03.01.2020 | 15:30 Uhr Mehr Krätze-Fälle im Erzgebirge und im Vogtland

Krätze-Milbe
Krätze-Milbe Bildrechte: IMAGO

Im Vogtland- und auch im Erzgebirgskreis haben sich die gemeldeten Krätze-Fälle im vergangenen Jahr erhöht. Waren es im Vogtlandkreis 2018 noch 138 Fälle, stieg die Zahl 2019 auf 199 Fälle, im Erzgebirgskreis sogar von 173 auf 231 Fälle. Das teilten die Landratsämter auf Anfrage von MDR SACHSEN mit. Zuerst hatte die Freie Presse berichtet. Die Fallzahlen pro Jahr unterliegen allerdings ständig Schwankungen, so die Pressestelle des Landratsamtes Erzgebirgskreis. Aus dem Landratsamt in Plauen hieß es, man könne sich die Ursachen des Anstiegs nicht erklären.

Anders ist die Lage beispielsweise in Zwickau. Hier wurden im vergangenen Jahr 129 Fälle registriert, 24 weniger als im Jahr zuvor. Das Landratsamt Mittelsachsen erhebt aufgrund der nicht vorhandenen Meldepflicht keine Statistik zu den Krätzefällen.

Chemnitz setzt auf Prävention

In Chemnitz bleiben die Zahlen mit 222 Fällen 2018 und 219 Fällen 2019 nahezu konstant. Das Gesundheitsamt führt das auf eine bessere Prävention zurück. So wurden folgende Maßnahmen ergriffen:

  • Umfassende Aufklärung und Beratung für Erkrankte und Angehörige
  • Verteilung von Informations-Flyern
  • Informations-Brief des Gesundheitsamtes an alle niedergelassenen Ärzte in Chemnitz

Hautausschlag am Arm
Ein mit Krätze befallener Arm. Bildrechte: imago/blickwinkel

Krätze war nie weg

"Krätze war nie weg", so Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des Robert-Koch-Instituts. "Die Krankheit war bloß nicht so im Fokus." Es gibt keine bundesweite Meldepflicht für Krätzefälle. Nur Erkrankungen aus Gemeinschaftseinrichtungen, wie Kindergärten, Pflegeheime und Obdachlosenheimen, werden an die Gesundheitsämter gemeldet. Daher gibt es keine bundesweiten Statistiken. "Aufgrund von Krankenhausdiagnosen können wir aber langjährige Zyklen feststellen, deren Ursachen nicht bekannt sind", so Glasmacher. Auch gebe es große regionale Unterschiede.

Eine Übertragung von Krätze setzt einen großflächigen, längeren und kontinuierlichen Haut-zu-Haut-Kontakt in der Größenordnung von fünf bis zehn Minuten voraus. Dementsprechend sind Handschütteln, Begrüßungsküsse, Umarmungen und Ähnliches ohne Übertragungsrisiko. "Krätze ist nichts, was einen in der U-Bahn anspringt", sagt Glasmacher. Personen, die sich bei einem Patienten anstecken können, sind im Regelfall Mitglieder einer Familie oder Wohngemeinschaft, zum Beispiel Paare, eng vertraute Geschwister, Eltern mit Kleinkindern sowie pflegebedürftige Personen, deren Betreuer und Pfleger.

Wie viele Menschen sachsenweit tatsächlich an Krätze erkrankt sind, ist aufgrund der eingeschränkten Meldepflicht unklar. Auch die Zahlen der Gesundheitsämter lassen keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Zahl der Erkrankungen zu. "Da es keine Arztmeldepflicht gibt, ist es wahrscheinlich, dass die Dunkelziffer höher sein dürfte", so das Gesundheitsamt aus dem Landkreis Zwickau.

Was ist Krätze? Die Krätze, medizinisch als Skabies bezeichnet, ist eine durch die Skabiesmilbe verursachte ansteckende Hautkrankheit des Menschen. Die Milben sind nur 0,3 bis 0,5 Millimeter groß und damit kaum mit bloßem Auge sichtbar. Sie graben sich in die obere Hautschicht des Menschen ein, wo die Weibchen über ihre Lebenszeit von etwa vier bis acht Wochen täglich mehrere Eier legen. Die Reaktion auf Milbenausscheidungen verursacht nach einiger Zeit Hautreaktionen. Besonders dort, wo Menschen auf engem Raum zusammen leben, können sich Skabiesmilben verbreiten. Daher kommt es gelegentlich zu Krankheitshäufungen, vor allem in Gemeinschafts- oder Pflegeeinrichtungen. Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.01.2020 | 18:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2020, 15:31 Uhr

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