22.12.2019 | 14:50 Uhr Vogtländische Instrumentenbauer setzen weiter auf Tropenholz

Geigenspieler
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"Ohne Fernambukholz ist auch der Beruf des Geigenbogenmachers bedroht", sagt Bogenmacher Michael Dölling aus Markneukirchen. Es gebe keine Alternative zu dem Tropenbaum aus Brasilien. "Seit 250 Jahren gibt es kein besseres Holz für den Bogenbau." Es gebe auch immer etwas Neues, wie zum Beispiel Karbonbögen. "Aber für den besseren Bogenbau gibt es eigentlich nur das. Durch seine Elastizität und das Gewicht", so Dölling.

Doch die Holzausfuhr ist streng limitiert, da der Fernambukbaum auf der Liste der bedrohten Arten steht. Dölling und der Geigenbaumeister Ekkard Seidel aus dem vogtländischen Markneukirchen engagieren sich deshalb bei der Initiative "International Pernambuco Conservation Initiative (IPCI)". Sie setzt sich für einen nachhaltigen Anbau des Fernambukbaums ein. Gegründet wurde sie von Streichinstrumentenbauern, die aus Fernambuk die Bögen für die Instrumente herstellen.

Initiative engagiert sich seit 2002 für Erhalt des Tropenbaums

Seit 2002 engagiert sich die Intiative für den Erhalt des Tropenbaums. Fernambuk, das Nationalgehölz aus Brasilien, steht auf der Artenschutzliste und darf nur noch in ganz geringen Mengen ausgeführt werden. Die Initiative kümmert sich um die Wiederaufforstung des Baumes im tropischen Regenwald und versucht Bauern vor Ort zum Anbau von Fernambuk als Nutzholz zu bewegen. "Da ist viel Überredungskunst gefragt", sagt Geigenbaumeister Seidel. Fernambuk brauche ungefähr 30 Jahre bis der Baum gefällt werden kann. "Diese 30 Jahre sind für die Einheimischen in Brasilien ein sehr langer Zeitraum."

Die IPCI verteilt kostenlos in Aufzuchtstationen gezogene Setzlinge an Bauern in Brasilien. Die Fernambukbäume haben dabei noch einen weiteren Vorteil: Sie werden auf Kakao-Plantagen angebaut und schützen somit Kakaopflanzen vor großer Hitze und Starkregen. Profitieren wird davon allerdings erst die nächste Generation der Bogenmacher. Denn noch sei der Export des Holzes streng limitiert, sagt Bogenmacher Dölling.

Fernambuk Der Fernambuk ist auch bekannt als Pernambuc oder Pau Brasil. Dieser Baum ist der Nationalbaum Brasiliens. Er ist in der Mata Atlantica beheimatet, dem ehemals großen Regenwald entlang der brasilianischen Ostküste. Über Jahrhunderte wurden die Wälder massiv abgeholzt, um diese Gebiete in landwirtschaftliche Nutzflächen sowie Wohn- und Industrieansiedlungen umzuwandeln.

Heute sind nur noch fünf bis sieben Prozent der ursprünglichen Mata Atlantica vorhanden. Somit ist auch Fernambuk in seinem natürlichen Bestand deutlich dezimiert und bedroht. Durch Maßnahmen wie Bestandsermittlung, Forschungs- und Wiederanpflanzungsprogramme möchte IPCI dieser Zerstörung entgegenwirken.
IPCI Deutschland

Engagement für nachhaltigen Holzanbau auch in Deutschland

Den deutschen Instrumentenbauern werden sogenannte Stangen geliefert. Zwischen 100 und 500 Euro kostet eine solche Stange, aus der die Instrumentenbauer jeweils einen Bogen herstellen können. Das Problem ist, dass es keine Auswahl gibt. Nicht jede Stelle des Baums ist für den Bogenbau geeignet. "Man muss auswählen können. Deswegen ist es wichtig, dass man auch Bretter bekommt oder Rundholz", so Dölling.

Die beiden Markneukirchener Musikinstrumentenbauer engagieren sich nicht nur in Übersee, sondern auch in Deutschland für nachhaltigen Holzanbau. Damit wollen sie die Zukunft der Musikinstrumentenbauer sichern.

Quelle: MDR/al/rb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.12.2019 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 22. Dezember 2019, 14:50 Uhr

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