsetzen wollen, die verschwunden ist, dann muss man 'Ja' sagen." Das war 1994. Seit 2004 ist er Zunftmeister aller Nachtwächter aus Schweden, Dänemark, England, den Niederlanden, Frankreich, Schweiz, Osttirol, Tschechien, Polen und natürlich Deutschland.

Treffen der Türmer und Nachtwächter Stippvisite bei Eisenbahntagen in Schwarzenberg

Der Aufenthalt im Eisenbahnmuseum Schwarzenberg hat nur gut eine Stunde gedauert. Dann zog das Gefolge des 33. Nachtwächter- und Türmertreffens weiter zum Fichtelberg. Hier die Eindrücke aus dem Eisenbahnmuseum.

Auf einer Eisenbahndrehscheibe stehen viele Nachtwächter und Türmer in überwiegend schwarzen Uniformen, Hüten, mit Hellebarden und Laternen.
Die über 100 Nachtwächter und Türmer positionieren sich auf der Drehscheibe für die Besucher zu einem einmaligen Fotomotiv. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Auf einer Eisenbahndrehscheibe stehen viele Nachtwächter und Türmer in überwiegend schwarzen Uniformen, Hüten, mit Hellebarden und Laternen.
Die über 100 Nachtwächter und Türmer positionieren sich auf der Drehscheibe für die Besucher zu einem einmaligen Fotomotiv. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Im Hintergrund sieht man einen Lokschuppen mit fünf davorstehenden Dieselloks. Rechts im Bild stehen viele Nachrwächter in Kostümen auf der Eisenbahndrehscheibe. Link im Bild stehen viele Besucher im Hablrund versammelt, um die Nachtwächter zu fotografieren.
Die Fotoapparate laufen heiß. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
: Zwischen einem Lokschuppen aus rotem Ziegelsteinen und einer Eisenbahndrehscheibe stehen sechs Dieselloks im Halbkreis. Sie haben weinrote, rote und grüne Lackierungen.
Die Lokomotiven spielen mal ganz kurz keine Hauptrolle mehr. Die ersten vier links im Bild wurden von teschechischen Eisenbahnfreunden mitgebracht. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Eine Reihe von Hellbarden, die in Stolzständern ähnlich wie in Regenschirmständern stecken. An den Hellebarden sind oben auf der Spitze viele Hüte abgelegt und an den Seiten Uniformmäntel wie in einer Gardarobe aufgehängt.
Kurze Verschnaufpause und raus aus den warmen Kutten. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Ein Mann mit Brille und Türmerkleidung, also im schwarzen Filzmantel bekleidet, steht vor einem Bierzelt und hält eine Trompete vor sich.
Türmer Matthias Barth lässt seine "Pelerine" an. Sie sei wetterbeständig, so Barth. Und was gegen Kälte helfe, das helfe auch gegen Wärme. Schweißperlen hat er jedenfalls keine auf seiner Stirn. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Ein Ehepaar lächelt in die Kamera. Die Frau link hat ein pinkes Oberteil an und ist eher wie eine Touristin gekleidet. Der Mann rechts neben ihr hat ein schwarzes Nachtwächterkostüm an samt Hut, Laterne und Hellebarde.
Bianca und Herbert Grünhage aus Hornburg in Niedersachsen. Ihre kleine mittelalterliche Stadt am Harz ist über 1.000 Jahre alt. Doch hier im Erzgebirge sei es auch sehr schön, sagen die beiden. Sie wollen später noch einmal wiederkommen und hier Urlaub machen. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Ein älterer Mann, bekleidet mit einer Art schwarzen Uniformjacke, Hellebarde und einer Art Amtskette steht vor einer dunkelbraunen Holzwand und lächelt in die Kamera.
Der europäische Zunftmeister Johannes Thier ist im richtigen Leben Bankkaufmann. Sein Amt fordert ihm ungefährt 120 Termine im Jahr ab. Er war schon oft in erzgebirgischen Städten zu Besuch. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Blick durch die Lücke zwischen zwei Dieselloks, die nach vorne immer näher zusammenrücken.
Nach dem Besuch der Türmer und Nachtwächter wird die Drehscheibe wieder von Lokomotiven in Beschlag genommen. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
: In einer Halle strömt Publikum an Verkaufstischen vorbei, auf denen aufgeklappte Koffer mit verpackten Modellbahnlokomotiven stehen.
Im Lokschuppen nehmen Modellbaufans den Tauschmarkt genau unter die Lupe. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Auf einem Verkaufstisch ist eine einfache Modellbahnanlage aufgebaut. Am Ende des Tisches enden zwei Gleise, auf einem der beiden fährt eine Modellbahndampflok.
Da schlagen viele Männerherzen einen Tick schneller. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Ein an sich sehr trister graubraun angestrichender Waggon ist im Eingangbereich mit großen roten Herzen und Blumen dekoriert. An der Glasscheibe der Eingangstür hängt ein weißes Schild mit der Aufschrift "Eheschließungen des Standesamtes der Stadt Schwarzenberg".
Und die sprichwörtliche "Eisenbahnromantik" kommt hier auch nicht zu kurz. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
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Drei Tage vollgepacktes Programm

Einen Tag später am Sonntag schauen die Zunftbrüder nun auf ein ereignisreiches Wochenende zurück. Am Sonnabend waren sie am frühen Nachmittag mal eben schnell noch auf dem Fichtelberg. Abends hatten sie sich in kleinere Grupen aufgeteilt und zogen in der Schwarzenberger Altstadt von Gastwirtschaft zu Gastwirtschaft. Sie trugen dort ihre Rufe und Lieder vor.

Mehrere Nachtwächter in schwarzen Kostümen, mit Instrumenten, Hellebarden und Laternen stehen in einer Gastwirtschaft und spielen den Gästen etwas vor.
Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer

Auch Christian Wußler und Heinrich Müller aus dem Kinzigtal im Schwarzwald freuten sich am frühen Abend auf ihren Auftritt. Ein Nachtwächter singe seinen Stundenruf, sagt Heinrich Müller, damit die Leute wüssten, dass alles in Ordnung ist. dass keine Gefahr im Verzug ist und kein Feuer in der Stadt. Daher verkündet ein Nachtwächter an jeder Station seinen Stundenruf.

: Zwei Nachtwächter stehen auf einer Straße.
Christian Wußler (l.) und Heinrich Müller aus Gengenbach im Schwarzwald. Christian Wußler sagte MDR SACHSEN: "Ich mache es mit Herzblut. Da gibt es kein Nein und auch kein schlechtes Wetter." Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer

Quelle: MDR/nk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 13.05.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2018, 20:41 Uhr

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