Fallzahlen Krisenmanagement: Landrat des Vogtlandkreises äußert sich zu Kritik

Ende Dezember sorgte das vogtländische Adorf mit einem Corona-Inzidenzwert von mehr als 2.000 für Schlagzeilen. Adorfs Bürgermeister Rico Schmidt sah als Grund für die vielen positiven Fälle den Abbau eines Melderückstaus beim Landratsamt. Landrat Rolf Keil geriet wegen seines Krisenmanagements in die Kritik. Am Montag äußerte er sich dazu.

Rolf Keil, CDU / Landrat Vogtlandkreis
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Der Landrat des Vogtlandkreises, Rolf Keil (CDU), hat den Umgang seiner Behörden mit der Pandemie verteidigt. Auf einer Pressekonferenz sagte er, dass er den Rückstau bei der Bearbeitung der Fälle zur Chefsache gemacht habe. "Wir haben das Personal aufgestockt, die EDV angepasst und das System umorganisiert." Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes hätten während der Feiertage durchgearbeitet. "Die zwischenzeitlich extrem hohen Fallzahlen sind dadurch zustande gekommen, dass ein höheres Infektionsgeschehen mit der Abarbeitung der aufgelaufenen Fälle zusammenkam." Man habe aber keine Blaupause und die Behörden arbeiteten immer nur auf Sicht. Nun gebe es keinen Rückstau bei der Bearbeitung der Fälle mehr.

Keine einheitlichen IT-Systeme bei den Landkreisen

Marko Rentler, Sachgebietsleiter EDV im Landratsamt des Vogtlandkreises, stimmte dem Landrat zu. "Die größten Probleme sehe ich darin, dass es kein einheitliches System gibt. Jeder Landkreis musste sich ein eigenes System zur Kontaktnachverfolgung, zum Erstellen der Bescheide und zur Tagebuchführung bauen." Seit Beginn der Programmierung Anfang November habe man allein dafür 1.000 Arbeitsstunden aufgewandt.

Zwischen RKI und Landkreis klemmt der Datenfluss

Schwierigkeiten gebe es auch bei der Datenübermittlung. Die Testlabore müssten ihre Daten seit dem 1. Januar direkt an das RKI melden. Von dort würden sie dann digital an die Gesundheitsämter übermittelt. Damit gebe es derzeit noch Probleme, sagte Rentler. Daher würde der Landkreis weiterhin darauf bestehen, dass die Daten vom RKI an das Gesundheitsamt weiterhin parallel per Fax gesendet würden. "Nehmen wir die aktuellen Zahlen vom Montag. Vom RKI sind acht positive Testergebnisse elektronisch an das Gesundheitsamt des Vogtlandkreises übermittelt worden." Dort seien jedoch allein 65 Fälle bearbeitet worden, die per Fax übermittelt worden seien. "Die elektronischen Meldungen kommen also nicht rechtzeitig bei uns an. Woran das liegt, kann nur das RKI beantworten." Dort gäbe es nach Aussage der Verantwortlichen jedoch keine Probleme.

Quelle: MDR/tfr/bs

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.01.2021 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

4 Kommentare

Leonard vor 6 Wochen

Was ist eigentlich in Sachen Digitalisierung seit März passiert, nichts. Deutschland hat Über 10 Jahre geschlafen. Wenn die Weitergabe der Daten noch mit Zetteln und Faxgeräten erfolgt, dann gute Nacht. Wacht endlich auf und steckt Milliarden ins Digitale und nicht in Rüstung.

Sundheimer vor 6 Wochen

Und wieder hat Landrat Kreil alles richtig gemacht. Die EDV, die Landkreise und das RKI tragen die Verantwortung.
Wenn ich schon höre, dass erst im November begonnen wurde an der EDV zur Nachverfolgung etc. zu arbeiten platzt mir der Kragen.
@MDR; im Bericht vom 7.1.2021 haben Sie noch so viele spannende Fragen gestellt. Warum findet sich dazu nichts in diesem Beitrag? z.B. die Mitarbeiter hätten die Feiertage durchgearbeitet (da gab es eine Diskrepanz verschiedener Aussagen Keils). Was ist mit Ihren Vorwürfen? Wenn Sie dem Landrat gegenübersitzen müssen Sie doch genau diese Fragen stellen. Den heutigen Beitrag empfinde ich nicht als differenzierten Journalismus.

Harry20 vor 6 Wochen

Auch weiterhin stellt sich die Frage, was Bund und Landesregierung den ganzen Sommer über gemacht haben!? Diese Institutionen beschäftigen Massen an Personal und Kosten den Steuerzahler Milliarden an Euros. Verantwotungen werden aber nur an untergeordnete Ebenen abgetreten....

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