Werksschließung MAN-Mitarbeiter in Plauen wollen um ihr Werk kämpfen

Es sind keine gute Nachrichten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des MAN Bus Modification Centers in Plauen. Die Konzernspitze hält auch nach einem Gespräch mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer an seinen Schließungsplänen fest. Obwohl der Betrieb rentabel arbeite und die Auftragsbücher voll seien, steht den 150 Beschäftigen und 22 Azubis steht eine ungewisse Zukunft bevor. MDR SACHSEN hat mit den Mitarbeitern des Werks in Plauen über ihre Situation gesprochen.

Vier Männer stehen vor dem Eingang vom MAN-Werk in Plauen
Die Mitarbeiter des MAN-Werks in Plauen stehen vor einer ungewissen Zukunft. Der Konzern hat vor, das Werk zu schließen. Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Jens Perner hat Tränen in den Augen. Seit mehr als 20 Jahren ist er bei MAN in Plauen beschäftigt. Er liebt seinen Job, so wie viele seiner Kollegen. "Es sind ja viele mit der Firma verbunden, manche sind 40 Jahre in dem Betrieb, das kratzt sehr an den Nerven", erzählt er. Man versuche das Beste aus der Situation zu machen, denn jetzt die Flinte ins Korn zu werfen, gehe nicht. "Wir geben die Hoffnung nicht auf, mehr können wir nicht machen", so Perner.

Auch Daniel Möschke will sich nicht einfach damit abfinden, dass MAN das Werk in Plauen schließen will. "Ein anders Thema gibt es zur Zeit gar nicht, weil jeder Angst um seine Zukunft hat", sagt er.

Man möchte einfach nur kämpfen und weiß aber gar nicht wie.

Daniel Möschke Mitarbeiter bei MAN in Plauen

Darauf hat auch Betriebsratschef Marcus Galle keine Antwort. Ihm sitzen Schock und Unverständnis nach der bitteren Nachricht aus München noch in den Knochen. "Was uns umtreibt ist erstmal der Vertrauensbruch. Wir haben uns auf das Wort der MAN verlassen, mit uns einen neuen Anfang zu schaffen und diesen Weg erfolgreich zu gestalten", sagte er. Das habe man geschafft. "Die Höfe sind voll, die Leute arbeiten und wenn man sechs Jahre etwas aufgebaut hat und ist erfolgreich damit, dann gibt man das nicht einfach auf", so Galle. Es liege das erfolgreichste Geschäftsjahr hinter dem Betrieb.

Auch die vom Konzern einseitige Kündigung des Standort- und Beschäftigungsvertrages werde man rechtlich prüfen lassen. "Wir erwarten, dass es faire Gespräche gibt. Über das Geschäftsfeld, zum Standort, zu den Menschen, zu den Zukunftsaussichten", sagt der Betriebsratschef. Laut Betriebsrat könnte im April kommenden Jahres den ersten Mitarbeitern in Plauen gekündigt werden.

der Bus von außen
Im MAN Bus Modification Center in Plauen wurde im letzten Jahr der Bus der Deutschen Fußballnationalmannschaft nach ihren Wünschen gestaltet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Oberbürgermeister fordert Alternativen von MAN

Die Art und Weise, wie MAN seine Pläne durchziehen möchte, stößt auch Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer sauer auf. "Wir haben letztes Jahr 100 Jahre Busbau in Plauen gefeiert", sagt er.

Es geht einfach darum, dass wir nicht ohne Kampf zuschauen, wie solche Traditionen einfach von der deutschen Industrielandschaft verschwinden.

Ralf Oberdorfer Oberbürgermeister von Plauen

Oberdorfer bemängelt, dass seitens des Konzerns bisher nicht über alternative Lösungen gesprochen wurde, obwohl es die aus seiner Sicht gäbe. Eine Alternative könne sein, dass MAN diesen Betrieb an einen Dritten verkauft, der eigenständig die Busmodifikation weiterbetreiben möchte, so Oberdorfer. Betriebsrat und Gewerkschaft haben angekündigt, weiter für den Erhalt des Betriebes zu kämpfen, notfalls auch wieder mit Warnstreiks oder anderen Aktionen.

Quelle: MDR/al/bs

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 30.09.2020 | 19:00 Uhr

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