Göltzschtalbrücke im Vogtlandkreis/Sachsen
Die Göltzschtalbrücke in der Abenddämmerung. Bildrechte: Tobias Eckhardt

Kommunalwahl 2019 Vogtlandkreis: Dem demographischen Wandel entgegenwirken

Im Vogtland lässt es sich gut leben. Der westlichste Zipfel Sachsens hat viel zu bieten. Er ist Kuroase, Musikwinkel und Spitzenregion in einem. Ein Problem aber hat der Landkreis. Es fehlen Fachkräfte und Unternehmer.

von Ines Gruner-Rudelt

Göltzschtalbrücke im Vogtlandkreis/Sachsen
Die Göltzschtalbrücke in der Abenddämmerung. Bildrechte: Tobias Eckhardt

Balsam für Körper und Seele

Ein Langläufer dreht im Skistadion von Mühlleithen seine Runden.
Eine der vielen Möglichkeiten seine Freizeit zu gestalten: Skilanglauf in Mühlleithen im Klingenthal. Bildrechte: dpa

In den vogtländischen Traditionskurorten mit ihren Staatsbädern und Heilquellen werden Gäste aus Nah und Fern verwöhnt. Touristen lädt das Vogtland im Sommer zum Campingurlaub an die Talsperren ein - Bootsfahrten inklusive. Im Winter lockt es mit attraktiven Sportangeboten. Wer will, kann gut präparierte Loipen nutzen. Aber auch als Zuschauer lohnt sich der Weg, zum Beispiel in die Vogtlandarena Klingenthal zum Weltcup der Spitzensportler. Und auch wirtschaftlich steht der Landkreis auf soliden Füßen, wobei die geschickten Hände des Musikwinkels für harmonische Töne sorgen.

Und dennoch hat der Kreis - auch drei Jahrzehnte nach der Wende - ein Problem, ein Generationsproblem.

Wenn man 25 bis 30 Jahre zurückrechnet, dann fehlen jetzt genau die Leute, die damals nicht mehr geboren wurden auf dem Arbeitsmarkt. Wir haben ein sehr hohes Durchschnittsalter im Vogtland. Die Eltern gehen verstärkt in Rente und der Nachwuchs kommt nicht mehr, weil die Geburten fehlen. Und das ist der hohe Anspruch, den die Wirtschaft hat, den wir haben für die nächsten Jahre, dort Lösungen zu finden.

Rolf Keil (CDU) Landrat Vogtlandkreis

Das Vogtland - ein Billiglohnland?

Der Geburtenknick ist nur die halbe Wahrheit. Das Problem der fehlenden Fachkräfte ist - zumindest teilweise - hausgemacht. Zu lange wohl wurde das Vogtland als Niedriglohnregion angepriesen.

Sogar auf der Homepage des Vogtlandkreises wurde damit geworben, um hier ganz gezielt Unternehmen anzusiedeln, die natürlich Arbeitsplätze bringen. Aber eben auch sehr schlecht bezahlte Arbeitsplätze. Wir haben viele Auspendler nach Zwickau, die natürlich wegen VW oder den Automobilzulieferern wesentlich bessere Arbeitsplätze zu bieten haben, die tarifgebunden sind. Und der Freistaat Bayern ist nicht weit, wo natürlich auch wesentlich bessere Gehälter gezahlt werden.

Juliane Pfeil-Zabel (SPD) Kreistagskandidatin, Stadträtin Plauen

Hier will die SPD, mit 14 Sitzen derzeit zweitstärkste Kraft im Kreistag, ansetzen. Denn ohne gut bezahlte Jobs wird es auch künftig viel zu viele Pendler geben.

Luftbild VW Zwickau
Ein Jobmagnet im angrenzenden Landkreis Zwickau: VW. Bildrechte: MDR/Ralph Köhler

Arbeiten im Westen, wohnen im Osten

Die Nähe zu Bayern, sie ist Fluch und Segen gleichermaßen. So sorgt sie bis heute dafür, dass die Vogtländer im Westen lukrative Arbeitsplätze finden. Im Osten warten die Familie und ein günstiges Wohnangebot. Am Ende aber fehlen in der Heimat nicht nur Fachkräfte.

Sehr viele Unternehmen in Sachsen stehen vor der Frage, wem sie das Unternehmen übergeben sollen. Die Kinder machen es nicht, aus welchen Gründen auch immer. Wir müssen aber Unternehmer finden, damit die Betriebe, die aufgegeben werden, übernommen werden. Denn sonst kommt wieder eine Welle junger Leute, die in den Westen gehen.

Roberto Rink (DSU) Kreisrat Fraktion AfD-DSU

Kreisrat Roberto Rink fordert für jene, die einen Betrieb übernehmen wollen, vor allem pragmatische Lösungen - zum Beispiel Kredite, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Der Speditionsunternehmer sitzt seit 1990 für die DSU im Kreisrat, die zusammen mit der AfD sechs Abgeordnete stellt.

Attraktive Angebote für Rückkehrer

Vogtlandtheater Plauen: Ein Theater mit klassizistischer Fassade im Sonnenschein.
Eines der Kulturangebote im Landkreis: das Vogtlandtheater Plauen. Bildrechte: Theater Plauen-Zwickau/Peter Awtukowitsch

Aufgabe der Politik ist es aber, nicht nur junge Menschen zu halten, sondern auch zurückholen. Dazu muss neben der Arbeit auch das soziale Umfeld stimmen. Gebraucht werden ausreichend Kindergartenplätze, gute Ausbildungsmöglichkeiten und viele Freizeitangebote.

Da spielt unser Theater Plauen - Zwickau eine Stabilitätsrolle. Wichtig sind aber auch die freien Träger, das Malzhaus zum Beispiel oder die Musikhalle in Markneukirchen. Es ist außerdem wichtig, dass man starke Sportvereine hat, dass man im Tourismus Angebote macht, die natürlich nicht nur für Touristen, sondern auch für die einheimische Bevölkerung eine Rolle spielen. Das muss man auf hohem Niveau halten.

Ralf Oberdorfer (FDP) Vorsitzender Kreistagsfraktion, Oberbürgermeister Plauen

Denn auch künftig soll die Region nicht nur für ihre Gäste, sondern auch für die Vogtländer selbst ein Platz sein, an dem es sich gut leben lässt. Zur Kreistagswahl am 26. Mai treten im Vogtland neun Parteien mit insgesamt 358 Kandidaten an.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 10.05.2019 | 19:00 Uhr

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