Feuerwehrleute mit Atemschutz bereiten sich auf den Einsatz vor.
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28.06.2019 | 19:37 Uhr Nach Brand in Reichenbach: Diskussion um Verletzungen der Feuerwehrleute

Feuerwehrleute mit Atemschutz bereiten sich auf den Einsatz vor.
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Nach den Diskussionen in sozialen Netzwerken über die Schwere der Verletzungen der Feuerwehrleute, die beim Brand einer Galvanikfirma in Reichenbach im Einsatz waren, hat sich der Bürgermeister der Stadt dazu geäußert. Raphael Kürzinger erklärte MDR SACHSEN, es habe bei mindestens drei Kameraden Atemwegsreizungen bzw. Rauchgasvergiftungen gegeben. Ein Kamerad sei wegen thermischer Überbelastung behandelt worden. Alle vier Patienten konnten mittlerweile die Krankenhäuser verlassen.

Ärztliche Schweigepflicht für Reichenbacher OB

Allerdings konnte Kürzinger nur für die Kameraden aus Reichenbach sprechen. Nach der heutigen Nachfrage durch den Rettungszweckverband in den Kliniken zum Zustand der Kameraden, sei ihm mit Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht keine Auskunft erteilt worden. Deshalb habe er mit den Reichenbacher Feuerwehrleuten, die in Kliniken behandelt wurden, direkt Kontakt aufgenommen.

Betroffene und Angehörige widersprechen bei Facebook

Die Diskussion im Internet war entbrannt, nachdem bislang nur von Kreislaufproblemen der Feuerwehrleute berichtet wurde. Dem widersprachen Betroffene und Angehörige bei Facebook und sprachen von Verätzungen, die einige Einsatzkräfte erlitten hätten. Kürzinger sagte dazu, in den Berichten der Notärzte vor Ort sei keine Rede von Verätzungen gewesen.

Insgesamt wurden 28 Feuerwehrleute bei den Löscharbeiten verletzt. In der medizinischen Erstversorgung vor Ort wurden die Kameraden aufgrund der großen Hitze mit den Symptomen Kreislaufprobleme und Dehydrierung behandelt. Teilweise wurden Infusionen mit Elektrolytlösung gegeben. Elf Kameraden mussten Kürzinger zufolge im Krankenhaus weiterbehandelt werden.

Extreme Bedingungen für die Feuerwehrleute

Giftiger Rauch und extreme Hitze: Für die Feuewehrleute war der Einsatz auf dem Gelände der brennenden Galvanikfirma bei Reichenbach ein gewaltiger Kraftakt. Einige mussten wegen Erschöpfung medizinisch behandelt werden.

Feuerwehrleute laufen mit Vollschutz und Sauerstoffflaschen zum Brandort.
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Feuerwehrleute laufen mit Vollschutz und Sauerstoffflaschen zum Brandort.
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Niedergebrannte Betriebshalle.
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Großbrand Vogtland
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Von der Autobahn 72 aus ist eine hohe Qualmwolke am Himmel zu sehen.
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Warnung vor Schadstoffen

Das Landratsamt hat Anwohner und Tierhalter in der Umgebung des Brandortes vor möglichen Schadstoffen gewarnt. Den Angaben zufolge kann erst in einigen Tagen mit Ergebnissen der Wasser- und Bodenproben gerechnet werden. Solange sollten Bewohner aus den Ortschaften Schönbrunn, Waldkirchen Unterdorf und Lengenfeld Nordwest bis auf weiteres kein Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten verzehren. Auch Tierhalter sollten vorsorglich kein Frischfutter von eventuell kontaminierten Flächen verfüttern. Das Landratsamt betont in seiner Mitteilung, dass die Empfehlungen als Vorsichtsmaßnahme zu verstehen sind, weil Gefährdungen zum jetzigen Stand nicht ausgeschlossen werden können.

Großbrand Vogtland
Ob auch landwirtschaftliche Flächen durch den Brand kontaminiert wurden, ist noch nicht bekannt. Bildrechte: News5

Empfehlung des Vogtlandkreises Gartenfrüchte und Kräuter:
- keine Gartenfrüchte und Kräuter ernten und verzehren
- keine Futterpflanzen ernten und verfüttern
- Kaninchen und Geflügel im Stall nur mit geschützt gelagertem Heu füttern

Hühnerhaltung:
- Hühner nicht ins Freie lassen
- Füttern mit Futter von möglicherweise kontaminierten Flächen einschränken
- möglichst erworbenes und geschützt gelagertes Futter verwenden
- Sandbäder im Freien neu befüllen

Weidehaltung von Nutztieren:
- möglichst auf Flächen ausweichen, die nicht vom Brandereignis betroffen sind

Imkerei:
- die Bienenstandorte im Bereich der Rauchwolke dem Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt melden

Sandkästen:
- Sand im Zuggebiet der Rauchwolke in nicht abgedeckten Sandkästen erneuern

Löscharbeiten dauerten zwei Tage

Das Feuer in der Firma für Galvanotechnik war am Mittwoch ausgebrochen. Durch den Brand entstand so starker Rauch, dass die Autobahn 72 und die Bundesstraße 94 zeitweise gesperrt werden mussten. Insgesamt waren 350 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Landratsamt vor Ort. Zwei Tage nach dem Ausbruch konnte das Feuer laut Einsatzleitung am späten Freitagvormittag endgültig gelöcht werden.

Noch keine Suche nach Brandursache möglich

Ein Sprecher der Polizeidirektion Zwickau sagte MDR SACHSEN, dass die Brandursachenermittler in den nächsten Tagen ihr Arbeit noch nicht aufnehmen können. Die Situation in der eingestürzten Halle sei noch nicht sicher. Zuerst müsse mit schwerem Gerät vorsichtig der Schutt abgetragen sowie Säuren und Laugen abgepumpt werden. Diese Sicherungsarbeiten müssten durch Spezialfirmen erledigt werden, so der Sprecher weiter.

Quelle: MDR/tfr/nk/cnj/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.06.2019 | 18:00 Uhr

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2 Kommentare

29.06.2019 10:42 René Runge 2

Die Informationspolitik des Vogtlandkreises ist einfach nur eine Katastrophe. Warum muss ich beim MDR einen Artikel lesen mit den Empfehlungen des Vogtlandkreises? Unter Pressemitteilungen auf der Internetseite findet man nichts. Am Abend des Brandes war kein Ansprechpartner der Verwaltung telefonisch erreichbar. Die Giftwolke ist in Richtung Süden bis nach Auerbach gezogen. Bis auf die App Nina und die sozialen Netzwerke gab es keine Informationen und die waren auch noch verspätet. Die Einsatzkräfte vor Ort haben (ehrenamtlich!) das Beste gegeben unter Einsatz ihrer Gesundheit, vielen Dank dafür.

28.06.2019 21:13 Sven 1

Warum wurde kein Katastophenalarm ausgelöst, der die Bürger vor Gefahren warnt? Brennt die kreiseigene Entsorgungsfirma gehen sofort die Sirenen. Der Landkreis versagt auf allen Ebenen!

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