Corona-Pandemie Friseurin im Lockdown: "Die Existenzangst sitzt mir im Nacken"

Friseurin posiert in einem Salon
Petra Scholz hat Angst, dass ihr Friseursalon in Plauen bald vor dem Aus steht. Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Petra Scholz betreibt ihr Friseurgeschäft in Plauen bereits in dritter Generation. Doch jetzt steht der seit 1937 bestehende Familienbetrieb kurz vor dem Aus. Seit Mitte Dezember sind die Friseure in Sachsen aufgrund der Corona-Pandemie wieder geschlossen. "Es geht einem die Luft aus und das relativ schnell", sagt Scholz über die aktuelle Situation.

Sie lebt momentan von den Hilfen, die sie noch im ersten Lockdown bekommen hat. "Es war ein Darlehen und die Soforthilfe vom Staat", erzählt sie. "Eigentlich hatte ich das Geld zurückgelegt, um das Darlehen tilgen zu können." Doch nun sei sie froh, dass sie noch Geld zum Leben zur Verfügung hat.

"Die Existenzangst sitzt mir sehr im Nacken. Sie wird von Tag zu Tag stärker.

Das Geld dürfte sie eigentlich gar nicht für ihre Lebenshaltungskosten verwenden. "Die Corona-Soforthilfe darf nur für die Betriebskosten benutzt werden", sagt Scholz. "Nicht zum Einkaufen, nicht um meine Krankenversicherung zu bezahlen, nicht für meine Tochter." Doch sie nehme das Geld, denn sonst wäre sie schon am 31. Dezember am Ende gewesen.

Hilfszahlungen fehlen

Am schlimmsten sei, dass man sich auf nichts einstellen könne. Wann die Geschäfte wieder öffnen können, ist zurzeit noch völlig unklar. Und auch wann die Überbrückungshilfe III kommt und ob diese für sie überhaupt zutrifft, weiß Petra Scholz nicht. "Die Anträge sind noch nicht verfügbar", sagt sie.

Scholz hat das Gefühl, dass die Politik unüberlegte Entscheidungen trifft. "Weiß die Politik, wie es an der Basis, bei den kleinen Geschäften, bei den Leuten aussieht?", fragt sie. Man solle die "kleinen Leute" einladen und anhören und dann die Hilfen gezielt berechnen und einsetzen.

Natürlich müssen wir das Virus eindämmen, aber meiner Meinung nach ist der Preis zu hoch, den einige dafür zahlen müssen.

So wie Petra Scholz geht es zurzeit vielen Kleinunternehmern in Sachsen. "Die ganzen Programme, die aufgelegt worden sind, sind gerade für die Kleinunternehmer nicht nachvollziehbar. Die wissen nicht, was dran hängt", erzählt Brigitte Juschten, Steuerberaterin bei KJF GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft Plauen. "Wenn die Anträge gestellt sind, dauert es ewig bis sie genehmigt sind und bis das Geld dann überhaupt kommt."

Einige fallen bei Hilfsprogrammen durchs Raster

Mancher sei gerade so an der Insolvenz vorbeigegangen, wenn das Geld ankommt. Die Mandanten würden sich auch sehr auf die Steuerberater verlassen. "Aber wenn wir auch nicht mehr weiterhelfen können und nur abwarten, bis die Bewilligungsstellen zusagen oder auch nicht, das kann schon frustrierend sein", so Juschten. Außerdem seien die Zugangsbedingungen zu den Hilfsprogrammen sehr unterschiedlich und vor allem Soloselbstständige und Kleinstunternehmer würden zum Teil durchs Raster fallen. "Viele sind sehr beunruhigt und haben keine großen Rücklagen", sagt Juschten. Petra Scholz hat ihre fast aufgebraucht. "Ich kann noch durchhalten bis Ende Februar, dann wird jeder Tag zur Bewährungsprobe", sagt sie.

Quelle: MDR/al/bs

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.01.2021 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

7 Kommentare

Critica vor 6 Wochen

Aus der Corona-Verordnung geht nicht hervor, dass nicht Frau Scholz ihre Freundin besuchen dürfe, zum Kaffeetrinken, Plätzchenbacken oder zum Austausch von Strickmustern natürlich. Eine Person pro Haushalt ist gestattet!

peter1 vor 6 Wochen

Die Frau Scholz kann einem nur leid tun. Existenz extrem gefährdet. Unklar, wie es weiter geht.
Alles nur, weil die Flachzangen in der Politik, vornweg unser MP (Ritter von der traurigen Gestalt) zum Teil unsinnige Maßnahmen festlegen. Ja unser MP und der Rest der Wichtigtuer sind ja von den Einschränkungen nicht wirklich betroffen, keine Existenzangst, keine finanziellen Verluste und und und. Da ist es nicht schlimm sich ab und an mit Mundschutz zu zeigen. Besonders unfähig zeigt sich in diesen Tagen ein Herr Dulig. Kaum zu ertragen, seine Ausführungen.

DermbacherIn vor 6 Wochen

Die Akzeptanz für "harte Maßnahmen" wäre sicherlich höher, wenn die Politik einerseits nicht auch im Sommer konstant Angst verbreitet hätte und Teile der Bevölkerung, die ihr Leben wieder genießen wollen, beschimpft hätte und andererseits nicht bereits im November mit dem "Light-Lockdown" begonnen hätte. In England und Irland herrschten länger Freiheiten, sodass die Freiheitsverluste vielleicht als nicht so belastend empfunden werden. Bei uns hingegen gibt es seit nunmehr fast zwölf Monaten nur negative Kommunikation und seit fast drei Monaten massive Einschränkungen, die eine zunehmend bedrückte und lustlose Stimmung in der Bevölkerung erzeugen.

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