31.01.2020 | 14:05 Uhr Nach Streit um erotische Fotos: Ausstellungseröffnung in Reichenbach

Eine Frau mit langen Haaren und nackten Schultern hält einen Blumenstrauß auf einer Wiese
Die Fotos von Franziska Barth werden nicht im Neuberinhaus Reichenbach gezeigt. Bildrechte: Streifenblicke.de/Franziska Barth

Eine Fotoausstellung mit Arbeiten von Franziska Barth unter dem Titel "Meine Lust mach ich mir selbst. Erotik. Intimität." wird am Freitag in Reichenbach eröffnet. Nur nicht im Neuberinhaus. Zwei Wochen vor der geplanten Eröffnung wurde dort die Ausstellung des Kunsthallenvereins Reichenbach abgesagt.

Helmut Meißner, Geschäftsführer der Vogtland Kultur GmbH, die das Veranstaltungshaus betreibt, sieht einige der Bilder als jugendgefährdend an. "Man muss dazu sagen, dass wir viele Kinder im Haus bei unseren Veranstaltungen haben, die im Foyer an den Bildern vorbeigehen müssen." Einzelne Bilder aus der Ausstellung zu verbannen, sei für ihn aber erst recht nicht in Frage gekommen. "Da hätte ich mich nicht wohlgefühlt, wenn ich als Zensor aufgetreten wäre", so Meißner weiter. "Ich habe aber keinerlei Problem damit, wenn die Ausstellung, so wie sie jetzt zusammengestellt ist, an einem anderen Ort in der Stadt gezeigt wird."

Zwei Personen mit nackten Oberkörpern, einer mit Zweigen im Mund, freuen sich entspannt in der Natur
Bildrechte: Streifenblicke.de/Franziska Barth

Kunsthallenverein will nicht nur zur Dekoration da sein

Severin Zähringer, Vereinschef der Reichenbacher Kunsthalle, sieht das anders. "Wir haben schon bei der Vorauswahl der Fotografien darauf geachtet, dass die Arbeiten nicht als jugendgefährdend einzuschätzen sind", sagt er. "Wenn man danach geht, müssten auch bei den Alten Meistern in Dresden die Bilder abgehängt werden beziehungsweise nur ab 16 zugänglich sein. Denn bei Rubens gab es mehr Fleischlichkeit als hier in der Ausstellung", ergänzt der künstlerische Leiter Frank Lorenz.

Zähringers Verein wolle mit den Ausstellungen mehr erreichen, als nur das Foyer des Neuberinhauses zu dekorieren. "Wir wollen dort anspruchsvolle Kunst anspruchsvoll zeigen." Da sei mit der Absage schon ein gewisser Riss entstanden. "Wir müssen uns jetzt ständig fragen, ob eine Ausstellung in das Haus passt oder nicht."

Franziska Barth: Meine Bilder passen gut zur aktuellen Kontroverse

Die Fotografin Franziska Barth ist nicht darüber verwundert, dass ihre Bilder so unterschiedlich aufgenommen werden. "Ich finde, die Ausstellung passt gut zu der aktuellen Kontroverse. Ich kann die Ängste nachvollziehen, die dazu führen, dass Kindern und Jugendlichen die Fotografien nicht gezeigt werden." Bei ihrer Arbeit mit Schülern erlebe sie auch oft, dass es bei den Kindern und Jugendlichen ein gespanntes Verhältnis zur eigenen Körperlichkeit gäbe. "Ich plädiere dafür, dass die Kinder von Anfang an eine andere Sicht auf Sexualität bekommen. Dann würde eine Normalität eintreten im Umgang mit sich selbst und miteinander, wenn sie Erklärungen bekommen würden."

Die Ängste sind nicht die der Kinder. Es sind die der Erwachsenen.

Franziska Barth Fotografin und angehende Sexualwissenschaftlerin

Seit Mitte letzter Woche der der Stadtpalast am Solbrigplatz als Veranstaltungsort für die Ausstellung fest. Da das Gebäude stark renovierungsbedürftig ist, empfehlen die Veranstalter warme Sachen und festes Schuhwerk. An der Zusammenarbeit mit dem Neuberinhaus will Vereinschef Severin Zähringer aber weiterhin festhalten. "Unsere Kunsthalle wäre sonst ein Verein ohne Ausstellungsfläche. Und das will niemand."

Hintere einer Glasscheibe mit farbigen Streifen: ein Gesicht, geöffnete Lippen, ein Nasenpiercing
Bildrechte: Streifenblicke.de/Franziska Barth

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.01.2020 | 11:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2020, 14:05 Uhr

4 Kommentare

zenkimaus vor 2 Wochen

Hmm welche Bilder werden denn da gezeigt. Ich denke da werden eher keine Lustbilder gezeigt. Habe mich mal auf ihrer Homepage umgesehen, ja ein oder zwei Bilder waren dabei. Wenn ich im Buchhandel Kalender anschaue gibt es" pornographischere" Dinge. Da hat wohl jemand zu starke Phantasie. Da sollten Kinder Bitte kein Internet benutzen. Kein Netflix, Keine Werbung sehen. Das schlimme ist, nicht unsere Kinder sind so eingeklemmt, sondern die Erwachsenen. Man sollte den Kindern Dinge auch erklären wenn sie Fragen haben.

FMH vor 2 Wochen

Die Entscheidung ist richtig. Es muss moralische und ethische Grenzen geben. Kinder haben Anspruch auf Schutz vor grenzenloser sexueller Darstellung von Künstlern, deren Obsession in der Selbstdarstellung besteht.

MDR-Team vor 2 Wochen

Hallo Theodor Dienert,

danke für den Hinweis, mit dem fehlenden Buchstaben. Ihr zweiter Punkt ist aber sehr unangebracht. Bitte unterlassen Sie solche Bemerkungen.

Viele Grüße die MDR.de-Redaktion

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