30.04.2020 | 12:30 Uhr Alltagsheldin bei der Vogtlandbahn: "Ich spreche mehr mit den Kunden"

Elke Selbmann ist seit 35 Jahren Zugbegleiterin. Seit 2001 arbeitet sie bei der Vogtlandbahn. Während der Corona-Krise fahren weniger Menschen mit dem Zug. Da bleibt mehr Zeit, sich über die kleinen Dinge zu unterhalten. MDR SACHSEN hat mit der 51-Jährigen gesprochen.

Zugbegleiterin Elke Selbmann von der Vogtlandbahn in einem Zugabteil. 1 min
Bildrechte: MDR/Martin Hoferick

Wie sieht Ihre Arbeit während der Corona-Krise aus?

Ich arbeite im Vogtland als Zugbegleiterin. Wir haben verschiedene Einsatzstellen in Falkenstein, Plauen, Neumark oder Adorf. Früh melden wir uns zum Dienst, kontrollieren dann Fahrkarten, oder verkaufen auch welche, wenn mal ein Automat nicht funktioniert. Wir begleiten die Fahrgäste von A nach B, bieten ihnen Hilfe an und versuchen ihnen Anschlüsse zu anderen Zügen zu organisieren.

Welche Unterschiede gibt es zur Zeit vor der Pandemie?

Die Corona-Zeit ist schwierig, weil wir wenige Fahrgäste haben. Uns fehlen die Schüler und die Berufspendler. Generell denke ich, dass auch die Ängste bei den Fahrgästen gestiegen sind. Sie trauen sich weniger, mit dem Zug zu fahren.

Was ist derzeit die größte Herausforderung in Ihrem Beruf?

Die Pflicht zum Mundschutz ist anstrengend - für uns und für die Fahrgäste. Ich habe auch schon welche an einen Sanitäter, der keinen eigenen dabei hatte, verschenkt. Ich würde es gut finden, wenn jeder ein Desinfektionsmittel dabei hat, sich die Hände desinfiziert und wir so alle gut durch die Zeit kommen.

Die Hygienemaßnahmen müssen eingehalten werden – von uns und den Fahrgästen. Wir wissen ja nie, wer hereintritt, wer das Coronavirus hat und wer nicht. Wünschenswert wäre Desinfektionsspray an den Einstiegstüren.

Gibt es auch Lichtblicke?

Ich spreche mehr mit den Kunden – es sind ja auch weniger Fahrgäste unterwegs. Wir unterhalten uns über Ängste, aber auch über Dinge, die man jetzt mit anderen Augen sieht. Es geht nicht mehr nur um das Große, sondern auch um die kleinen Dinge, kleine Lichtblicke, wie zum Beispiel sich anzuschauen, besser einander zuzuhören.

Was hat sich privat wegen der Corona-Pandemie verändert?

Ich vermisse meine Freunde, mit denen ich sonst viel unterwegs bin. Wir halten den Abstand ein. Viele wollen mich auch schützen, weil ich selbst Asthmatikerin bin. Auch familiär hat sich viel geändert. Ich kann nicht zu den Großeltern gehen und muss auch da den Abstand wahren.

Worauf freuen Sie sich derzeit am meisten?

Ich freue mich darauf, dass bald wieder mehr Fahrgäste mit uns fahren und die Menschen keine Angst mehr haben, in die Eisenbahn zu steigen. Und ich freue mich, auf die Öffnung der Grenzen, damit wieder Ausflüge möglich sind. Wir leben hier im Vogtland ja in einer Tourismusregion, da wäre es wünschenswert, dass all das schnell wieder vorbei ist.

Privat freue ich mich darauf, Essen zu gehen, oder in einem Café gemütlich in der Sonne einen Eisbecher zu essen. Ich möchte wieder rausfahren können und mich auch in anderen Bundesländern wieder frei bewegen können.

Quelle: MDR/mh/mar

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