Morgenröthe-Rautenkranz Gerst schaut bei Jähns Jubiläum vorbei

Auf den Tag genau vor 40 Jahren startete Sigmund Jähn als erster Deutscher ins All. Das Jubiläum hat der Vogtländer am Sonntag in der Deutschen Raumfahrtausstellung gefeiert. Zu den Gratulanten gehörte auch Alexander Gerst, der live von der Raumstation ISS grüßte.

Ein älterer Mann mit weißem schütteren Haar steht vor einer riesigen Leinwand, auf der ein Astronaut mit blauer Uniform und deutschen Enblem an der Schulter zu sehen ist. Der Astronaut lächelt freudlich und hält ein Mikro in beiden Händen.
Sigmund Jähn spricht mit Alexander Gerst. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Freunde, Kollegen und Politiker haben am Sonntag das runde Jubiläum zum Weltraumstart gemeinsam mit Sigmund Jähn im Rahmen einer Festveranstaltung gefeiert. Während im Gebäude der Deutschen Raumfahrtausstellung also geladene Gäste Reden und Fachvorträgen lauschten, standen im Außengelände hunderte Besucher und verfolgten auf einer Leinwand die Veranstaltung mit. Der Höhepunkt war das geplante Livegespräch mit Alexander Gerst.

Lange Leitung hatte etwa sieben Sekunden Verzögerung

Ein Mann sitzt vor geöffneten Koffern voller Sendetechnik, Regiepulten und Bildschirmen. Auf einem der Bildschirme sind Livebilder vom Inneren der ISS zu sehen.
Nach einigen Minuten steht die Verbindung. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Ein Moderator erklärte, welchen langen Weg das Gespräch zurücklegt: Das Signal kommt an einer Bodenstelle in Amerika an, wird weiter nach Houston geleitet. Von dort wird es über den Atlantik via Glasfaser oder Satellit in das Columbus-Kontrollzentrum nach Oberpfaffenhofen bei München geleitet. Am Ende wird es noch über eine Funkstrecke nach Morgenröthe-Rautenkranz geschickt, wo ein Transporter mit einer Satellitenschüssel auf dem Dach das Signal einfängt und an ein Regiepult, das eigens aufgebaut wurde, übergibt.

Soweit die Theorie. Denn der erste Beifall war etwas verfrüht. Zwar konnten die Zuschauer in der Raumfahrtausstellung Alexander Gerst sehen und hören, nur umgekehrt funktionierte es nicht. "Houston, wir haben ein Problem", witzelte der Moderator ein wenig verlegen. Den bangen Gesichtern der Organisatoren stand die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Nach endlos erscheinenden sechs Minuten stand die Zwei-Wege-Kommunikation. Nochmal tobender Applaus.

Kosmonaut spricht mit Astronaut

Als Erster sprach der erste Deutsche im Weltall mit dem aktuellen Deutschen im Weltall. "Wir freuen uns, dass wir Dich überhaupt zu sehen und hören bekommen", sagte Sigmund Jähn und lachte vor Rührung. "Kaum zu glauben. Wir wünschen Dir, dass Du weiter arbeitest und kämpfst und alles schaffst, was Du Dir vorgenommen hast, und wir drücken Dir alle die Daumen." Es sei einfach toll, Sigmunds Stimme zu hören, antwortete Alexander Gerst. Und als Überraschung für Jähn ließ er ein faustgroßes Modell einer Sojus Kapsel vor der Kamera schweben. "Schau mal Sigmund, die erinnert mich sehr an Deine, ist auch Deine Unterschrift drauf mit dem richtigen Datum", sagte Gerst und Jähn ist wiederum gerührt. Später sagt er MDR SACHSEN: "Mir fehlen die Worte, alles habe ich erwartet, aber dass die Anerkennung für eine Geschichte, die schon 40 Jahre zurückliegt, so positiv ausfällt, das berührt mich schon sehr."

Jubiläum Großer Andrang bei Jubiläumsfeier in der Raumfahrtsausstellung

An dem Stolz und dem Jubel über den Start des ersten Deutschen ins Weltall hat sich in Sigmund Jähns Heimatstadt auch nach 40 Jahren nichts geändert. Es sind jedoch neue Gratulanten dazu gekommen, wie Alexander Gerst.

In einer Halle sitzen zahlreiche Besucher auf Stühlen vor einer großen Leinwand. An der Seite und der Decke stehen und hängen Modelle von Raumschiffen und Raumstationen.
Drinnen in der Festveranstaltung füllten geladene Gäste das Ausstellungsgebäude. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
In einer Halle sitzen zahlreiche Besucher auf Stühlen vor einer großen Leinwand. An der Seite und der Decke stehen und hängen Modelle von Raumschiffen und Raumstationen.
Drinnen in der Festveranstaltung füllten geladene Gäste das Ausstellungsgebäude. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Im Außengelände der Raufahrtausstellung verfolgen hunderte Besucher auf einer großen Leinwand die Veranstaltung.
Im Außengelände gesellten sich hunderte Besucher dazu. Der ganze Ort war quasi zugeparkt von so vielen Gästen. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Im Außengelände der Raufahrtausstellung verfolgen hunderte Besucher auf einer großen Leinwand die Veranstaltung.
Sie konnten die Veranstaltung auf der Leinwand mitverfolgen. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Zuschauer blicken in freudiger Erwartung auf eine große Leinwand.
Zu den Gästen gehörte auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (3.v.l.) und seine Frau (2.v.l.). Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Ein Mann sitzt vor geöffneten Koffern voller Sendetechnik, Regiepulten und Bildschirmen. Auf einem der Bildschirme sind Livebilder vom Inneren der ISS zu sehen.
Sie alle warteten darauf, dass noch ein Gratulant zu Sigmund Jähn durchgestellt wurde. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Zuschauer blicken auf eine große Leinwand und lächeln und klatschen in die Hände.
Als es endlich gelang, waren alle erleichtert. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Ein älterer Mann mit weißem schütteren Haar steht vor einer riesigen Leinwand, auf der ein Astronaut mit blauer Uniform und deutschen Enblem an der Schulter zu sehen ist. Der Astronaut lächelt freudlich und hält ein Mikro in beiden Händen.
Karin Schädlich von der Deutschen Raumfahrtausstellung sagt: "Gerst und Jähn haben ein ganz besonderes herzliches Verhältnis, so wie zwischen Vater und Sohn oder vielleicht auch Opa und Enkel." Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Ein Mann hält ein Mikro und schaut zu einer Leinwand hoch. Im Hintergrund filmen und fotografieren Menschen.
Sigmund Jähn sieht sich eine kleine Überraschung an, die Alexander Gerst für ihn vorbereitet hat. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Ein Mann im grauen Anzug.
Er geht gerührt von der Bühne und setzt sich wieder. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
Menschen stehen direkt vor einer riesigen Leinwand und blicken zu einem überdimensional abgebildeten Astronauten in blauer Uniform hoch.
Zwei Jugendliche stellen interessante Fragen. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
 Ein älterer Mann im grauen Anzug sitzt in einer Stuhlreihe und lächelt freundlich in die Kamera.
Sigmund Jähn sagt später: "Mir fehlen die Worte, alles habe ich erwartet, aber dass die Anerkennung für eine Geschichte, die schon 40 Jahre zurückliegt, so positiv ausfällt, das berührt mich schon sehr." Bildrechte: MDR/Nora Kilényi
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Auch andere Besucher stellen Fragen an @Astro_Alex

Nachdem sich Ministerpräsident Michael Kretschmer nach dem Stand zu einem sächsischen Experiment erkundigt hatte, durften noch zwei Jugendliche Fragen in die ISS senden. Die 14-jährige Sophie wollte wissen, ob Gerst schon einmal ernsthaften Kontakt mit Weltraumschrott gehabt habe. Gerst antwortete, die Teilchen seien zum Glück sehr klein, so dass sie der Außenhaut nichts anhaben können. Aber bei seinem letzten Flug hätte er einen kleinen Einschlag im Fenster der Sojus-Kapsel gesehen, das sei schon sehr beunruhigend gewesen. Die ESA habe ein Programm gestartet, wo es darum geht, "wie können wir vermeiden, dass wir vielleicht in Zukunft gar nicht mehr in den Weltraum fliegen können, weil wir uns selbst den Orbit zugemüllt haben".

Menschen stehen direkt vor einer riesigen Leinwand und blicken zu einem überdimensional abgebildeten Astronauten in blauer Uniform hoch.
Auch Jugendliche konnten Fragen an Alexander Gerst stellen. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Die 16-jährige Alexandra wollte wissen, ab wann Gerst von Jähn gehört hatte und ob das seinen Berufswunsch beeinflusst hätte? Gerst erzählt: "Als sehr sehr ernstzunehmender Sandmännchen-Fan hatte ich schon früh von Sigmund Jähn gehört". Beim Start sei er zwar erst zwei Jahre alt gewesen, aber seine Eltern hätten ihm wenig später davon erzählt. Verwandte aus der DDR hätten ihn mit Büchern über das Interkosmos-Programm eingedeckt. Das habe ihn schon immer fasziniert und Jähn sei ein Held seiner Kindheit gewesen. "Ich habe das Glück gehabt, ihn kennenlernen zu dürfen und er ist für mich vom Held zum Freund geworden", sagte Gerst. "Er ist ein toller Mensch, bescheiden, verschmitzt, liebenswert, freundlich. Und im Sternenstädtchen, egal, wo man hinkommt, erinnern sich alle an ihn. Die alten Kosmonauten haben alle Sigmunds Telefonnummer im Handy gespeichert." So hatte Sigmund Jähn natürlich keine Chance, aus seiner emotionalen Stimmung herauszukommen. Doch wozu auch? Dieser Tag war sein Ehrentag.

Quelle: MDR /nk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 26.08.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 27. August 2018, 07:19 Uhr

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9 Kommentare

28.08.2018 11:55 O-Liner (1. V.) 9

@4. (Jürgen): So etwas wird nur in Stellung gebracht, wenn die betroffene Person medial abgeschossen werden soll. Und in diesem konkreten Fall wurde sicherlich nicht irgendeine Notwendigkeit dafür erkannt...

27.08.2018 11:53 Janes 8

@Jürgen 4: Hat er das denn? Hauptamtlich war er nicht dabei.
Mit solchen Anschuldigungen wäre ich sehr sehr vorsichtig!

27.08.2018 10:02 mare nostrum 7

@ 1

Schlecht, dass auch hier und in diesem Zusammenhang Unruhestifter ganz bewusst am Werk sind - und zwar durchschaubar.

26.08.2018 23:32 Atheist aus Mangel an Beweisen 6

Verstehe ich die Wende von Jähn überhaupt nicht.

26.08.2018 22:29 pickering 5

Nachdem unsere politische Fuehrungsriege in Berlin bereits seinen 80. Geburtstag letztes Jahr "sausen" lassen hat, und auch diesmal entschied, den 40. Jahrestag des Missionsbeginns "Erster Deutscher im All" weitgehend "verpennen" zu muessen,
ist es schonmal eine Wohltat den saechsischen Ministerpraesidenten vor Ort zu sehen, um nicht zu sagen 'es ist durchaus ueberraschend'

Alles Gute, Sigmund Jaehn

26.08.2018 21:52 Jürgen 4

Warum wird nicht erwähnt, dass Jähn für die Stasi gearbeitet hat?

26.08.2018 20:13 entejens 3

@Marcel: Der Kommentar von "Dr. Brinkmann" ist nicht nur "weder intelligent noch hilfreich oder gar mitfühlend", er ist einfach nur dumm und provokativ.

26.08.2018 19:35 Marcel 2

@Dr. Brinkmann
Ich frage mich manchmal, was mit Kommentaren wie dem Ihren wohl gemeint sein soll. Weder war die Messerstecherei im Gange noch war jemand gestorben als der sächsische MP dort zu Gast war. Oder meinen Sie er dürfe keine anderen Termine mehr wahrnehmen, die sich nicht um polizeiliche Ermittlungen drehen oder soll er im Wissen um potentielle Gefahren nicht mehr das Büro verlassen? Egal wie man zu den Ereignissen in Chemnitz steht, aber Ihr Kommentar ist leider weder intelligent noch hilfreich oder gar mitfühlend.

26.08.2018 19:02 Dr. Brinkmann 1

Schön, dass Ministerpräsident Kretschmer so viel Spaß hatte - während in Chemnitz seine Landsleute abgestochen wurden.

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