Pandemie im Vogtland Corona-Hotspot Markneukirchen ringt um Normalität

Die Corona-Situation im vogtländischen Markneukirchen bleibt weiter angespannt. 67 infizierte Personen registriert das Gesundheitsamt des Vogtlandkreises aktuell in der Stadt, 50 davon sind Mitarbeiter beziehungsweise Bewohner des Pflegeheims. Eine Bewohnerin mit Vorerkrankungen verstarb an den Folgen von Covid-19. Das Gesundheitsamt will seine Tests in dem Heim auch in dieser Woche fortsetzten. Die Ergebnisse werden am Donnerstag erwartet.

Blick über Markneukirchen
Seit mehr als zwei Wochen kämpft das vogtländische Markneukirchen mit zahlreichen Corona-Infektionen. Vor allem das Pflegeheim ist stark betroffen. Bildrechte: IMAGO

Vor allem die angespannte Personalsituation stellt das Pflegeheim in Markneukirchen derzeit vor Probleme. Bürgermeister Andreas Rubner versucht für das Heim in Eigenregie Ersatzpersonal aufzutreiben. Da viele Mitarbeiter mit Corona infiziert sind, klaffen große Lücken in den Dienstplänen. Rubner hatte bereits Kontakt mit der Diakonie in Auerbach und in Adorf. "Die bieten schon Hilfe an. Aber letztendlich müssen die Personen sich auch bereit erklären", sagt er. Es werde Hilfe erwartet, diese reiche aber nicht aus.

Bürgermeister will mit offener Kommunkation punkten

Auch Schulen und Betriebe der rund 8.000 Einwohner zählenden Stadt sind von Infektionen oder Quarantänemaßnahmen betroffen. Die Stadt will der schwierigen Situation vor allem mit Offenheit und guter Kommunikation begegnen. Rubner telefoniert mit Firmen, spricht mit Verantwortlichen des Pflegeheims, erkundigt sich nach den neuesten Testergebnissen. Viele Erkenntnisse versucht er schnell mit den Einwohnern der Stadt zu teilen, zum Beispiel über Facebook.

Ich bin eigentlich der Meinung, dass man offen und ehrlich mit der Sache umgehen soll, weil es eben gerade in der Kleinstadt dann ganz schnell Gerüchte gibt.

Andreas Rubner Bürgermeister von Markneukirchen

Doch an die Informationen zu kommen, erweise sich oft als schwierig. "Richtig offiziell erfahre ich auch nichts, aber man hat halt sein Netzwerk", sagt Rubner. "Mit dem Gesundheitsamt hatte ich seit dem Auftreten kein einziges Gespräch." Er verstehe, dass das Amt seine Arbeit machen müsse, über einen Kontakt hätte er sich aber gefreut.

Schulen zwischen Normalbetrieb und Quarantäne

Im Gymnasium der Stadt herrscht wieder Normalbetrieb. Hier waren nach zwei Infektionen bis zu 60 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne. Obwohl Schulleiter Norbert Hildebrand die Eltern am Anfang schnell und umfassend informierte, brodelte auch hier die Gerüchteküche. "Ich weiß also von Eltern, dass also dann wirklich Vermutungen aufgestellt werden, Verdachtsfälle geäußert werden, wer, wann, wo, wie den Eintrag der Infektion erbracht hat", sagt er. Dem wolle er ernst entgegentreten.

Die Schüler selbst gingen und gehen mit dem Thema relativ gelassen um, meint Hildebrand weiter. Für die Schule könnte Corona dennoch immer wieder zur Herausforderung werden. "Es kommen Kinder, die theoretisch Virusträger sein könnten ohne Symptome und es kommen Kinder mit Symptomen, die aber vielleicht aber nur einen grippalen Infekt haben", sagt er. "Die Entscheidung muss irgendjemand treffen, ob die in der Schule bleiben können. Das macht die Sache schwer."

Bürgermeister hofft auf Normalität

Der Blick müsse auf jeden Fall geschärft bleiben, ohne Panik zu verbreiten, sagt Bürgermeister Rubner. Das erhofft er sich auch von seinen Einwohnern.

Ich glaube, die Disziplin, eine Maske aufzusetzen in den Geschäften hat wieder zugenommen. Aber natürlich haben wir nach wie vor eine Gruppe Verweigerer, die das strikt ablehnt.

Andreas Rubner Bürgermeister Markneukirchen

Trotz allem hofft er, dass zeitnah wieder so etwas wie Normalität in die Stadt einzieht. Von einer Entwarnung könne man aber noch nicht sprechen.

Quelle: MDR/al/bs

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.09.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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