Großrazzia in Sachsen und Ruhrgebiet Verdächtiger Miri-Clan-Bruder im Vogtland festgenommen

Monatelang hat die Polizei gegen vier Brüder ermittelt, die Kokain und Marihuana von Bochum aus nach Sachsen geschmuggelt haben sollen. Heute sind die Männer des libanesisch-stämmigen Familien-Clans festgenommen worden.

Die Polizei ist mit einem Großaufgebot gegen die Organisierte Kriminalität im Ruhrgebiet vorgegangen und war dabei auch in Sachsen im Einsatz. Mehr als zehn Objekte, darunter Wohnungen und Lokale wurden durchsucht, teilte ein Sprecher der Polizei in Bochum mit. Vier Brüder des libanesischen Miri-Clans sind gegen 7:30 Uhr zeitgleich an mehreren Orten festgenommen worden. Der älteste Bruder wurde am Morgen in Auerbach im Vogtland auf der Straße verhaftet, sagte der Bochumer Polizeisprecher Jürgen Schütte MDR SACHSEN. "Wir hatten Spezialeinsatzkommandos angefordert, weil davon ausgegangen werden musste, dass die Tatverdächtigen bewaffnet sind. Die Festnahmen verliefen ohne körperliche Verletzungen. Es gab keinen Widerstand", sagte Schütte.

Festgenommener in Auerbach kommt nach Bochum

Der Libanese aus Auerbach werde derzeit nach Bochum gebracht. Gegen alle vier Brüder sollen heute Haftbefehle des Amtsgerichts Bochum erlassen werden. Ihnen wird gewerbs- und bandenmäßiger Handel und Schmuggel von Kokain und Marihuana vorgeworfen. Nach den bisherigen Ermittlungen soll von Bochum aus umfangreich Rauschgift nach Sachsen gebracht worden sein, so die Polizei. "Einige Durchsuchungen laufen noch, daher können wir uns dazu noch nicht äußern", sagte ein Sprecher. Fest steht bislang: Die Ermittler kamen nach eigenen Angaben dem Schmuggel von fünf Kilogramm Marihuana auf die Spur, das für Abnehmer in Sachsen bestimmt gewesen sein soll und beschlagnahmt wurde. Auch Kokain "in nicht geringer Menge" wurde demnach in das Absatzgebiet des ältesten der Brüder nach Sachsen transportiert. Daneben soll die Bande einen schwunghaften Drogenhandel im Raum Bochum betrieben haben. Polizei und Justiz hatten vor dem Einsatz am Dienstag monatelang ermittelt.

Wer ist dieses Brüder-Quartett? - Die drei jüngeren Brüder des Familien-Clans leben in Bochum. Sie sind 22, 28 und 30 Jahre alt.
- Der vierte und älteste Bruder, 32 Jahre alt, bezeichnet sich selbst als "Patron" sowie "Familienoberhaupt" und lebt im vogtländischen Auerbach.
- Das Quartett gilt laut Polizei als Bochumer Ableger des libanesisch-stämmigen Miri-Clans.
- Der ist seit Beginn der 1980er Jahre in Deutschland ansässig und durch Gewaltdelikte, Drogengeschäfte, illegalen Medikamentenhandel, Waffenschmuggel und Kämpfe gegen die Hells Angels sowie Schutzgelderpressungen aufgefallen.
- Zuerst ermittelten Staatsanwaltschaften in Bremen (allein hier sollen 2.500 Mitglieder leben) und Berlin gegen den kriminellen Clan, immer häufiger auch im Ruhrgebiet.
- Der Namensgeber des Groß-Clans, Ibrahim Miri war Chef des verbotenen Motorradclubs "Mongols MC". 2014 bekam er eine sechsjährige Haftstrafe wegen bandenmäßigen Drogenhandels.
(Quellen: Polizeidirektion Bochum, BKA)

Ländlicher Raum als Rückzugsgebiet?

Clankriminalität oder kriminelle Clans spielen in Sachsen aktuell keine Rolle, sagte der Sprecher des LKA, Tom Bernhardt MDR SACHSEN. "Dies schließt natürlich nicht aus, dass einzelne Mitglieder von derartigen Organisationen Kontakte nach Sachsen pflegen oder sich auch hier aufhalten." Auch Beziehungen zu in Sachsen bekannten Gruppen der Organisierten Kriminalität - wie Rockergruppen und Drogen-Banden - könnten nicht ausgeschlossen werden. Nach Erkenntnissen des LKA nutzen kriminelle Banden gerade Regionen, "in denen sie augenscheinlich nicht aktiv sind, auch gerne als Rückzugsgebiet oder für entsprechende Investitionen im legalen Bereich", erklärte Bernhardt.

Kriminelle Großfamilien streng hierarchisch

Laut Bundeskriminalamt zeichnet sich die Kriminalität von Angehörigen arabischstämmiger Großfamilien "durch eine grundsätzlich ethnisch abgeschottete Familienstruktur aus". Im Bundeslagebild 2017 schreiben die BKA-Ermittler über diese Familienstruktur: Sie missachte die "vorherrschenden staatlichen Strukturen, deren Werteverständnis und Rechtsordnung und bildet eine eigene, streng hierarchische, delinquente Subkultur".

Quelle: MDR/kk/afp/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.10.2018 | 13:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Chemnitz

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Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2018, 16:01 Uhr

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