06.07.2020 | 20:45 Uhr Göltzschtalbrücke: Bewerbung für UNESCO-Weltkulturerbe beschlossen

Die Montanregion Erzgebirge und der Muskauer Park von Fürst Pückler sind grenzüberschreitende Welterbe-Projekte in Sachsen. Jetzt will ein drittes sächsisches Wahrzeichen im ureigenen Sinn die Brücke in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste schlagen.

Göltzschtalbrücke im Vogtland
Bildrechte: IMAGO/ Rainer Weisflog

Der Stadtrat der Großen Kreisstadt Reichenbach möchte die Göltzschtalbrücke zum UNESCO Weltkulturerbe ernennen lassen. Wie die Pressesprecherin der Stadt mitteilte, hat der Stadtrat einen entsprechenden Beschluss bei seiner heutigen Sitzung einstimmig gefasst - ohne Enthaltungen und Gegenstimmen. Der Beschluss sehe vor, das Büro für Industriearchäologie von Rolf Höhmann aus Darmstadt damit zu beauftragen, alle nötigen Dokumente für eine Bewerbung zu erstellen. Insgesamt seien dafür knapp 42.000 Euro netto bewilligt worden.

Welterbe-Status schon oft diskutiert

Schon oft wurde eine mögliche Bewerbung für die Brücke als Weltkulturerbestätte gesprochen. Reichenbachs Oberbürgermeister Raphael Kürzinger will, dass dieses Mal Nägel mit Köpfen gemacht werden. Seit Anfang des Jahres seien in Abstimmung mit der Welterbekoordinierungsstelle des Freistaates Sachsen die Erfolgsaussichten auf eine Eintragung der Göltzschtalbrücke auf die UNESCO-Welterbeliste erörtert und das dafür notwendige Antragsverfahren besprochen worden. Zusätzlich seien erste Gespräche mit internationalen Experten für Industriekultur, Industriearchäologie, Brückenbauwerke, Historikern und Denkmalschutzbehörden geführt worden, so Kürzinger.

Brücken gibt es viele, auch Rundbogenbrücken, aber die Göltzschtalbrücke ist doch in ihrer Art eine einzigartige Brücke und wir müssen einfach die Brücke in das Bewusstsein der Menschen noch mehr hineinbringen. Alle wissen, dass es sie gibt aber sie schlummert noch immer ihren Dornröschenschlaf.

Raphael Kürzinger Oberbürgermeister Reichenbach

Impressionen Das Wahrzeichen des Vogtlandes

Die Göltzschtalbrücke zieht bis heute die Menschen in ihren Bann. 1851 eingeweiht, ist das Wahrzeichen des Vogtlandes nach wie vor die größte Ziegelsteinbrücke der Welt.

das Wunder vom Göltzschtal
Eine Brücke um das Göltzschtal zu überspannen, in einer Höhe von 78 Metern und rund 600 Metern Länge? Vor rund 170 Jahren versuchten Baumeister und Arbeiter das scheinbar Unmögliche durch technischen Verstand und in Handarbeit! Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
das Wunder vom Göltzschtal
Eine Brücke um das Göltzschtal zu überspannen, in einer Höhe von 78 Metern und rund 600 Metern Länge? Vor rund 170 Jahren versuchten Baumeister und Arbeiter das scheinbar Unmögliche durch technischen Verstand und in Handarbeit! Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
Das Wunder vom Göltzschtal
Eng verwoben mit dem Bau der Brücke ist auch das Schicksal der Müllersfamilie Ketzel, die im Tal der Göltzsch ansässig war. Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
das Wunder vom Göltzschtal
und vom Geheimrezept des Mörtels mit Alaunschieferschlacke, die für den ungeheuren Halt bis heute sorgen soll. Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
das Wunder vom Göltzschtal
Über die ganzen rund 170 Jahre mussten nur wenige tausend der 26 Millionen Ziegel ersetzt werden. Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
Das Wunder vom Göltzschtal
Die Göltzschtalbrücke zieht bis heute und zu allen Jahreszeiten die Menschen in ihren Bann. 1851 eingeweiht, ist das Wahrzeichen des Vogtlandes nach wie vor die größte Ziegelsteinbrücke der Welt. Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
Das Wunder vom Göltzschtal
Andreas Ketzel hält die Erinnerung an die Geschichte der Brücke und der Mühle in einem Museum wach. Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
Ein Kind auf einem alten Foto
Andreas Ketzel wuchs auf am Fuße des gigantischen Bauwerks. Wie sein Urururgroßvater lernte er das Müllershandwerk. Bildrechte: Andreas Ketzel
Bau einer Brücke
Damals mit dem Beginn des Baus der Göltzschtalbrücke 1846 wurde der Lauf der Göltzsch umverlegt. Bildrechte: Andreas Ketzel
Alte Aufnahme von einem Mann
Für die Mühle der Ketzels bedeutete die Umverlegung des Flusses das Aus. Der Urururgroßvater lebte fortan von den Schaulustigen, die sich fortan bei ihm bei Speis und Trank stärken konnten. Bildrechte: Andreas Ketzel
Eine Frau, im Hintergrund eine Brücke
Ehrenamtlich gibt Christa Trommer ihre Begeisterung für die Göltzschtalbrücke an die Besucher weiter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Schwarzweiss-Bild einer Schaffnerin
Einst war Christa Trommer Bahnerin in Reichenbach, mit der Wende verlor sie ihren Job, ein richtiger Arbeitsplatz wurde aus ihrer Tätigkeit als Fremdenführerin nie. Als Rentnerin macht sie trotzdem weiter, erzählt den Touristen die Geschichten rum um das "achte Weltwunder" aus 26 Millionen Ziegeln .... Bildrechte: Christa Trommer
Ein Zug fährt über eine Brücke
Erdbebensicher ist die Göltzschtalbrücke und befahren wird sie auch noch, die Züge verkehren bis ins böhmische Vogtland nach Karlsbad oder in bayerische Vogtland nach Hof. Und das zweigleisig und mit Lasten, die damals noch nicht vorauszusehen waren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann
Als Ingenieur hat Professor Jürgen Stritzke selbst etliche große Brücken gebaut. An der TU Dresden bildete er Generationen von Ingenieuren aus. Er bewundert die Leistung von Chefplaner Johann Andreas Schubert. Er gilt als einer der Gründungsväter der TU, in deren Archiv Stritzke auch Schuberts Originalzeichnungen entdeckte. Sie faszinieren ihn bis heute. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
das Wunder vom Göltzschtal
An kalten Tagen ist gefrierendes Wasser der Brücke größter Feind. Zuletzt überstand sie auch die Elektrifizierung der Strecke im Jahr 2011. Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
das Wunder vom Göltzschtal
Für die Strommasten musste das Gleisbett verbreitert werden. Während nebenan die Züge rollten, wurde der alte Untergrund mit riesigen Sägen abgetragen. Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR FERNSEHEN
Ein Mann
Brückenmeister Falk Kertscher wacht seit langem über das Bauwerk und staunt noch immer über die gelungene Symbiose aus Ingenieurs- und Handwerkskunst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Beantragung in mehreren Schritten

Raphael Kürzinger weiß, dass für diese Bewerbung ein langer Atem von Nöten sein wird. Zuerst müsse es die Brücke auf die sogenannte Tentativliste der deutschen UNESCO-Kommission schaffen. Diese Liste ist laut UNESCO eine "Vorschlagsliste für zukünftige Nominierungen zur Aufnahme in die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt". Um auf diese Liste gesetzt zu werden, muss das Bundesland ein "Interessensbekundungsverfahren" durchführen. In diesem muss unter anderem beschrieben werden, wieso die Brücke von außerordentlichem, universellem Wert ist. Auch eine Analyse des internationalen Vergleichs mit anderen Welterbestätten sowie wesentliche Aspekte zum Management der Stätte müssen dargelegt werden.

Nachdem alle diese Unterlagen bis spätestens zum 31.03.2021 eingereicht worden sind, werden diese von einer Expertengruppe geprüft und eine Auswahl wird im nächsten Schritt der Kultusministerkonferenz vorgeschlagen. Dieser obliegt die endgültige Entscheidung über die Vorlage bei der UNESCO.

Die Göltzschtalbrücke Die Göltzschtalbrücke ist die größte Ziegelsteinbrücke der Welt. Das 78 Meter hohe Viadukt mit insgesamt 98 Bögen gilt als Wahrzeichen des Vogtlands und überspannt zweigleisig auf der Bahnstrecke Leipzig-Hof das Tal der Göltzsch zwischen den Orten Reichenbach im Vogtland (Ortsteil Mylau) und Netzschkau.

Die von 1846 bis 1851 errichtete Brücke gehört zu den ältesten Zeugen der Eisenbahngeschichte in Deutschland. Dieses überregional bedeutende Denkmal der Verkehrsgeschichte entfaltet eine besondere landschaftsprägende Wirkung.

Auch mehr als 150 Jahre nach ihrer Fertigstellung ist sie noch immer als Eisenbahnviadukt in Betrieb und auch zukünftig Bestandteil der Netzkonzeption der DB Netz AG. Im Juni 2009 wurde die denkmalgeschützte Brücke von der Bundesingenieurkammer zum Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst erklärt. Quelle: Stadt Reichenbach

Quelle: MDR/kh

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.07.2020 | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten

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