17.12.2019 | 18:47 Uhr Bäckersterben in Netzschkau - Warum die letzten drei Bäcker demnächst schließen

Bis zum Jahresende machen im vogtländischen Netzschkau die letzten drei Bäcker der Stadt ihre Läden dicht. Einer von ihnen: Bäckermeister Matthias Rudert. Nach 110 Jahren Familientradition ist endgültig Schluss: "Wir gehen ins wohlverdiente Rentenalter", erzählt Rudert nachdenklich. Denn sein Vater sei bereits mit 66 Jahren verstorben und "keiner weiß, wie lange man lebt". Und auch der Bäckermeister kämpft mit gesundheitlichen Problemen. Drei Mal wurde Matthias Rudert bereits an der Hüfte operiert. "Ich darf ja eigentlich bloß noch 15 Kilo heben - ich dürfte ja gar nicht mehr arbeiten."

Ich backe mir meine Brötchen noch selber - auch als Rentner. Ich habe mir einen kleinen Backofen zugelegt und ich gehe in keinen Supermarkt. Ich mag das Zeug da nicht.

Matthias Rudert Bäckermeister

Kein Nachfolger in Sicht

Der Sohn der Familie Rudert wohnt schon lange nicht mehr in Sachsen. Übernehmen will er den Laden nicht. Auch die Bäckerei Richter, direkt am Marktplatz, schließt am 31. Dezember. Das Ehepaar Richter hat nach 24 Jahren einfach keine Kraft mehr. "Wir haben die Entscheidung getroffen, weil kaum noch Personal zu bekommen ist", so Frank Richter. Außerdem fühlt sich das Ehepaar von der Kommune im Stich gelassen. Parkplätze hatte sich das Bäckerpaar gewünscht. "Aber man wird von den Behörden im Prinzip allein gelassen."

Fehlende Parkplätze und drohende Bonpflicht

Es sei schwierig, "für jedes Geschäft geschäftsbezogene Parkplätze zur Verfügung zu stellen", bestätigt Mike Purfürst, Bürgermeister in Netzschkau und Chef des örtlichen Gewerbevereins. Die Argumentation von den Richters kann er aber nicht verstehen. "Es sind öffentliche Parkplätze vor dem Geschäft, die auch mit öffentlichen Mitteln gefördert wurden." Die Richters wünschen sich dagegen Innovationen, wie die sogenannte Brötchentasten an Parkautomaten. Damit können Kurzparker ihren Wagen besonders günstig oder sogar kostenlos abstellen. In anderen Kommunen gibt es die Brötchentaste bereits. Durch die bevorstehende Einführung der Kassenbon-Pflicht für Einzelhänder war für das Ehepaar aber klar, "wir machen den Laden dicht".

Quelle: MDR/fg/mw

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.12.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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